Donnersbergkreis Der Biber trotzt auch Schnee und Eis

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Offensichtlich ist der Biber, der sich vor einigen Monaten an den Sippersfelder Weihern angesiedelt hatte (wir berichteten), ganz gut mit den eisigen Temperaturen zurechtgekommen. Spaziergänger haben ihn angeblich in der letzten Januarwoche noch putzmunter gesehen. Das wäre auch nicht verwunderlich – hat doch die Natur den Biber hervorragend gegen die Kälte ausgestattet, so dass er Eis und Schnee nicht fürchten muss.

Das liege einerseits an seiner dicken Fettschicht und dem sehr dichten Pelz, die ihn vor Nässe und Auskühlung schützen, wie Revierförster Dieter Gass recherchiert hat. Andererseits sei sein Verdauungssystem der vorhandenen Winternahrung angepasst – die bestehe neben Wurzeln und Knollen insbesondere aus Baumrinde; genauer gesagt dem Kambium, das ist die Wachstumsschicht unter der Borke. Dies erkläre die Fraßstellen an den Bäumen, hier zumeist an Buchen. Erlen und Kiefern habe der Biber bisher weitgehend verschmäht. Eigentlich ernähre er sich lieber von der weicheren und saftigeren Rinde von Weide, aber diese gebe es an den Ufern der Pfrimmweiher nur selten. Um an Blätter und Triebspitzen zu kommen, habe der Biber auch mehrere kleinere Bäume gefällt. Allerdings nicht zum Dammbau, erläutert der Förster: Denn Dämme, die das Wasser stauen, seien hier genug vorhanden. Aufpassen müsse man, dass der Biber die Dämme nicht unterhöhle, denn dies könnte durchaus einen Dammbruch zur Folge haben. Den forstlichen Schaden bezeichnet Gass als gering. Zwar habe er mittlerweile 45 Bäume aufgelistet, die der Biber angenagt habe – mehrere davon ganz frisch. Aber allenfalls drei oder vier seien so geschädigt, dass sie wohl absterben. Bei den übrigen Stämmen könnten die Verwundungen in der nächsten Vegetationsperiode durch neue Rindenbildung „überwallt“ werden. Ab Frühjahr stehe bei dem Biber ohnehin Zarteres auf der Speisekarte: Uferstauden, Seerosen, Brennnesseln, Schilf, Kresse und ähnliches. Er verschmähe aber auch nicht landwirtschaftliche Früchte wie Mais, Getreide und Zuckerrüben – sofern von den Gewässern aus gut erreichbar. Offensichtlich hält sich der Sippersfelder Biber schon länger in diesem Revier auf als ursprünglich angenommen. Und obwohl der Biber nicht dem Jagdrecht unterliegt, laufen fast alle Informationen bei Förster Gass zusammen. So habe der Sippersfelder Jäger Wolfgang Koch die ersten Nagespuren des Bibers bereits am 7. August 2016 bemerkt und fotografiert. Auch habe Kochs Ehefrau Brigitte einen Monat später am Mönch (Wasserregulierschacht) des unteren Pfrimmweihers das Tier beim Abtauchen gesehen. Beide hätten ihre Beobachtungen zunächst für sich behalten, um keinen Rummel auszulösen. Gass erfuhr auch, dass Joachim Rheinfrank vom Elbisheimerhof bei Marnheim, einem früherer Forstwirt, die merkwürdigen Nagespuren an den Bäumen entlang der Pfrimmweiher bei einer Wanderung am 9. Oktober 2016 aufgefallen seien. Bei einem Spaziergang Tage später habe Rheinfrank dann festgestellt, dass neue Schadstellen hinzugekommen sind. Mit einer Tüte voll Spänen vom „Tatort“ hat er am 13. Oktober Ronald Zelt, Fachbereichsleiter „Natürliche Lebensgrundlagen und Bauen“ bei der VG Göllheim, auf seine Beobachtungen aufmerksam gemacht, welche dieser am selben Tag fotografisch dokumentierte. Zelt schaltete Rüdiger Viessmann von der Donnersberger Nabu-Gruppe und den Göllheimer Revierförster Franz Kern ein. Letzterer wiederum wandte sich an Gass. Viessmann hingegen benachrichtigte das Rheinland-Pfälzische Biberzentrum in Fischbach bei Dahn. Die zuständige Referentin Stefanie Venske war allerdings schon von dem pensionierten Biologie- und Erdkundelehrer Günter Köhler aus Carlsberg von den Biberspuren unterrichtet. Gemeinsam mit Köhler und einem saarländischen Kollegen war Venske am 21. Oktober vor Ort. Dabei stellten sie eindeutig auch frische Spuren von Nutrias fest. Obwohl auch diese Bäume anknabberten, sieht die Expertin die Merkmale als eindeutig für einen Biber an. Bei den bisher bekannten Sichtungen und vorliegenden Fotos könnten allerdings durchaus auch Nutrias dabei gewesen sein. Einzig die vor etwa drei Wochen bei der unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung eingegangene Meldung dürfte sicher sein: Ein Spaziergänger habe mitgeteilt, in der Pfrimm nahe Marnheim an der „Schwanzkelle“ einen Biber erkannt zu haben. Im November hatte dann auch Walter Hetsch vom Campingplatz Pfrimmerhof die Nagespuren und umgeknickten Bäumchen beim unteren Pfrimmweiher und am Hetschmühlenweiher entdeckt. Auch hätten Gäste beobachtet, wie der Biber – man nahm jedenfalls an, dass es einer sei – auf der baumbewachsenen Mini-Insel im Mühlenteich nach einer Schwimmrunde sein Fell gepflegt hätte. Hetsch vermutet, dass der Biber die ursprünglich von Bisamen gegrabenen Höhlen für eigene Wohnzwecke benutzen könnte. Eine richtige Biberburg wurde jedenfalls noch nicht gefunden. Stefanie Venske hält es zwar für möglich, dass ein Biber eine Bisamröhre erweitert – dass er aber einen Bisambau übernimmt, ist ihrer Ansicht nach ausgeschlossen. Am 19. November gelangen Hetsch dann auch Fotos von dem Tier im Wasser. Er träumt schon von einer Biberfamilie auf seinem Gelände, was zweifellos eine Bereicherung der Natur im Quellgebiet der Pfrimm wäre. Führungen in diesem „Biberpark“, insbesondere für jugendliche Gäste, wolle er selbst übernehmen. Venske allerdings dämpft da zu hohe Erwartungen: Zum einen seien die Biber dämmerungs- und nachtaktiv, zum anderen meiden sie die Nähe von Menschen und vor allem Rummel. Am 2. Dezember konnte dann auch der Sippersfelder Thomas Keller bei einem Spaziergang den Biber fotografieren. Vor rund zwei Wochen hat dann eine Frau bei Gass angerufen und mitgeteilt, dass sie beim Joggen am Retzbergweiher auf dem Damm eingebrochen sei. In ungefähr 40 Zentimetern Tiefe habe sich ein Gang aufgetan, aus dem sie (vermeintlich) ein Biber angeschaut habe. Gass bedeckte umgehend die Gefahrenstelle mit Zweigen und sicherte sie durch zwei Warnschilder ab. Kurz darauf hat Peter Kölsch, Pächter der Retzberghütte, eine Wandergruppe mit Kindern und Hunden auf dem Steg am Ufer beobachtet. Wie sich herausstellte, hatte die Schar unter dem Steg den „Biber“ entdeckt, der sich von dem Gejohle nicht einschüchtern ließ. Die Kinder hätten sich einen Spaß daraus gemacht, kleine Zweige auf das Eis vor dem Podest zu werfen, die von dem Tier sofort unter die Bohlen gezogen wurden. Dieses Verhalten sei aber eher typisch für Nutrias, so Venske. Auch bei der Frage, wo der Biber eigentlich herkomme, sind sich die „Experten“ uneins. Hetsch und Gass vermuten, er habe vom Rhein kommend den Weg bei Worms in die Pfrimm genommen, zumal es von der Mündung bis zur Quelle bei Sippersfeld keine für Biber unüberwindlichen Hindernisse gebe. Zelt fragt sich jedoch, warum das Tier dann nicht schon im unteren Teil des Flusses einen attraktiveren Lebensraum mit Weidenbeständen ausgewählt hat. Venske hält es für möglich, dass der Biber auch aus dem Saargau oder von sonst anderswo gekommen ist. Denn wenn junge Biber – beiderlei Geschlechts – den heimatlichen Familienverband verlassen müssen, um sich ein neues Revier zu suchen, wanderten sie nicht zwangsläufig flussaufwärts. Und sie seien in der Lage, auch Strecken über Land, ja sogar über Wasserscheiden hinweg zurückzulegen. Außerdem gebe es seit einigen Jahren im weiteren Umkreis eindeutige Hinweise auf die Anwesenheit dieser Spezies, teilweise sogar mit echten Biberburgen. Allmählich wird deutlich, an welchen Pfälzer Orten in jüngster Zeit Biberspuren nachgewiesen wurden: im Altrhein bei Germersheim, in der Nävon Marnheim, Dannenfels, Nanzdietschweiler, Ramstein-Miesenbach, im Mauschbach Bruch, auch bei Walschbronn auf französischer Seite.

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