Winnweiler
Der Hüter der Igelborner Hütte: Mit österreichischer Gelassenheit
Sie hebt sich schon an einigen Stellen von den meisten anderen Hütten im Donnersbergkreis ab. Nicht nur, weil die Igelborner Hütte gleich an fünf Tagen in der Woche geöffnet hat. Nein, da wäre auch dieser unverkennbare, österreichische Einschlag. Einerseits mit Blick auf die Speisekarte, andererseits dann, wenn man sich mit Pächter Ernst Kurz unterhält. Der Akzent, den er aus seiner Heimat mit nach Winnweiler gebracht hat, ist unverkennbar. Und vielleicht auch deshalb hat die Hütte seit 2019 wieder ein echtes Original, das den Laden am Laufen hält.
Für Kurz ist es zudem ein echter Lebenstraum. Der 49-Jährige hat zuvor in der Hotel-, der Sterne- und auch der System-Gastronomie gearbeitet, kennt das Geschäft also bestens. Eine Hütte in der Natur, mit dem Ambiente, den Freiheiten – da konnte er nicht nein sagen. Die Idee kam auf, als er selbst bei einer Wanderung vor einigen Jahren in der Hütte zu Gast war. Seit dem 1. Mai 2019 ist er nun der Pächter, bereut hat er das nicht. Auch trotz der zunächst keineswegs einfachen Zeit. „Tatsächlich war 2023 das erste Jahr, in dem ich wirklich komplett öffnen durfte“, erzählt er. Schließlich hatte Kurz die Corona-Jahre komplett erwischt. Lockdowns, Teil-Lockdowns, Einschränkungen. „Es war sehr hart, man hat halt mit dem durchgehalten, was man noch hatte“, sagt er. „Und ich bin immer positiv geblieben.“ Hilfreich sei auch gewesen, dass der Pfälzerwald-Verein ihn stets unterstützt habe.
Stammtische, Stammgäste und viel Betrieb ab 18 Uhr
Inzwischen ist aber endlich Normalität eingekehrt. Ernst Kurz steht von Mittwoch bis Sonntag in seiner Hütte, ist Anlaufpunkt für Wanderer, aber auch für Stammgäste aus dem gut fußläufig erreichbaren Winnweiler. Stammtische, Kartenspielrunden haben sich gebildet. Eine weitere Besonderheit mit Blick auf die anderen Hütten. „Bei mir geht es eigentlich erst abends so ab 18 Uhr richtig los, wenn bei anderen schon Feierabend ist“, sagt Kurz. Ihm ist auch bewusst, dass sein Angebot ein wenig all denjenigen einen Anlaufpunkt bietet, die aufgrund des Kneipensterbens sehnsüchtig nach einem Ort für das (feier)abendliche Bier gesucht haben. Eine Win-Win-Situation. Kurz kann sich auf seine Stammgäste verlassen und die haben wiederum einen geselligen Ort zum Beisammensitzen gefunden, was im ländlichen Raum keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Doch was führt einen Österreicher aus der Wachau eigentlich an den Donnersberg? Natürlich die Liebe. Frau Annemarie stammt aus Winnweiler, seit etwa zwölf Jahren wohnt das Paar auch zusammen hier. „Als das erste Kind unterwegs war, bot sich diese Entscheidung an“, sagt er. Mit in die Pfalz bringt er auch einige Spezialität aus seiner Heimat, die sich auf der Speisekarte gut neben den deftigen Pfälzer Speisen einfinden. Tiroler Gröstl gibt es dann. Blunzengröstl, Kaspressknödel oder den klassischen Kaiserschmarrn. Um all das kümmert sich Ernst Kurz vorwiegend auch selbst. Neben ihm arbeiten gelegentlich noch Frau Annemarie oder bei viel Betrieb auch Aushilfen mit. Im Wesentlichen hält der 49-Jährige den Laden aber selbst am Laufen.
Ganzjährig geöffnet und keine Angst vor Regenwetter
Und wie viel ihm an seiner Hütte liegt, ist auch sichtbar. In seiner „Amtszeit“ wurde bereits ein Teil der Außenfassade erneuert, die kleine Sitznische im Freien wetterfest gemacht und überhaupt wirken etwa 3000 Quadratmeter sehr gepflegt. Kurz ist eben wahrlich ein Vollzeit-Hüter seiner Hütte. Ganzjährig hat sie geöffnet, außer wenn die Pächterfamilie mal Urlaub macht. Heißt auch in den Monaten, in denen der Publikumsverkehr durch Wanderer nachlässt. „Klar ist es im Winter oder generell in verregneten Monaten weniger, aber es gibt auch immer gute Tage, an denen einige Leute unterwegs sind“, sagt Kurz. Planen könne man das ohnehin nicht. So sei in diesem Jahr die eigentlich gute Zeit von April bis Juni sehr verregnet gewesen. Hört man ihm zu, kommt da jedoch die typische österreichische Gelassenheit zum Vorschein. Ernst Kurz macht eben generell das Beste draus.
Zurücklehnen kann er sich nun aber am Wochenende. Zumindest etwas. Wenn am Sonntag die großen Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Hüttenbaus anstehen, schlüpft der Pfälzerwald-Verein in die Rolle des Veranstalters. „Die haben das alles organisiert und ich bin ausnahmsweise mal nicht zuständig fürs Essen“, sagt Kurz. Ab 11 Uhr gibt es an der Hütte Musik, reichlich Essen und Trinken und – sofern das Wetter mitspielt – eine gesellige Geburtstagsfeier für die Igelborner Hütte. Ernst Kurz wird da sein und seine Hütte am Abend wieder zuschließen. Wie fast jeden Abend. Und geht es nach ihm, wird er diesen Lebenstraum noch sehr viele Jahre weiterführen.
Hüttencheck
Hier gehts zur vorherigen Folge: Die Hüter der Kronbuchenhütte.
