Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Die Herrin der Zahlen geht

Gertrud Crammewar 43 Jahre lang Referatsleiterin für Finanzen bei der Verbandsgemeinde Winnweiler.
Gertrud Crammewar 43 Jahre lang Referatsleiterin für Finanzen bei der Verbandsgemeinde Winnweiler.

43 Jahre lang war Gertrud Cramme bei der VG Winnweiler beschäftigt, zuletzt als Leiterin der Finanzabteilung. Dabei wollte sie doch ursprünglich etwas ganz anderes werden. Bevor sie in den Ruhestand geht, verrät sie aber noch, wo man die Schätze der Verbandsgemeinde finden kann.

Auf dem Tisch im Zimmer 108 steht noch die alte Rechenmaschine neben dem Telefon, an der Wand hängen einige gute Wünsche. Doch der Schreibtisch ist bereits eine Spur zu aufgeräumt, die Aktenstapel nahezu abgetragen. Gertrud Cramme, Referatsleiterin für Finanzen der Verbandsgemeinde Winnweiler, verabschiedet sich nach insgesamt 43 Jahren Arbeit in und für die Verbandsgemeinde in den Ruhestand.

„Ich hatte nie den Wunsch wegzugehen“, meint die freundliche Frau hinter dem Schreibtisch. Die Worte kommen überlegt und ehrlich, für Aufgesetztes ist bei Gertrud Cramme kein Platz. Fachsprachlich korrekt, aber mit Herz und Verständnis für ihr Gegenüber, verwaltet sie seit 1990 die Schätze der Verbandsgemeinde. Wo die wohl vergraben sind? „Unsere Schätze sind unsere Straßen“, lautet die überraschende Antwort. Was dem Laien zunächst gar nicht bewusst ist, ist bei näherer Betrachtung nicht so verwunderlich: Liegenschaften und Gebäude, Straßen und Bauwerke, das sind die Vermögenswerte, mit denen die Gemeinde wirtschaften muss.

Manchmal unpopuläre Entscheidungen getroffen

Auch wenn sie im Rückblick gerne mehr finanzielle Mittel im Bereich Kinder und Jugend investiert gesehen hätte, ist Gertrud Cramme mit der Vergangenheit im Reinen. Die größte Herausforderung ihrer ganzen Tätigkeit war die Umstellung von der kameralistischen Haushaltsführung auf die Doppik: „Die Vermögenswerte der Gemeinde mussten bewertet werden, gleichzeitig wurde das Haushaltsrecht umgestellt. Das war eine schwere, herausfordernde Zeit. Ich habe es als meine Aufgabe gesehen, dieses Thema auch den ehrenamtlichen Vertretern in den Ortsgemeinderäten verständlich nahezubringen.“

Viel Arbeit für die Finanzchefin, die weit durch die Gemeinde gereist ist, um vor Ort mit Menschen im Gespräch zu bleiben und für die Belange der Kommune um Verständnis zu werben. „Manchmal müssen unpopuläre Entscheidungen getroffen werden. Steuererhöhungen gehören ganz sicher dazu oder auch jetzt die durch die Kommunalaufsicht eingeforderte Anhebung der Grundsteuer-Hebesätze. Aber die Anforderungen an die Kommunen, die vom Land und auch von den Bürgern selbst erhoben werden, sind gewaltig und müssen irgendwie gegenfinanziert werden.“ Früher waren mehr finanzielle Mittel da, stellt sie fest, „da waren die Spielräume größer. Heute muss man über Einsparungen sprechen. Als ich angefangen habe, war der Druck, wie er heute ist, nicht da, da konnte man lernen.“

Traumberuf war Hauswirtschaftslehrerin

Ihrem bisherigen Stellvertreter und baldigen Nachfolger im Amt, Peter Stabel, gibt sie mit auf den Weg: „Man muss den Menschen erklären, warum Dinge notwendig sind und gerade auch unpopuläre Entscheidungen begründen und besprechen. Vor Ort verständlich zu machen, dass das notwendig ist, um die Lebensqualität im ländlichen Raum zu erhalten, ist wesentlich. Es wird nicht einfacher werden.“

Finanzbeamtin zu werden, war Gertrud Cramme nicht in die Wiege gelegt: „Zahlen sind eigentlich gar nicht so mein Metier, waren es auch in der Schule nicht. Eigentlich wollte ich Lehrerin für Hauswirtschaft und Textiles Gestalten werden.“ Doch Ende der 1970er Jahre sorgte eine Lehrerschwemme dafür, dass die frisch entlassene Schülerin sich für eine Ausbildung zur Diplom-Verwaltungswirtin entschied, die sie 1980 an die Fachhochschule Mayen und zeitgleich in die Verbandsgemeinde Winnweiler führte. Ihre erste Station war allerdings nicht die Finanzabteilung, sondern das Referat Ordnungs-, Schul- und Sozialwesen. Seit 1984 fungierte sie auch als Standesbeamtin: „In der Zeit hatten wir rund 120 Eheschließungen im Jahr, davon über die Hälfte Amerikaner. Das hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn ich am Anfang immer sehr aufgeregt war und eine halbe Stunde vor dem Termin kaum ansprechbar. Das hat sich dann später gelegt.“ Einen ihrer drei Dienstherren, den ehemaligen Bürgermeister Peter Schulz, hat Gertrud Cramme in dieser Funktion in zweiter Ehe verheiratet, „da war ich schon ein bisschen nervös“.

Ehemann hat mit Finanzen nichts am Hut

Wer kümmert sich im Hause Cramme um die privaten Finanzen? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Das mach natürlich ich.“ Gatte Wolfgang überlässt diesen Bereich gerne seiner Fachfrau, „der ist Handwerker und hat mit sowas wie Online-Banking nichts am Hut.“

Wenn Gertrud Cramme ab April zu Hause werkelt, möchte sie gerne ihrem eigentlichen Berufswunsch folgend mehr Zeit für Handarbeit nutzen: „Sticken macht mir viel Spaß, Kissenbezüge und Tischdecken. Vielleicht fange ich auch wieder mit dem Klavierspielen an, das habe ich früher gerne gemacht.“ Das eigene Haus und das dazugehörige große Grundstück bieten ebenfalls genügend Beschäftigungsmöglichkeiten, sodass es der ehemaligen Referatsleiterin nicht langweilig werden wird. „Trotzdem werde ich das hier ein bisschen vermissen, besonders das Miteinander mit meinen Mitarbeitern. Ich hatte immer ein tolles Team hinter mir und eine gute Zusammenarbeit mit meinem Stellvertreter.“ Dass der Übergang in ihrem Referat gut geregelt ist, macht ihr den Abschied etwas leichter.

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