Marnheim RHEINPFALZ Plus Artikel Besuch im Kindergarten: Wo es noch freie Plätze gibt und Eltern Verständnis haben

Hier verbringen die Kinder ihre Zeit im Freien: Der Spielplatz ist ein Ort für Bewegung, Spiel und soziale Interaktion.
Hier verbringen die Kinder ihre Zeit im Freien: Der Spielplatz ist ein Ort für Bewegung, Spiel und soziale Interaktion.

Besuch in einer Vorzeige-Kita: In Marnheim sind reduzierte Öffnungszeiten kaum ein Problem. Hier dürfen Kinder die Räume wechseln – und streikt höchstens die Spülmaschine.

Personalmangel, bürokratische Hürden und steigende Anforderungen an die Einrichtungen: In den vergangenen Wochen haben wir viel über die Situation in den Kitas berichtet. Doch wie sieht der Alltag vor Ort tatsächlich aus? Ein Besuch in der Kita Marnheim, die als Vorzeigemodell in der Region gilt.

Claudia Braml-Stath ist seit mittlerweile zehn Jahren stellvertretende Leiterin der Kita, insgesamt seit fast auf den Tag genau 36 Jahre in der Einrichtung tätig. Ihren allerersten Arbeitstag hatte sie am 5. Juni 1990. Sie kennt jede Ecke, jede Puppe, jeden Bauklotz und jeden Teller. Viele Trends in der Pädagogik sowie viele, viele, viele Kinder und deren Eltern hat sie kommen und gehen sehen.

Personalnot und organisatorische Hürden

Sechs U2-Plätze und 90 Ü2-Plätze stehen hier in einem offenen Konzept zur Verfügung. Es sind alles Ganztagsplätze, derzeit sind sie nicht komplett belegt, es könnten noch Kinder aufgenommen werden. Wartelisten gibt es hier nicht. Von einer solchen Situation können andere Gemeinden nur träumen. Doch mit freien Plätzen allein ist es nicht getan. „Wir können nicht einfach ein Kind aufnehmen, nur weil bei uns noch Platz frei ist“, sagt Claudia Braml-Stath. „Für eine optimale Eingewöhnung braucht es genügend Personal, ausreichend Zeit und das Verständnis der Eltern, wenn es mal etwas länger dauert. Wir gehen nach den Bedürfnissen des jeweiligen Kindes und nicht nach einem bestimmten Modell.“

Trotz eines offiziellen Personalschlüssels, der 15,35 Stellen umfasst, kämpft auch die Kita in Marnheim regelmäßig mit Personalengpässen. Derzeit sind 1,71 Stellen unbesetzt, und obwohl eine Position ab dem 1. Oktober neu besetzt wird, kommt es durch Krankheitsausfälle und unvorhersehbare Engpässe immer wieder zu einer hohen Belastung. Eine Fachkraft steht mit 15 Stunden Vertretung zur Verfügung, aber im Notfall wird Urlaub gestrichen.

Wenn die Spülmaschine streikt, ist das ein Problem

Auch wenn hier vieles läuft, gibt es Tage, an denen kleine Störungen das gesamte System durcheinanderbringen. So wie an diesem Morgen: Die Spülmaschine läuft nicht. Zusätzlich meldeten sich am Vortag zwei pädagogische Fachkräfte und eine Küchenmitarbeiterin krank. Das bedeutet, dass rund 60 Teller vom Mittagessen am Nachmittag gespült werden müssen. Wer das machen soll, ist um 8 Uhr morgens noch völlig unklar.

„Es hört sich nach einer Kleinigkeit an, aber das bringt uns hier wirklich durcheinander“, sagt Claudia Braml-Stath und erklärt: „Einfach jemanden in die Küche stellen und spülen lassen, ist nicht möglich. Dafür braucht es bestimmte Gesundheitsnachweise und Formulare. Das muss alles erst über die Verwaltung geklärt werden.“ Gerade solche organisatorischen Hürden, die von vielen Eltern vielleicht auf den ersten Blick nicht wahrgenommen werden, machen den Kita-Alltag schwierig. „Wir könnten die Probleme viel schneller lösen, wenn die Bürokratie nicht so ein großes Hindernis wäre“, sagt Braml-Stath.

Offenes Konzept im Alltag

Die Kita Marnheim arbeitet mit einem offenen Konzept, bei dem die Kinder zwischen verschiedenen Themenräumen wie Bauraum, Kunstraum oder Zauberwald selbst entscheiden können, wo sie spielen möchten. Was in der Theorie nach einer tollen Umgebung für die Entwicklung klingt, wird in der Praxis zur großen Herausforderung. „Wenn Personal ausfällt, müssen wir spontan entscheiden, welche Räume geschlossen werden“, sagt Claudia Braml-Stath. „Die Erzieherinnen und Erzieher, die dort eigentlich zuständig wären, verteilen wir dann auf andere Räume.“ Auch Fortbildungen und Ausflüge müssen bei Engpässen abgesagt werden.

Nicht alle Herausforderungen führen jedoch zu Überforderung: In Marnheim wurde aus einer Krise auch eine Erfolgsgeschichte. Während einer Corona-Erkrankung stieß Claudia Braml-Stath in sozialen Medien auf die Idee eines Mittagsbuffets. Nach ihrer Rückkehr stellte sie das Konzept im Team vor, anfangs mit Skepsis, doch mittlerweile hat sich das neue System etabliert. „Jetzt läuft das Mittagessen viel entspannter“, erzählt sie. „Die Kinder können zwischen 11.15 Uhr und 13 Uhr in kleinen Gruppen zum Essen gehen, wenn sie Hunger haben. Und wenn ein Kind zweimal kommt, ist das auch kein Problem.“

Verständnisvolle Eltern als wichtige Unterstützung

Erfreulich sei hier, dass die Kita auf die Unterstützung und das Verständnis der Eltern zählen kann – beispielsweise bei reduzierten Öffnungszeiten. Trotzdem stößt auch diese Einrichtung regelmäßig an Grenzen: „Wir brauchen dringend Entlastung“, sagt Claudia Braml-Stath und spricht sich vor allem für Reformen gegen den Fachkräftemangel und für weniger Bürokratie aus. „Es sollte möglich sein, schneller und flexibler auf Krankheitsfälle zu reagieren“, sagt sie. „Zum Beispiel wäre es hilfreich, pro Einrichtung eine halbe zusätzliche Stelle einzuplanen – als Puffer.“

Und: Die Altersgruppen sollten im Kita-Zukunftsgesetz stärker differenziert werden, sagt sie. „Es macht einen großen Unterschied, ob ein Kind zwei oder sechs Jahre alt ist. Die Bedürfnisse und Anforderungen an die Betreuung sind komplett unterschiedlich.“ Auch an die Eltern hat sie einen Wunsch: „Es wäre wirklich wichtig, dass Eltern ihre Kinder nur gesund in die Kita schicken“, sagt sie und erzählt von dem Rotavirus, der zuletzt in der Kita umging – sowohl bei den Kindern als auch bei Erwachsenen. „Wir lieben unseren Job“, sagt Braml-Stath, „aber wir brauchen einfach bessere Rahmenbedingungen. Für uns, für die Eltern und vor allem für die Kinder.“

Die stellvertretende Leiterin der Kita, Claudia Braml-Stath, begleitet die Kinder beim Spielen und Lernen.
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