Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Corona schränkt auch Feuerwehr ein

Zu Einsätzen fährt die Feuerwehr natürlich noch. Übungen, wie hier das Anlegen von Atemschutzgeräten, finden jedoch derzeit nich
Zu Einsätzen fährt die Feuerwehr natürlich noch. Übungen, wie hier das Anlegen von Atemschutzgeräten, finden jedoch derzeit nicht statt.

Für das Vereinsleben bleibt die Corona-Pandemie eine Herausforderung. Seit November finden Übungseinheiten oder sonstige Zusammenkünfte nicht mehr statt. Aber gilt das auch für systemrelevante Organisationen wie die Feuerwehr? Wir haben die Wehrleiter von vier Verbandsgemeinden im Kreis dazu befragt.

„Wir hatten den Übungsbetrieb im Dezember komplett eingestellt“, sagt Timo Blümmert, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land. Damit habe man auf die Empfehlung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion reagiert. „Ein Verbot ist das aber nicht“, stellt er klar. Es dürfe unter Einhaltung der Abstands- und Hygienemaßnahmen geübt werden, „in der VG haben wir uns aber zunächst bis 31. Dezember dagegen ausgesprochen“. In den kommenden Tagen werde er sich allerdings mit seinen Stellvertretern zusammensetzen und über eine neue Ausrichtung nachdenken. Das Ziel: Übungen zumindest im kleinen Kreis wieder aufzunehmen – allerdings stets unter strikter Beachtung der gängigen Hygieneregeln.

Der Grund für die Zurückhaltung liegt auf der Hand: Durch den eingeschränkten Kontakt wolle man eine potenzielle Verbreitung des Coronavirus unter den Ehrenamtlichen vermeiden, um die Einsatzfähigkeit zu erhalten: „Vor allem in Situationen wie der Tragehilfe oder der Notfalltüröffnung kommt man sich nahe. Entsprechend groß ist die Gefahr. Denn ein Infektionsaufkommen wäre fatal. Dann müsste ich eine komplette Einsatzeinheit abmelden“, so Blümmert.

Dass nun der Übungsausfall auf Dezember und – zumindest teilweise – auf Januar falle, sei zu verschmerzen: „Es sind ohnehin nicht die übungsreichsten Monate. Das tut nicht so weh.“ Eine Unterversorgung durch die fehlenden Übungsstunden müsse niemand befürchten, entwarnt der Wehrleiter: „Wir können weiterhin professionelle Hilfe leisten.“

Ähnlich entschied sich die VG Göllheim, sagt Wehrleiter Steffen Specht. Der Feuerwehralltag beschränke sich zurzeit auf Einsätze und Telefonkonferenzen der Führungskräfte. „Online-Kurse gibt es nicht.“ Zwar wäre zumindest ein Training zum Thema Atemschutzmasken möglich, weil sie Teilnehmern die meiste Sicherheit bieten. Nachteil: „Danach muss alles gereinigt und desinfiziert werden.“

Vor allem bringe der eingeschränkte Übungsbetrieb im Lockdown auch die Sorge mit sich, dass der Feuerwehnachwuchs vielleicht den Bezug zum Hobby verliere. „Auch für die neueren Mitglieder ist es schade. Ihnen fehlt die Übung. Und auf Einsätze darf man nur mit Grundausbildung.“ Bisher stelle das die Feuerwehren der VG noch nicht vor ein größeres Problem. „Die langjährigen Mitglieder sind gut trainiert und können das im Einsatz kompensieren.“ Ungünstig sei jedoch, dass die Göllheimer erst vor kurzem ein neues Einsatzfahrzeug erhalten haben: „Wir hatten nur wenig Zeit, die Leute an der neuen Technik und den neuen Gerätschaften auszubilden“, so Specht. Bis wieder geübt werden darf, kontrollierten die Wehrführer in den Gemeinden regelmäßig die Gerätschaften und Fahrzeuge auf ihre Funktionstüchtigkeit.

Sorge um Prioritäten

„Die Kameradschaftlichkeit geht verloren“, beobachtet Matthias Groß, Wehrleiter der VG Kirchheimbolanden. Anders als früher dränge man nach den Einsätzen darauf, die Gruppe schnell aufzulösen. Da auch in der VG Kibo keine regelmäßigen Trainingseinheiten stattfinden, ist es abends und am Wochenende ruhiger. Groß macht sich deshalb Sorgen, dass viele seiner Kameraden nun das Gefühl haben könnten, dass es auch ohne Feuerwehr geht. „Vielleicht setzt man nach Corona seine Prioritäten in Bezug auf die Freizeitgestaltung anders“, so seine Befürchtung.

Ansonsten beeinflussten die fehlenden Übungen noch nicht die Arbeit der freiwilligen Einsatzkräfte. „Wenn das Ganze noch ein Jahr länger dauert, sieht es vielleicht anders aus.“ Bedauerlich sei, dass während des Lockdowns Lehrgänge abgebrochen werden mussten. Groß: „Wir hoffen trotzdem, vor allem die Jugend auch weiter bei der Stange halten zu können.“

Vorrang habe jedoch der Einsatzdienst. „Müsste ich die Feuerwehr aufgrund von Corona-Verdachtsfällen abmelden, wäre es nicht mehr möglich, im Notfall innerhalb von acht Minuten vor Ort zu sein.“ Eine bedenkliche Situation. Groß: „Wir haben 2020 die Schallmauer von 400 Einsätzen durchbrochen. Sonst sind es durchschnittlich 270 Einsätze im Jahr.“

Routinen gehen verloren

„Seit dem Ausbildungsstopp auf Kreisebene Ende Oktober finden bei uns nur noch Einzelausbildungen im kleinen Rahmen statt“, bestätigt der Winnweilerer VG-Wehrleiter Christian Füllert. Hierfür halte man sich streng an ein ausgearbeitetes Hygienekonzept, das auch die Polizei oder Kliniken nutzten. „Da auf der Wache tagsüber fünf Mitarbeiter sind, außer mir die Gerätewarte, eine Sachbearbeiterin und ein FSJ-ler, mussten wir uns ohnehin Gedanken machen, wie wir ein Infektionsaufkommen vermeiden können.“

Guten Gewissens könne man so die eingeschränkten Übungsmaßnahmen umsetzen. Er ist sich sicher: „Wenn jemand die Möglichkeiten hat, sich zu schützen, dann die Feuerwehr.“ Warum Füllert an Einzelübungen festhält: „Wir haben festgestellt, dass selbst bei Routinemaßnahmen vieles schnell in Vergessenheit gerät. Das kann auf Dauer zur Gefährdung werden.“

Die Sorge seiner Kollegen, die Feuerwehr verliere durch Corona seinen Nachwuchs, teilt er inzwischen nicht mehr: „Wir nehmen einen gegenteiligen Trend war.“ Einerseits suchten die Leute gezielt nach Beschäftigung. Andererseits habe das Virus in vielen das Bedürfnis geweckt, sich zu engagieren. „Viel mehr Menschen als zuvor machen sich nun Gedanken, was wichtig ist“, beobachtet Füllert.

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