Donnersbergkreis „Bin ein Optimist ohne Illusionen: ein Realist“

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Der ehemalige Bundesverteidigungsminister und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Rudolf Scharping war am Dienstagabend im Rahmen der Kirchheimbolander Friedenstage zu Gast im Kreishaus. Nach der Begrüßung durch den SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Andreas Müller hielt der 69-Jährige eine gute Stunde lang einen Vortrag zum Thema: „Werden die Spannungen in der Welt größer? Vom Balkan-Krieg bis zur Nordkorea-Krise.“

Die Konkurrenz durch das Fußball-Länderspiel war offensichtlich doch zu heftig; die Veranstaltung lockte nur rund 25 Zuhörer in den großen Sitzungssaal. Die erlebten einen anschaulich und lebendig erzählenden Referenten, der – historisch ausholend – die Veränderungen bei den Kriegsformen erläuterte. Dabei verwies er zunächst auf die Situation im Jahr 1648, das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Das sei der „Beginn der Nationenwerdung in Europa“ und ein wichtiger Schritt in Richtung Grenzen, Identität und Gewaltmonopol der Staaten gewesen. Gleichzeitig aber auch Quelle von Aggressionen im Bewusstsein eines übersteigerten Nationalismus, Auslöser für Vernichtungskriege im 20. Jahrhundert. Auch die Phase der Abschreckungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg sei keine Idylle gewesen, fuhr Scharping fort, nannte in diesem Zusammenhang markante Bedrohungsszenarien: Schweinebucht, Kubakrise und Mauerbau. Seitdem habe sich Entscheidendes verändert; von etwas scheinbar Regelhaftem hätten sich die Auseinandersetzungen ins Amorphe, nicht mehr vollkommen Greifbare verschoben: „Wenn ich Sie jetzt mitnehme in Gebiete gut 2000 Kilometer von hier entfernt, landen wir im Nahen Osten, in Nordafrika, im Iran, im Irak. Hier wächst die Bevölkerung enorm, ist im Durchschnitt sehr jung. Die Investitionen in Bildung fallen – mit Ausnahme von Israel – mit 0,3 Prozent mehr als niedrig aus, die Arbeitslosenquote bei den jungen Menschen liegt bei 70 bis 80 Prozent. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie hier Anfälligkeit für Gewalt entsteht.“ Ursache für Kriege, fasste Scharping zusammen, seien also Unzufriedenheit, Zorn, Wut über unerträgliche Lebensverhältnisse, Verzweiflung, Suche nach besseren Möglichkeiten, Angst vor der Zukunft und die Übersteigerung der eigenen Bedeutsamkeit – verbunden mit Hass und Aggressionen. In diesem Zusammenhang erläuterte Scharping, der – was politische Kontakte angeht – immer noch gut vernetzt scheint, am Beispiel von China und den USA die Rolle von Großmächten, beleuchtete verschiedene Krisengebiete und die Position Deutschlands, das als kleines Land allein mit der Gesamtsituation überfordert sei. Frieden könne nur im gemeinsamen Vorgehen mit anderen Staaten, vor allen Dingen im Rahmen der EU, entstehen. Anschließend entwickelte sich noch eine rege Diskussion mit dem Publikum über einzelne Aspekte – die Rolle der Bundeswehr beispielsweise –, in der sich Scharping am Schluss als „Realist, also Optimist ohne Illusionen“ outete, der sich um „die Balance zwischen Anstrengungen und gestaltbaren Möglichkeiten“ bemühe. Bei der Erläuterung, auf welcher Basis sich angesichts der geschilderten kriegerischen Szenarien und der globalen Dauergefährdungen ein solcher Optimismus entfalten könne und wo genau die gestaltbaren Möglichkeiten für Frieden zu finden seien, fielen seine Antworten wenig fassbar aus. Die Hinweise auf die hemmende Eigenart der Deutschen, sich in Betroffenheit und permanentem Pessimismus zu üben, und darauf, dass „auch schöne Geschichten passieren“, sind da sicherlich wenig befriedigend.

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