Donnersbergkreis Die Farbe des Gefieders spielt keine Rolle
Es ist ein Außenseitersport. Brieftaubenvereinen fehlt – wie so vielen anderen Vereinen auch – der Nachwuchs. Nichtsdestotrotz hat die Reisevereinigung (RV) Kirchheimbolanden und Umgebung auch in diesem Jahr wieder eine beachtliche und gut besuchte Brieftauben-Ausstellung auf die Beine gestellt.
94 Tauben wurden am Sonntag ausgestellt, alle am Tag davor von zwei Preisrichtern begutachtet. Selbst wenn für den Laien die Tiere alle gleich aussehen, sahen die geschulten Augen der Preisrichter einige Unterschiede. Bewertet wurden die Brieftauben anhand von fünf sogenannten Positionen, wie die Preisrichter Reiner Müller aus Mehlingen und Ronny Ranke (Winnweiler) erklärten. Die erste Position bewertet den Gesamteindruck der Taube. Sieht eine männliche Brieftaube, unter den Züchtern als „Vogel“ bezeichnet, aus wie ein Weibchen, gebe es Punktabzug, erklärten die Experten. Als zweite Position werden Becken und Brustbein der Taube begutachtet. „Hierbei schauen wir auch, wie das Becken und das Brustbein mit dem Körperbau harmonieren“, sagte Ranke, der im vergangenen Jahr auch Preisrichter bei der Deutschen Brieftaubenausstellung in Dortmund war. Die dritte Position bezieht sich auf den Rücken der Taube, als vierte Position wird die Harmonie bewertet. Man schaue sich die Muskulatur und das Gleichgewicht der Taube an, informierten Müller und Ranke. „Die zweite und die vierte Position dürfen im Idealfall nicht weiter als 0,5 Punkte auseinanderliegen, sonst stimmt das Gesamtbild nicht“, so Ranke. Die letzte Position bezieht sich schließlich auf die Flügel der Taube. „Hier achten wir auf die Federn“, erklärte Müller und zeigte den Flügel eines der Tiere, das er sanft in der Hand hielt. „Sind die Federn durch Mottenbefall oder durch Turbulenzen bei den Flügen beschädigt, gibt es Punktabzug“, fügte er hinzu. Die 94 Tauben wurden in insgesamt zwölf Preisklassen gerichtet. Die „Meisterklasse“ beispielsweise beinhaltet zwölf Flüge im Jahr. Darüber hinaus wird zwischen Jungtieren, Weibchen und Vögeln unterschieden. Der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Tieren ist für Laien kaum erkennbar – auch wenn Vögel in der Regel kräftiger sind und einen markanteren Schnabel als die Weibchen haben. Der einzige Unterschied, der dem Laien direkt auffällt, ist die Farbe des Gefieders. Diese spiele bei der Bewertung allerdings keine Rolle, so die Preisrichter. Die Arbeit der Richter war mit der Bewertung der Positionen noch nicht getan. Sie bestimmten auch noch ein „Standardtier“, sprich eine Taube, die am ehesten dem Idealbild entspricht. Die diesjährige weibliche Standardtaube ist im Besitz von Josef Hetzel, die männliche wurde von Josef Radetz gezüchtet. Die beiden Standardjungtiere stammen von Bernd Schmidt. Für die RV Kirchheimbolanden und Umgebung ist die Taubenausstellung eine Art Saisonabschluss. An 13 Reisewochenenden im Jahr fliegen die Tauben der Züchter Wettkämpfe. Dabei werden sie in einem Lkw zum Startpunkt gebracht und fliegen dann nach Hause zurück. „Die Strecken variieren zwischen 150 und 650 Kilometern“, berichtete Vereinsvorsitzender Werner Ehard aus Eisenberg. Bei den Transporten der Tiere werde auf deren Wohl geachtet. So würden die Tiere beispielsweise auf halber Strecke getränkt und seien mit Futter versorgt, erklärte der Zweite Vorsitzende, Hans-Peter Göhring aus Dirmstein. Zudem werde nur bei sehr guten Witterungsverhältnissen gestartet. Im Jahr 2018 seien etwa aufgrund der Hitze Flüge abgesagt worden. Bei den Taubenflügen, die in den Monaten Mai bis September stattfinden, werden Preise an die Tiere vergeben, die am schnellsten wieder zu Hause sind. „Die Flugdaten werden elektronisch übermittelt“, so Göhring. Die Tauben finden instinktiv nach Hause zurück. Warum – das sei bisher noch nicht erforscht. Erster RV-Meister des Jahres 2018 wurde die Schlaggemeinschaft (SG) Stühler und Heller mit 57 Preisen und 21.960 Preiskilometern. Die SG Eichler/Gödtel wurde Zweite (55 Preise, 21.129 Kilometer), gefolgt von Bernd Schmidt mit 42 Preisen und 16.606 Kilometern. Die fünf besten Tauben flossen jeweils in die Bewertung ein. Bei den RV-Meisterschaften in der Preisklasse Jungflug siegte die SG Eichler/Gödtel, gefolgt von Bernd Schmidt und Werner Ehard. Ehrungen Werner Ehard und Bernd Schmidt wurden für über 50 Jahre Engagement geehrt. Schmidt wurde zudem zum Ehrenmitglied und Ehard zum Ehrenvorsitzenden ernannt.