Donnersbergkreis Das Muster liefert die Natur

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Mit sieben Jahren hat er seine erste Seifenkiste gebaut, mit 70 einen Drechselkurs besucht. In der Zwischenzeit wuchs die Begeisterung für das Material Holz immer weiter. Heute steht Manfred Diekenbrock mehrere Stunden pro Tag in seiner Werkstatt und fertigt Kunstvolles mit grobem Gerät. Anfang Dezember stellt der Oberndorfer beim Alsenzer Weihnachtsmarkt aus – dort führt er auch vor, wie aus einem Stück Baum neue Formen entstehen.

Sein Hobby sei doch ziemlich putzintensiv, schmunzelt Barbara Diekenbrock, während ihr Mann an der lauten Maschine steht. Die Späne fliegen nur so umher, wenn Manfred Diekenbrock die Drechselröhre an den Holzklotz ansetzt, der mit schneller Geschwindigkeit rotiert. Konzentriert hält er das Werkzeug in der einen Hand fest und führt es mit der anderen in die gewünschte Richtung. Aus dem hübsch gemaserten Holz soll eine Schale werden. Weitere Werkstücke des 76-Jährigen stehen auf dem Tisch in der Raummitte. Etwa fünf Stunden am Tag stehe er an der Drechselbank, erzählt Diekenbrock – neben all den anderen Hobbys, die er hat: Auch dem Schmieden hat er sich verschrieben, reist mit seiner Frau durch ganz Europa. Was vor einiger Zeit noch groß, mächtig und mit rauer Rinde als Baum im Wald stand, fasst sich jetzt ganz glatt und geschmeidig an. Dabei werden die Schalen nicht lackiert, sondern nur geölt, mit Wachs überzogen und poliert. Diekenbrock zeigt auf ein besonders schönes Stück mit speziellem Muster und sagt: „Das ist eine kranke Birke.“ Das Muster entsteht durch Pilze im Stamm. „Das liefert die Natur gratis“, sagt er und: „Als Brennholz kriegt man es fast nachgeschmissen.“ Was zum Alltagsgebrauch nutzlos ist, ist für ihn besonders wertvoll. „Dann nimmt man Schleifstaub und Öl, um die feinen Poren zu schließen“, erklärt er, wie er aus dem kranken Holz eine formvollendete Schale schafft. Außer der Arbeit mit befallenen Hölzern sei besonders der Umgang mit Mandelholz kompliziert: „Das fasert aus.“ Neben dem Werkstattraum stapelt sich die Holzsammlung. Platane gibt es da und sogar Efeu – das oft lästige Gewächs kann erstaunlich dicke Stämme ausbilden. „Das ist Roteiche aus Obermoschel“, sagt der Künstler, der inzwischen auch zum Baumexperten geworden ist. Viele Hölzer in seinem Lager sind von heimischen Gewächsen. Er hatte es aber auch schon mit Eukalyptus zu tun. „Ich habe schon von früher Kindheit an mit Holz gearbeitet“, berichtet Diekenbrock. Dann hat er eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker gemacht, lebte wegen dieses Berufs auch ein paar Jahre lang in Schweden. Anschließend war er Ingenieur für Feinwerktechnik in Mainz. Seit Rentenbeginn kann er sich ganz seinem zeitintensiven Hobby widmen. An geeignete Hölzer zu kommen, ist gar nicht so einfach und oft auch Glückssache – das erfährt, wer die vielen Geschichten des Ehepaars hört. Vor zwei Jahren seien sie durch die Westtürkei gefahren, als seine Frau auf einmal „Halt!“ geschrien habe. Sie hatte am Straßenrand das besondere Stück entdeckt: Mandelholz. Neben solchen Raritäten verarbeitet Diekenbrock auch viel Brennholz, teils besucht er spezielle Versteigerungen. Und wie entsteht die Idee, die Vorstellung, was aus einem unförmigen Holzklotz einmal werden könnte? „Da könnte man eine Vase draus machen“, sagt der Künstler und hält ein Stück hoch. „Einiges ergibt sich erst, wenn ich es einspanne.“ Damit meint er die Maschinen, mit denen er werkelt. Vier bis fünf Stunden arbeitet er an einer, wie er sagt, „relativ einfachen“ Schale. Zehn bis 15 Stunden könnten es schon mal bei einem komplizierteren Stück sein, so der Oberndorfer. Diekenbrock fertigt auch Teller, Figuren, Möbel. Bevor er mit dem Drechseln anfing, hat er geschreinert. Zum 70. Geburtstag schenkte ihm seine Frau die Teilnahme an einem Drechselkurs. Holz ist aus dem Leben der Beiden nicht mehr wegzudenken – auch außerhalb der Werkstatt. „Eigentlich ist unser ganzes Haus ein Museum“, lacht Barbara Diekenbrock und präsentiert Teller und Besteck, die sie in der Küche verwendet – aus Holz. Und die Möbel sind (natürlich) ebenfalls aus Holz. Auf dem großen Wohnzimmertisch zeigt sich ein langer Riss. „Holz arbeitet immer. Auch noch nach Jahren“, sagt Barbara Diekenbrock. Es ist eben ein Naturprodukt, unberechenbar, lebendig und wunderschön.

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