KIRCHHEIMBOLANDEN RHEINPFALZ Plus Artikel „Denk weiter“ trotz Corona auf Kurs

Wirtschaftsförderer Reiner Bauer (li.) mit den drei Klimaschutzmanagern Klaus-Dieter Jacubasch, Katharina Russy und Lena Gilcher
Wirtschaftsförderer Reiner Bauer (li.) mit den drei Klimaschutzmanagern Klaus-Dieter Jacubasch, Katharina Russy und Lena Gilcher bei deren Vorstellung im Dezember 2019. Die drei haben ihre Büros – auch der Enge im Kreishaus geschuldet – verteilt im Kreis: Gilcher in Kibo, Russy in Winnweiler und Jacubasch in Eisenberg.

Klimaschutz ist in jüngster Zeit zu einer Schwerpunktaufgabe im Kreishaus geworden. Dafür steht – neben der Bestellung eines Klimaschutzbeauftragten – die Anstellung von gleich drei Klimaschutzmanagern. Die sind nun seit einem Jahr im Amt. Was ist seither geschehen?

Lena Gilcher, Katharina Russy und Klaus-Dieter Jacubasch bilden dieses Team. Sie stehen für die Umsetzung eines Prozesses, der mit dem Klimaschutzkonzept „Denk weiter“ für den Landkreis 2018 sein erstes Etappenziel erreicht hat. In ihrem Aufgabenfeld haben die drei sich inhaltlich aufgeteilt. Katharina Russy, Architektin aus Weitersweiler, befasst sich mit Bauen, Wohnen und Sanieren. Die aus dem Nachbarlandkreis Kusel stammende Bio-Geographin Lena Gilcher hat es mit Mobilität und Umweltbildung zu tun. Klaus Dieter Jacubasch, der aus Eisenberg stammt, hat seinen Schwerpunkt bei den erneuerbaren Energien, für die er zuvor viele Jahre lang auch als Projektierer unterwegs war. Dass alle drei im Kreis verstreut ihre Büros haben – Jacubasch in Eisenberg, Russy in Kibo, Gilcher in Winnweiler – gibt ihnen eine breitere Präsenz, ist aber auch der zunehmenden Enge im Kreishaus geschuldet. Finanziert werden ihre Stellen zu 90 Prozent aus Bundesmitteln.

Das Klimaschutzkonzept, das sich nach Bürgerforen und Fachworkshops in 50 Projekten und Maßnahmenideen niedergeschlagen hat, stellt die Grundlage dar. „Im Grunde ist das der Fahrplan für unsere Arbeit“, sagt Russy, wobei die darin gelisteten Vorhaben auch neu bewertet werden müssten, „das Konzept ist ja auch schon nicht mehr ganz neu“.

Fahrradmobilität ein erster Fokus

Ein Schwerpunkt hat sich in der Fahrradmobilität herausgebildet. Ein Fanal war da die erste Teilnahme des Kreises beim „Stadtradeln“, das im Spätsommer drei Wochen lang Ehrgeiz wecken sollte, auch im Wettbewerb miteinander möglichst viele Kilometer abzuspulen. Jacubasch hatte kräftig dafür die Werbetrommel gerührt und 43 Teams auf die Räder gebracht, die 73.000 Kilometer erradelt haben. Ziel ist aber, das Fahrradfahren tiefer und dauerhaft im Alltag zu verankern, auch etwa für die Fahrt von und zur Arbeit.

Lena Gilcher spricht da von einer „Radverkehrsstrategie“. „Wir haben uns mit den Ortsbürgermeistern zusammengetan. Wir möchten nun einen Förderantrag schreiben und sind dabei, die Bedarfe zu ermitteln und den Weg zu justieren, haben dafür auch Gespräche mit dem Landesamt für Mobilität“, berichtet sie vom Ertrag zweier Regionalkonferenzen zum Thema. „Wir haben sehr viele Rückmeldungen bekommen, wo bei Radwegen, Abstellanlagen, E-Bike-Ladestationen Bedarf besteht. Wir sind jetzt dabei zu schauen, was davon wir in die Anträge mit reinnehmen können“, so Gilcher. Bis März soll der Antrag auf dem Weg sein.

Viele Wünsche auf dem Zettel

Was die Strecken angeht, deren Ertüchtigung auf den Wunschzettel geschrieben wurde, so spricht Wirtschaftsförderer Reiner Bauer da schon einem „großen Atlas“ und zig Kilometern übers ganze Kreisgebiet – bei Bauers Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung sind die Klimaschutzmanager organisatorisch angesiedelt. „Das ist wirklich flächig, wo der Wunsch und die Notwendigkeit gesehen wird.“ Da gehe es um Wirtschaftswege, Waldwege, straßenbegleitende Radwege, aber ebenso auch um Verbesserung des innerstädtischen Radverkehrs, was Bauer auch für gut machbar hält. Die Städte hätten da selbst Ideen. Natürlich habe man es da mit einem ganzen „Blumenstrauß“ möglicher Träger zu tun, von Ortsgemeinden bis zu Land und Bund, je nachdem, um welche Art von Weg oder Straße es geht. Der Vorteil sei, dass man die Anstrengungen auf mehr Schultern verteilen und Co-Finanzierungsmöglichkeiten erschließen könne. „Der Wille zur Umsetzung ist da“, so Bauer. Die Zahl der angemeldeten Wünsche und Projekte beziffert Gilcher mit 30. „Wir haben bei diesem Thema eine Riesenlust im Kreis gespürt“, da habe eventuell Corona auch in die Karten gespielt mit dem dadurch verstärkten E-Bike-Boom.

Gilcher betont, dass es nicht allein um Wege gehe, sondern um ein rundes Konzept, das auch Abstellanlagen oder Bildungsangebote enthält. „Das ist kein reines Investitionsprogramm“, bestätigt Bauer, es sei vielmehr eine Kampagne zugunsten des Radfahrens, wobei es auch um Nutzungsverhalten und Bewusstseinsbildung gehe. Bauer wirft da etwa einen kritischen Seitenblick auf das Verkehrsaufkommen an Schulen, wo viele Kinder über kurze Strecken mit dem Auto gebracht werden und ein Szenario entstehen lassen, das einem weder verkehrspolitisch noch aus Umweltsicht gefallen könne. Auch Unternehmen will man mit die Fahrradnutzung in den Belegschaften schmackhaft machen und über entsprechende Fördermöglichkeiten informieren.

Klimatreff und Bauherrenberatung

Klimaschutz und Bauen ist ein weiteres großes Thema, das Katharina Russy gleich angepackt hat mit der Idee eines Klimatreffs alle sechs Wochen mit wechselnden Themen und in wechselnden Ortsgemeinden, ein Angebot gerade für interessierte Bauherren. Corona ließ nur noch einen solchen Treff in Bennhausen zu, verbunden mit einem Spaziergang mit der Wärmebildkamera. Als idealen Verknüpfungspunkt von Bauen, Sanieren und Klimaschutz hat Russy die Dorferneuerung entdeckt. „Das funktioniert auch sehr gut.“ Russy kann da die ohnehin entstehenden Kontakte zwischen Ortsgemeinde und Bauherren oder Hauskäufern schon nutzen für Erstinformationen, wie Klimaschutz beim Bauen und Sanieren berücksichtigt werden kann und welche Förderungen es dafür gibt. Da ist sie Erstberaterin und Förderlotsen „Das kommt gut an“, sagt sie. „Über diese Schnittstellen sind wir an ganz vielen Menschen dran, die kurz vorm Renovieren stehen“, sieht Bauer da gute Fortschritte.

Geplant sei, das noch auszubauen über eine vierwöchige Bauherrensprechstunde, die es im neuen Jahr geben soll. „Das wird, bedingt durch Corona, wohl erstmal eine Videoberatung sein, später hinaus wird man sehen, ob man das auf die persönliche Ebene runterbricht“, so Russy. In der Woche hat sie nach eigenen Angaben durchschnittlich vier solche Beratungskontakte, manchmal seien es bis zu zehn. „Ich bin durch den ganzen Donnersbergkreis gereist, habe viele Dörfer kennengelernt, in denen ich noch nie gewesen bin“, berichtet Russy im Rückblick auf diese vielen Besuche bei Privatleuten und ihren Immobilien. Angeschrieben wurden auch die Ortschefs hinsichtlich ihrer kommunalen Gebäude, die untersucht werden sollten auf energetische Sanierungspotenziale. Corona habe das etwas ausgebremst, aber es gebe erste Rückmeldungen und Ansätze. Die Zeiten seien im übrigen günstig, denn es habe sich sehr viel getan in der Förderlandschaft, so Russy.

Kurs auf einen „Flächen-Masterplan“

Ein weiteres Thema rückt den Flächenlandkreis ins Blickfeld. Bauer spricht von einem „Flächenmasterplan“, ein koordiniertes Vorgehen bei einer effektiveren, koordinierten Flächennutzung. Da gelte es, etwa die Interessen der Landwirtschaft und der Vertreter erneuerbarer Energien zusammenzubekommen mit dem Ziel, im Konsens voranschreiten zu können, auch mit vernetzten, passend angesiedelten Projekten. Ein Beispiel sieht Bauer in der Biogasanlage in Bischheim, in der nicht nur Strom erzeugt, sondern bei Bindewald auch die Abwärme genutzt wird. „Da sind wir in einem geförderten Prozess“, so Bauer zu dieser Flächeninitiative. In diesem Kontext sollen auch noch andere Projekte diskutiert werden, die in „Denk weiter“ niedergelegt sind – die Schaffung von Kohlendioxidsenken, der Umgang mit nachwachsenden Rohstoffen. Was im Flächennutzungsplan rein planerisch betrachtet wird, könnte in einem solchen kreisweiten Gesamtkonzept eher nach strategischen Gesichtspunkten optimiert werden.

Klima-Helden und Klima-Detektive

Auch beim Thema Wirtschaft und Klimaschutz wurden erste Wegmarken gesetzt mit dem Online-Workshop „Faktor E“ zu den Chancen, die der Klimaschutz auch bietet – durch mehr Energieeffizienz in den Abläufen, aber auch durch Produkte und Dienstleistungen, „die in den Klimakontext passen“, so Bauer, der sich hier zusätzliche Donnersberger Wertschöpfung erhofft. 20 teilnehmende Betriebe sorgten hier für eine gute Resonanz. „Das ist ein Thema, das wir weiter spielen wollen, weil es wichtig ist, das wirtschaftliche Potenzial im Klimaschutz zu erkennen und zu nutzen.“

Klima-Bildung ist ein ganz wesentlicher Auftrag, dessen sich Lena Gilcher mit verschiedenen Angeboten annimmt. Ihre „Klima-Detektive“ sollen auch im neuen Jahr wieder in Sachen Klimaschutz ermitteln, im Februar beginne ein neuer Kurs in Kooperation mit der Volkshochschule, und es seien noch Plätze frei, angesprochen sind Kinder im Grundschulalter. In einem Erasmus-Projekt an der Berufsbildenden Schule in Eisenberg nimmt sich Gilcher Anfang des Jahres das Thema vor, was Schulen für den Klimaschutz tun können. Und in diesem Jahr soll zudem in jedem Monat ein „Klima-Held“ geehrt werden, um Klimaaktivitäten vor Ort auch nach außen sichtbar zu machen.

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