Winnweiler
Bruderhahn-Hennen schützen die männlichen Geschwister
Herr Franck, rund 45 Millionen männliche Küken werden in Deutschland jährlich nach dem Schlüpfen getötet. Der Grund: sie legen keine Eier und daher lohnt es sich aus wirtschaftlicher Sicht nicht, sie aufzuziehen. Beim Bruderhahnkonzept werden sie aufgezogen und mit einem entsprechenden Alter geschlachtet. Was denken Sie, trauern Hühner?
Ich glaube, dass das dem Huhn relativ egal ist, was mit den anderen Küken oder Hühnern geschieht. Die ganzen „Schwestern“, die Legehennen also, sind ja zusammen. Dann macht das relativ wenig aus, ob die Brüder noch dabei sind oder was mit ihnen passiert. Aber bei uns steckt ja auch eher der ethische Aspekt dahinter. Wir möchten nicht ein Küken, das gerade geschlüpft ist, töten, nur weil aus dem Aufziehen keinen wirtschaftlichen Nutzen erhalten.
Wachsen bei Ihnen also die Hennen zusammen mit ihren „Brüdern“ auf?
Nein, wir unterstützen das Projekt auf andere Weise. Wir kaufen unsere Hennen von einem Aufzuchtbetrieb, in dem das Bruderhahnprojekt umgesetzt wird. Sobald die Hennen zu uns kommen, sind sie nicht mehr mit den „Brüdern“ zusammen, da die Hähne im Aufzuchtbetrieb verbleiben.
Die Hähne werden also nicht lebend verkauft?
Das hängt von der Kooperation ab. Wir könnten sie auch lebend abkaufen und dann selbst aufziehen. Für den Anfang haben wir uns jedoch dafür entschieden, das in dieser Form durchzuführen. Sonst wäre noch ein Extrastall nötig.
Und was geschieht mit den männlichen Küken beim Züchter?
Dort werden sie aufgezogen. Wenn sie das Schlachtgewicht erreicht haben, werden sie dort geschlachtet und zu Produkten weiterverarbeitet. Wir nehmen dann am Ende die Hähne in Form von Würsten, Geflügelcurry oder Frikassee wieder ab. In den Produkten ist dann die entsprechende Menge Fleisch enthalten.
Woher kam die Idee zum Bruderhahnprojekt?
Wir hatten überlegt, uns die Hühner zuzulegen. Wir haben uns umgehört, wo es in der Region entsprechende Züchter gibt. Dann haben wir uns dazu entschieden, dass wir das unterstützen möchten.
Wie lange läuft das Projekt hier auf dem Hof?
Die Hühner sind jetzt seit drei Monaten hier. Das ist quasi noch ganz neu. Andere Produkte wie beispielsweise Rapsöl gibt es schon länger, aber ich wollte das Angebot ausbauen. Dann haben wir uns dazu entschieden die Hühner hinzuzufügen, um eine breitere Kundschaft anzusprechen. Übrig gebliebene Eier verwerten wir dann in Form von Nudeln. Wir sind auch recht experimentierfreudig und am Überlegen, welche Nische wir noch füllen können.
Wie lange lebt ein Huhn?
Eine Legeperiode dauert ungefähr 15 Monate. Danach folgt die Mauser mit einem Federwechsel. In der dann folgenden Periode legen die Hühner größere Eier. In den meisten Betrieben absolvieren sie eine Legeperiode, aber auch eine Zweite ist ohne Probleme möglich.
Wie viele Hühner gibt es hier auf dem Hof?
Wir haben 250 Hennen.
Werden alle Eier verkauft?
Aktuell befinden wir uns in einer Art Sommerloch. Viele Kollegen berichten, dass sie Probleme beim Verkauf haben. Unsere Hühner legen seit rund zwei Monaten richtig Eier. Zu Beginn ist das nicht der Fall, da sie zunächst etwas Zeit brauchen, um sich einzugewöhnen. Da wir außerdem am Anfang stehen, müssen wir zunächst unseren Kundenstamm aufbauen. Ganz ausverkauft sind wir daher nicht. In unserem „Regiomaten“ können jederzeit Eier, aber auch Rapsöl oder andere Produkte gekauft werden. Samstags stehe ich außerdem in Winnweiler auf dem Markt.
Auf dem Markt werden dann auch die Hühnerprodukte verkauft?
Genau, dort ist das gesamte Sortiment dabei.
Beziehen Sie neue Hühner über den Züchter?
Ja. Wir geben rechtzeitig Bescheid, da es eine gewisse Vorlaufzeit gibt. Mit rund 18 Wochen kommen sie dann zu uns.
Im Bruderhahnkonzept ist es üblich, dass die Eier etwas teurer sind, um die Zucht der männlichen Küken zu finanzieren. Ist das bei Ihnen auch der Fall?
Bei der Preisauswahl haben wir das Bruderhahnprojekt außer Acht gelassen. Vielmehr orientieren wir uns an den Kollegen und an den Preisen, welche sie für die Eier festlegen. Aber dennoch möchten wir den Kunden zeigen, welches Projekt hier unterstützt werden kann.
Wo liegen die persönlichen Hoffnungen?
Persönlich würde ich mir wünschen, dass wir ein zweites Freilandgehege aufzustellen, um eben den Zeitraum, in dem die alten Hennen gehen, zu überbrücken. Aber die Arbeit mit den Hühnern soll auch noch Spaß machen und nicht den halben Tag einnehmen.
Könnte es in der Zukunft noch weitere Produkte geben?
Wir sind ständig am Ausprobieren. Neben unseren Linsen steht aktuell ein Kaffee aus Lupinen im Raum. Nachdem die Hennen ausgelegt haben, möchten wir sie als Suppenhühner anbieten und dementsprechend vermarkten.
Brathühner wird es also nicht geben?
Dadurch, dass es sich hier um Legehennen handelt, sind sie dafür nicht geeignet. Im Vergleich zu den Masthähnchen ist das Fleisch nicht so zart, sondern eher faserig.