Donnersbergkreis Das Pech in der erste Reihe
Pech hatte in jedem Fall am Freitagabend der Gerd – denn der saß in der ersten Reihe beim Comedy-Gastspiel von Bodo Bach und musste deshalb öfter als Zielscheibe für Gags herhalten. Obwohl: Wer da vorne Karten ergattert, der macht das, weil er nah dran sein will am Geschehen. Hat Gerd also doch Glück gehabt? Solchen und ähnlichen Fragen näherte sich Bodo Bach am Freitagabend in der ausverkauften Stadthalle an der Orangerie – mehr oder minder ernsthaft – mit seinem Programm „Pech gehabt“.
Glück hatten am Freitag all diejenigen, die den gut aufgelegten Comedian in Kirchheimbolanden erleben durften. Bodo Bach traf in der Stadthalle auf ein ebenso gut gestimmtes Publikum, das von Anfang an mitzog. Diese positive Stimmung übertrug sich auf Bach, der locker sein Programm abspulen, intuitiv auf die Reaktionen im Publikum eingehen konnte. Zu erleben war ein Bodo Bach, der sich zum treffsicheren Stand-up-Comedian gewandelt hat. Da steht nicht mehr der Mann auf der Bühne, der früher mit Telefonstreichen beim Publikum punkte. Da steht einer, der ohne Requisiten (abgesehen von den gelegentlich eingespielten Bildern auf der Großbildleinwand) auskommt. „Wir sind hier ja alle schon ein bisschen erwachsen“, erkennt Bach, der mit seinem Alter von 61 Jahren im Verlauf des Abends mehrfach kokettiert, dass er vorwiegend ein gleichaltriges Publikum anspricht. „Wenn ich hier Altherrenwitze reiße, dann wollen die dort im Saal das doch“, erklärt er explizit an die Pressevertreter im Saal gewandt – und damit hat er natürlich recht. Wer Comedy hören und sehen will, der muss sich auch immer auf den einen oder anderen Griff in die Chauvi-Kiste und schlüpfrige Gags aus dem zwischenmenschlichen Bereich einlassen – das gehört dazu, das weiß Bach, das weiß sein Publikum. Wenn es zweideutig wird, dann bewegt sich der Comedian dennoch im grünen Bereich, er überschreitet keine Grenzen. Er macht seine Sache gut, der 61-Jährige Alleinunterhalter dort oben auf der Bühne. Der hessische Dampfplauderer weiß genau, was er erzählt, er kennt sein Publikum, dessen Lebensweise. Da ist es nicht verwunderlich, dass er herausstellt, dass ein Besuch bei Ikea am Samstag nichts mit Pech zu tun hat, sondern einfach der eigenen Dummheit geschuldet ist. Bach hangelt sich am Alltag seiner Zuschauer entlang, beschreibt treffend die Situationen, die jeder schon einmal erlebt hat. Und fein skizziert er die Unterschiede von Pech, stellt heraus, dass manchmal das Pech des einen das Glück des anderen sein kann. Schon die Filme, die vor Beginn der eigentlichen Show gezeigt werden, machen deutlich, wohin der Abend geht. Wenn Bodo Bach dann von seiner Gerda spricht und dem Gewinn eines vegetarischen Drei-Gänge-Menüs, das ausgerechnet von einer Jagdzeitschrift ausgelobt worden sein soll, dann hat das Situationskomik. Gut beim Publikum kommt auch an, wenn er davon erzählt, wie ihn ausgerechnet am einzig freien Samstag seit langem seine Gerda mit zu den esoterischen Nachbarinnen schleppt. Das alles ist Nährstoff für viele gut gesetzte Gags, teils echte Schenkelklopfer. Das Publikum ist amüsiert, es wird viel gelacht an diesem Freitagabend und damit hat Bodo Bach seine Mission erfüllt, auch wenn er – wie er selbst sagt – nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen und schon gar kein politischer Kabarettist sei. Die eingestreuten politischen Gags sitzen dennoch, sie machen Spaß, auch weil nicht tiefer darüber nachgedacht werden muss. Bach bietet einen perfekten Gute-Laune-Abend, da freuen sich viele bestimmt schon auf den nächsten Auftritt des Comedians im guten alten „Kerchem“.