Donnersbergkreis Blick immer auf die Westkurve gerichtet

Während der Bundesliga-Pause stehen für die Szenekundigen Beamten vor allem Bürotätigkeiten auf dem Programm – an Spieltagen geh
Während der Bundesliga-Pause stehen für die Szenekundigen Beamten vor allem Bürotätigkeiten auf dem Programm – an Spieltagen geht’s sonst auch raus. Rainer B. will lieber nicht erkannt werden.

Rainer B. ist fußballbegeistert – und hat seine Passion mit dem Beruf verbinden können: Der Polizeibeamte, der seinen Namen nicht nennen möchte, ist einer der sogenannten Szenekundigen Beamten in Kaiserslautern, die im Umfeld von Fußballspielen tätig sind und – wie die Berufsbezeichnung verrät – die Fanszene kennen.

„Unter der Woche sind wir viel im Büro“, schildert Rainer B. seinen Alltag als Szenekundiger Beamter bei der Polizei in Kaiserslautern: „Dann sind wir damit beschäftigt, die an Spieltagen eingegangenen Strafanzeigen rund um die Fußball-Begegnungen zu bearbeiten.“ Dazu werde mit den beiden Polizeiinspektionen der Stadt, aber auch mit Dienststellen außerhalb zusammengearbeitet. Beispielsweise, wenn FCK-Anhänger bei Auswärtsspielen Straftaten begehen. Rainer B.: „Wir kennen unsere Leute, und wir helfen dabei mit, die potenziellen Straftäter zu identifizieren.“ Vor Spieltagen – am grundlegenden Ablauf ändere auch der Abstieg des 1. FCK in die Dritte Liga nichts – nehmen die Szenekundigen Beamten Kontakt zu ihren Kollegen der gegnerischen Mannschaft und zum FCK auf. „Da geht’s um Fragen wie die Anzahl der mitreisenden Fans, generell auch der erwarteten Zuschauerzahl und wie die Stimmung in den Fanlagern ist“, erläutert der junge Polizeibeamte. Mit der Bundespolizei und den anderen Szenekundigen Beamten werde geklärt, wie die Fans anreisen und ob es auf dem Anreiseweg Überschneidungen mit anderen Anhängern gibt. Bei der Bundespolizei gibt es dazu ebenfalls Szenekundige. Aus all diesen Erkenntnissen heraus wird der Polizeieinsatz am Spieltag in Kaiserslautern geplant. In der Regel benötige man nur zwei Wochen Vorlauf, bei sogenannten Problemspielen beginne die Planung schon deutlich früher: „Zu den sogenannten Rot-Spielen gehören Begegnungen des 1. FCK mit Dynamo Dresden oder dem Karlsruher SC“, sagt Rainer B.. Am Spieltag selbst sind die Szenekundigen Beamten zunächst im Stadionumfeld und bei der Fan-Anreise unterwegs, beobachten, wie sich die Fans verhalten – oder sprechen bekannte Gesichter auch schon mal an. Rainer B.: „Da ist unsere primäre Aufgabe, dass die Fans sicher und problemlos ins Stadion kommen.“ Dazu mischen sich die Beamten auch mal in Zivil unter die Anreisenden. „Während der Spiele im Fritz-Walter-Stadion stehen wir am Spielfeldrand, den Blick immer auf die Westkurve gerichtet“, sagt Rainer B., „während die Szenekundigen Beamten des Gästeteams dessen Anhänger im Auge haben.“ Nach dem Schlusspfiff widme man sich dann der Abreise, dem Strom der Fans vom Betzenberg in die Stadt oder zum Bahnhof: „Problemfans sollten da nicht aufeinandertreffen. Weichen Gruppen doch einmal vom Weg ab, geben wir das weiter an die Befehlsstelle, die, falls das erforderlich ist, andere Kräfte losschickt.“ Als „Problemfan“ gelte, wer schon mehrfach negativ bei Spielen aufgefallen ist – ob in Kaiserslautern oder bei Auswärtsspielen. „Die kennen wir in der Regel“, sagt B., der sich seit jungen Jahren mit Fußball beschäftigt und seit 2016 in dem Fachbereich der Polizei tätig ist: „Das ist ein Traumjob für mich, die Arbeit erfüllt mich.“ Zu den häufigsten Verstößen, mit denen sich Szenekundige Beamte beschäftigen, zählt Rainer B. Aggressionsdelikte, Landfriedensbruch, Vermummung oder den Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz – Stichwort Pyrotechnik. Rainer B. betont, wie wichtig es in seinem Job ist, mit den Kollegen zu kommunizieren: Die anderen Szenekundigen Beamten, die Bundespolizei und die jeweilige Führungsgruppe müssten je nach Lage informiert werden. Momentan ist es für die Szenekundler etwas ruhiger – in der spielfreien Zeit können Überstunden abgebaut, kann Urlaub gemacht werden. „Und was sonst so liegenblieb“, sagt Rainer B., „wir sind also definitiv nicht arbeitslos in der Zeit ohne Liga-Spiele.“

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