Donnersbergkreis Die Siedlung Winidowilari

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Gut besucht war der Vortrag im jüdischen Museum in Winnweiler zum Auftakt der 1125-Jahrfeier der Gemeinde. Nachdem zunächst noch einige Hürden überwunden worden waren – weitere Stühle mussten geholt werden, die Heizung hatte ihren Dienst eingestellt – , ließen sich die Gäste anschließend von dem anschaulichen Vortrag von Werner Rasche fesseln.

Der Vortrag im jüdischen Museum bildete den Auftakt zur 1125-Jahr-Feier Winnweilers. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde Winnweiler am 10. Februar 891. Dieses Datum gilt als die offizielle Geburtsstunde von „Winidowilari“. Die „Theotelach-Urkunde“, benannt nach dem zu dieser Zeit amtierenden Bischof, gilt seit Jahrhunderten als verschollen. Ende des 20. Jahrhunderts wurde aber eine Abschrift davon in der „Bibliothèque Royale Albert“ (Brüssel) gefunden. Diese Abschrift wird als eine mit hoher Wahrscheinlichkeit originalgetreue Kopie eingestuft. Laut dieser Abschrift erhielten ein gewisser Graf Erinfried und seine Gemahlin Aldegunde von Burgund Winnweiler als Siedlung zur Verwaltung. Den Name Winidowilari würde man heute mit „Siedlung der Wenden“ übersetzen. Die Wenden waren eine slawische Bevölkerungsgruppe. Sie wurden als Kriegsgefangene häufig in eigens aufgebauten Siedlungen gehalten, etliche dieser Siedlungen wurden nach ihnen benannt. Karl des Große hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die heidnischen Slawen vom Christentum zu „überzeugen“. Einen weiteren positiven Zweck besaßen die „Weiler“ für den Herrscher auch deshalb, weil er die dort wohnenden Menschen darin besser unter Kontrolle halten konnte. Zur mittelalterlichen Gemarkung Winnweiler zählten auch weitere Siedlungen wie Hochstein (Anabozi), Gundersweiler (Guntharii), Falkenstein (Falconolai), Höringen (Hildeberg), Gehrweiler (Jerisonis) und Wingertsweiler (Willegarii). Winnweiler unterstand dem Kollegiatstift St. Cyriakus bei Neuhausen in Worms. Auch Jakobsweiler, das im Mittelalter Ciliakeswilre (Cyriakusweiler) geheißen hatte, wurde von eben diesem Stift verwaltet. Anhand von verschiedenen alten Fotografien und Lageplänen zeigte Rasche, wo das im Jahre 891 aufgebaute Herrenhaus mit Hof gestanden haben muss. Das heutige Gelände wird nun von der katholischen Kirche und dem Pfarrheim besetzt. Die damals übliche Holzkirche stand an der Stelle, wo heute die protestantische Kirche steht. Winnweiler galt zum damaligen Zeitpunkt mit seinen 58 Höfen als eine besonders große Siedlung. Zum Vergleich: Im Schnitt hatte ein „Weiler“ etwa acht Bauernhöfe, beispielsweise Hochstein setzte sich aus lediglich vier zusammenstehenden Bauernhöfen oder Wohnhäusern zusammen. Im Anschluss an den Vortrag konnten sich die Besucher an den ausgestellten Tafeln über die Winnweilerer Geschichte informieren, und der Referent stand für Fragen und den Austausch zum Thema zur Verfügung. (gom)

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