Höringen
Die neuen Ortsbürgermeister: Brigitte Enders profitiert von ihrer Erfahrung als Beigeordnete
Dass sie vorher schon Erste Beigeordnete in ihrem Dorf war, hat ihr die Arbeit erleichtert. „Durch die Zusammenarbeit mit meinem Vorgänger Helmut Eisenbeiß hatte ich schon Einblicke in die Tagesgeschäfte bekommen.“ Wegen seiner Krankheit musste sie ihn auch längere Zeit vertreten. „Diese Erfahrungen waren sehr hilfreich. Ich wusste, was in der Kommune lief, was anstand und was dringend war. Trotzdem gab es viele neue Erkenntnisse im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeindeverwaltung und der Kreisverwaltung.“ Denn die Bürokratie nehme doch „sehr viel mehr Zeit in Anspruch, als ich gedacht hatte“.
Einstiegsprojekt Bürgerladensanierung
Ihr Einstiegsprojekt war die Sanierung des Bürgerladens. Neben der Arbeit im Laden selbst hat sie viel Zeit mit der Planung und den Anträgen verbracht. „Das war schon eine größere Hausforderung.“ Auf den Weg gebracht wurde auch das Neubaugebiet, danach stand die Sanierung der Toilettenanlage im Bürgerhaus an, auch für die kommenden Monate ist einiges geplant. Unterstützung findet sie bei den Mitarbeitern der Verbandsgemeindeverwaltung Winnweiler und bei Bürgermeister Rudolf Jacob.
„Das Wichtigste bei meinem Amtseinstieg war aber das Zuhören, das Fragen. Und dass man sich mit eigenen Äußerungen zurückhält“, sagt sie.
Natürlich hat die Corona-Pandemie auch in Höringen den Schwung etwas eingebremst. „Die ersten Tage waren schon sehr aufregend und skurril. Ich musste schweren Herzens unsere öffentlichen Gebäude und Plätze schließen, den Bürgerladen auf die geltenden Hygienevorschriften hin einrichten und die Maskenbeschaffung organisieren“, blickt Enders zurück.
Kontakt zu Senioren fehlt
Das gesamte Vereinsleben kam auch in Höringen zum Erliegen. Untersagt waren auch die Besuche bei Geburtstagskindern. „Das war für mich sehr bedrückend, weil ich weiß, wie wichtig der Kontakt für unsere Senioren ist“, bedauert sie. Die Hoffnung, die Zeltkerwe ausrichten zu können, wurde auch immer unwahrscheinlicher, und letztlich wurde das Brauchtumsfest abgesagt. „Ich weiß, dass allen Bürgern die Feste sehr fehlen. Die sozialen Kontakte, die man bei diesen Festlichkeiten pflegt, sind weggefallen. Ich habe versucht, kleine Ausgleiche zu schaffen“, so die Ortschefin. „Eine Bürgerin hat mehrere Tage lang abends nach dem Coronageläut der Pfarrgemeinde ein Trompetensolo über Höringen erklingen lassen.“
Eine schöne Begebenheit in der Coronazeit sei auch die Aktion zweier Heimwerker gewesen: „Sie haben Holzfiguren gebastelt und diese am Hinkelstein-Trail im Höringer Wald aufgestellt. Die Figuren haben viele Besucher angelockt. Höringen hat jetzt einen eigenen Skulpturenweg der besonderen Art“.
Die Ziele von Brigitte Enders für die nächsten Monate sind die Bürgerhaussanierung und die Vermarktung des Neubaugebietes in Zusammenarbeit mit einem Investor. Sobald es die Hygienevorschriften zulassen, wird es Informationsveranstaltungen zur Dorfneuerung geben, denn Höringen ist seit März als Schwerpunktgemeinde anerkannt. Ein Meilenstein in der Entwicklung wird die Erschließung des Neubaugebietes „Heckwiese“ sein, so die Ortsbürgermeisterin. „Über 20 Jahre wurde daran gearbeitet, nachgebessert und umgeändert. Jetzt kann es endlich losgehen.“
Sehr glücklich ist Enders darüber, dass es in der Ortsgemeinde viele Menschen gibt, die sich ehrenamtlich betätigen. Dies sei auch ein Zeichen, wie lieb den Einwohnern ihre Heimat sei und dass sie bereit seien, die Attraktivität zu stärken.
Seit mehr als 30 Jahren im Ort
Selbst hat die Ortschefin, die nicht aus Höringen stammt, aber schon länger als 30 Jahre dort lebt, in den vergangenen Monaten etliche Plätze und Orte neu entdeckt. „Ich staune über unsere schöne Umgebung“, sagt sie dazu. In der nächsten Zeit wünscht sie sich wieder mehr persönliche Kontakte zu den Bürgern. „Die haben mir in der Coronazeit am meisten gefehlt.“
Ortsbürgermeisterin Brigitte Enders wurde 1958 in der Gemeinde Bohl im Landkreis Eschweiler, einer Voreifelgemeinde im Rheinland, geboren und ist dort auch aufgewachsen. Seit 1990 wohnt sie auf dem zu Höringen gehörenden Wackenbornerhof. Sie ist gelernte Physiotherapeutin, arbeitet heute aber als kaufmännische Angestellte im Tischlerbetrieb ihres Ehemannes. Sie liebt die Gartenarbeit, die Arbeit in der Ortsgemeinde und ihren Enkel.