Lohnsfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Chor: Nicht mehr singfähig, aber keine Auflösung

Beim Adventskonzert 2019 war der Gemischte Chor Lohnsfeld noch mit deutlich mehr Mitgliedern im Einsatz.
Beim Adventskonzert 2019 war der Gemischte Chor Lohnsfeld noch mit deutlich mehr Mitgliedern im Einsatz.

Sie sind eigentlich ein fester Bestandteil des Neujahrsempfangs von Lohnsfeld. Dieses Jahr aber wurden sie vermisst: die Mitglieder des örtlichen Gesangvereins.

„Wir sind derzeit nicht mehr singfähig“, informierte die erste Vorsitzende Hannelore Buhrmann während der Veranstaltung im Bürgerhaus. Es gebe noch ein Dutzend Sängerinnen und Sänger, aber die meisten seien über 80 Jahre alt. Deswegen droht dem im Jahr 1874 gegründeten Gesangverein nun das Aus. Doch momentan will sich weder die singende Gemeinschaft aufgeben noch der Verein an sich. Ein Strohhalm, an dem sich die Mitglieder derzeit festhalten.

Die Corona-Pandemie habe die Entwicklung beschleunigt, dass es immer weniger Mitglieder gibt. Jetzt wo Zusammenkünfte und öffentliche Auftritte wieder möglich sind, fehle es an den Stimmen, die nicht mehr zurückgewonnen werden konnten. „Der jüngste Sänger ist 60 Jahre alt und es fehlt am Nachwuchs“, resümiert die erste Vorsitzende. Eine Chorgemeinschaft sei auch nicht die Lösung, zum einen da für die älteren Sänger die Wege in andere Ortschaften zu weit seien.

Anstrengungen um Nachwuchs nicht gefruchtet

„Wir können nicht mehr mehrstimmig singen, halten aber den Gesangverein aufrecht“, betont Buhrmann. Zu den üblichen Singstunden treffen sich die Übriggebliebenen weiterhin im Schulhaus. Dort wird dann allerdings mehr geredet als gesungen. „Wenn viele Sängerinnen und Sänger kommen, wird auch gesungen, aber nur einstimmig“, sagt die erste Vorsitzende. „Wir machen das Beste daraus, und unser Blick geht zum 150-jährigen Vereinsbestehen im Jahr 2024.“

Festes und langjähriges Mitglied des Chors ist Richard Hörhammer, der nach seinem Schulabschluss bereits mit 15 Jahren zum Chorgesang kam. „Die wöchentliche Singstunde war im Ort damals die einzige Freizeitgestaltung. Neben dem Singen hatte die Geselligkeit einen hohen Stellenwert.“ Der Bäckermeister von der Pulvermühle bedauert die Entwicklung: „Alle Anstrengungen haben nicht gefruchtet, und wir konnten keinen Nachwuchs gewinnen. Es ist einfach bedauerlich, dass ein Traditionsverein kurz vor seinem 150-jährigen Bestehen seine Aktivitäten einstellen muss.“

Hoher Stellenwert

Noch länger im Chor ist Gerd Pfeiffer. Bis vor wenigen Jahren fanden die Chorproben im Saal seiner Gaststätte an der Kaiserstraße statt, bevor es dann ins alte Schulhaus ging. „Ich singe nun mehr als 60 Jahre und kann die Entwicklung nicht verstehen. Es ist schade, dass keine Jugend zur Erhaltung dieser Kultur und des Chorgesangs gewonnen werden kann“, sagt er.

Pfeiffer besitzt eine umfassende Sammlung von Fotos und Zeitungsausschnitten, aber auch von eigenen Aufzeichnungen. Sie zeigen, wie rührig der Gesangverein einmal war und welchen Stellenwert er in der Gemeinde genoss. Die losen Zusammenkünfte besucht er ebenso gerne wie Richard Hörhammer und zum Beispiel der langjährige Dirigenten Jens Illichmann, denn auf diese Weise lasse sich der Verein am Leben erhalten.

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