Donnersbergkreis Das Rückstau-Problem

„Die Kirchheimer Umgehungsstraße würde doch ad absurdum geführt, wenn die Steuerung der Ampelanlage nicht so geändert wird, dass der Verkehr auf der B 271 von Kirchheim Richtung Grünstadt schneller abfließt.“ Das befürchtet der Sippersfelder Klaus Stuppy. Der Großvater fährt jeden Donnerstag seine Enkelkinder von Kirchheim nach Grünstadt zum um 17.30 Uhr beginnenden Ballettunterricht. „Normalerweise benötigt man für die etwa vier Kilometer lange Fahrt zur Ballettschule zehn Minuten. Seit die Ampel am Kreisel installiert wurde, sind es 30 Minuten“, kritisiert Stuppy. Auch der zuständigen Straßenbehörde, dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) Speyer, sei „derzeit eine Rückstauproblematik aus Richtung Kirchheim“ bekannt, teilte der LBM auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. Allerdings bestehe diese Problematik „auch ohne Aktivierung der Signalanlage“. Momentan würden Gründe und Ursachen für den langen Rückstau bis nach Kirchheim untersucht, so der LBM. Wie berichtet ist die „Pförtner-Ampel“ im Kreisel vor der Autobahn seit Mitte März „richtig“ in Betrieb. Nach einem total missglückten Probelauf im Dezember 2017 (mit Staus bis auf die Autobahn) und dem darauffolgenden Abschalten waren zur Wieder-Inbetriebnahme im März einige Veränderungen vorgenommen worden, wie zum Beispiel kürzere Rotphasen. Zweck der Ampel am Autobahnkreisel: die Rückstaus zu verteilen, dass der Verkehrsfluss aus allen Richtungen in etwa gleich ist. Denn, so wurde und wird argumentiert, ohne diese Regelung hätten Autos von der Nordspange aus Richtung Bockenheim/Obersülzen in den Stoßzeiten kaum die Möglichkeit, in den Kreisel einzufahren. Seit März wird nun über Sensoren der Ampel gemeldet, wann der Rückstau Richtung Norden ein gewisses Maß überschritten hat – und damit die Signalgebung für die aus Richtung Kirchheim kommenden Fahrzeuge automatisch aktiviert. Zu den Erfahrungen nach einem halben Jahr Ampelbetrieb befragt, sagte der zuständige Abteilungsleiter des LBM: „Nach der Optimierung der gesamten Anlage wurden die notwendigen Einsatzzeiten verkürzt – allerdings ohne die Rückstauproblematik gänzlich zu lösen. Erreicht wurde aber eine gleichmäßigere Aufstauverteilung.“ Derzeit bestehe jedoch eine „Rückstauproblematik aus Richtung Kirchheim“. Dies sei wohl einem „verstärkten Verkehr, bedingt durch Umleitungen und Verkehrsverlagerungen geschuldet“, vermutet der LBM-Mitarbeiter. Thomas Merkel von der Polizeiinspektion Grünstadt ergänzt: „Derzeit ist die Strecke als Umleitungsstrecke ausgewiesen wegen der Sperrung der B 37 im Bereich Hochspeyer. Das heißt, der Schwerverkehr muss derzeit über Bad Dürkheim bis zu uns entsprechend geleitet und geführt werden.“ Genaue Zahlen über die Verkehrsströme in den Kreisel aus den unterschiedlichen Richtungen liegen dem LBM jedoch nicht vor. Die Überwachung des Verkehrs mittels Kamera erfolgte nur zu Beginn des Ampelbetriebs, „um zu erkennen, wo kommen die Verkehrsströme her und wie verhalten sich die Kraftfahrer“. Eine Auswertung dieser Aufnahmen sei bisher noch nicht erfolgt. „Für eine automatische Verkehrszählung wird eine Mindestgeschwindigkeit von 10 km/h benötigt“, betont der LBM und dieses Tempo werde vorm Kreisel oft nicht erreicht. Handzählungen seien personalaufwendig und „somit derzeit nicht zu bewerkstelligen“, so der LBM. Allerdings gibt es Daten zur Ampel selbst. So sei „aus den Aufzeichnungen der Signalanlage deutlich zu erkennen, dass die Anlage von Montag bis Freitag nur sehr kurz aktiviert ist“, teilt der LBM-Mitarbeiter mit. In der Regel handelt es sich morgens um eine Zeitspanne von etwa zehn Minuten am Stück, abends von zirka 15 Minuten. Stoßzeiten und damit Aktivierung der Ampel sind laut LBM überwiegend in der Zeit von 7.40 bis 8.05 Uhr sowie im Feierabendverkehr zwischen 16 bis 16.30 Uhr, freitags schon ab 15 Uhr. Für den Otto Normalfahrer kommt zu der Ampel am Kreisel die Ampel an der Westumgehung hinzu. Hier wird kritisiert, dass sich der Verkehr auf der neuen Umgehungsstraße schon vor der neuen Ampel staut, da unter anderem die an der Ampel wartenden Linksabbieger den Verkehr auf der neuen B 271 blockieren. Schon vor der Inbetriebnahme der Ampel hatte der LBM betont, dass „die Rückstaus mit dieser Maßnahme nicht beseitigt werden können, da die bestehende Infrastruktur nur eine bestimmte Aufnahmekapazität hat – und die ist erreicht“. Inzwischen dürfte sie weit überschritten sein. Eine grundsätzliche, sprich bauliche, Lösung durch eine weitere Spange oder gar eine zusätzliche Auf-und Abfahrt ist nicht in Sicht. Die Antwort des LBM-Mitarbeiters dazu: „Überlegungen weiterer Baumaßnahmen oder gar Planungen, um den Knoten zu entlasten, werden derzeit nicht betrieben.“ Eine abschließende Bewertung der „Beampelung“ wird eh erst möglich sein, wenn die Umgehung komplett fertiggestellt ist. Kurzfristig sieht es dagegen besser aus: In den gerade begonnenen Herbstferien nimmt der Verkehr ja automatisch ab. Ob der Ferienrückgang ausreicht, dass Opa Klaus in den nächsten zwei Wochen wieder in zehn Minuten von Kirchheim nach Grünstadt fahren kann?