Donnersbergkreis „Beitrag gegen nationalistische Auswüchse“

Rognac war in Aufruhr. An jeder Straßenecke, auf jeder Plakatsäule, prangte der Hinweis: „40ième Anniversaire du Jumelage“ – zu deutsch: 40. Geburtstag der Partnerschaft. Seit 1974 ist Rockenhausen mit der französischen Kleinstadt nahe Marseille verbrüdert, längst durch ein enges emotionales Band. Knapp 100 Nordpfälzer hatten am vergangenen Wochenende mit zwei Reisebussen, per Auto oder Flugzeug die Reise in die Provence angetreten, um das Jubiläum groß zu feiern. Und ihre französischen Freunde veranstalteten ein Wahnsinns-Programm.
Als Karl-Heinz Seebald am Samstagmittag beim offiziellen Festakt vor mehreren Hundert Zuhörern seine Redemappe zuklappte, legte er noch mal eine gute Portion Pathos in seine Stimme. Mit ernstem Blick, laut und mit Nachdruck in der Stimme sagte er: „Es lebe Rognac. Es lebe Rockenhausen. Es lebe unsere Partnerschaft und ein vereinigtes Europa.“ Applaus brandete auf, Gänsehautatmosphäre auf dem von Sonne überfluteten Place Saint-Jacques. Seebalds Worte brachten auf den Punkt, worum es in dieser seit 40 Jahren andauernden, das Leben zahlreicher deutscher und französischer Bürger nachhaltig prägenden Beziehung geht: den gegenseitigen Austausch, das Kennenlernen anderer Kulturen, das Gewinnen neuer Freunde. „Die Worte entsprechen auch genau dem, was ich denke. Rognac und Rockenhausen soll es gut gehen. Hier werden konkrete Möglichkeiten geboten, andere Kulturen, Völker, Bräuche und Menschen kennen, lieben und schätzen zu lernen“, sagte Rockenhausens Stadtbürgermeister später und schloss: „So wird ein kleiner Beitrag dazu geleistet, die nationalistischen Auswüchse unwahrscheinlicher werden zu lassen.“ Dass die Partnerschaft längst in einer tiefen Freundschaft wurzelt, das war in jeder Sekunde des dreitägigen Aufenthaltes der Nordpfälzer Delegation in Rognac zu spüren. Vor allem am Festsamstag sind die deutschen Gäste aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen – was ihre Freunde aus der Provence an Programm, aber auch an kulinarischen Delikatessen aufgefahren haben, war einfach grandios. Für Aufsehen sorgte schon der Festumzug durch das 12.000-Seelen-Städtchen mit allen an der Partnerschaft Beteiligten, der zahlreiche Kiebitze aus Geschäften, ihren Häusern oder auf die Balkone lockte. Neben Folklore gab es auch einen deutsch-französischen Motivwagen mit landestypischen Elementen. Dazu hatte sich der Rognacer und Rockenhausener Nachwuchs in Dirndl und Lederhosen einerseits, in provenzalische Trachten andererseits gekleidet. Die Region des Gastgebers symbolisierte eine „cigale“ (Grille), für Deutschland stand eine Riesen-Wurst und Bier. Es folgte die Feier auf dem Place Saint-Jacques, während Seebald und sein Amtskollege Jean-Pierre Guillaume den Partnerschaftsvertrag verlängert haben – und Geschenke gab es auch: für Rockenhausen eine Marianne-Büste, seit der Revolution 1789 Symbol der Freiheit. Für Rognac eine Reproduktion der Urkunde, die Rockenhausen 1615 die Stadtrechte erneuerte. Dass die „Ro-Ro-Partnerschaft“ alles andere als ein Auslaufmodell ist, hat sich auch daran gezeigt, dass dieses Mal mit dem Basketballclub Fastbreakers und dem Akkordeonorchester Keiper zwei Gruppen mit vielen Kindern und Jugendlichen dabei gewesen sind. Die einen haben Kostproben ihres großen musikalischen Könnens gegeben, die anderen haben ihre sportlichen Kräfte in einem ebenso engagierten wie freundschaftlichen Turnier mit den Rognacer Nachwuchsbasketballern gemessen. Und obwohl es im Basketball normalerweise kein Unentschieden gibt, lautete der offizielle Endstand des packenden Finales 36:36 ... Abends folgte dann der absolute Glanzpunkt, im Centre d’Animation Municipal (CAM). „Ich bin wirklich beeindruckt von dem Programm, das uns geboten wurde. Die Revue war der Wahnsinn. Das können wir nicht übertreffen – aber darum geht es auch nicht! Es ist kein Wettkampf. Jedes Land hat seine Besonderheiten, wir machen dann was ganz anderes“, beschrieb Michael Nehm, Vorsitzender des Freundeskreises, die bombastische Soirée. Ein fünfgängiges Gala-Dinner, Zaubertricks eines Profi-Magiers, dazu Akrobatikeinlagen, die dem Cirque du Soleil Konkurrenz machten – es war perfekt. Und es zeigt, dass den Rognacern für ihre Rockenhausener Freunde das Beste gerade gut genug ist. Dazu gehörte am Sonntag auch der Ausflug in die Camargue, mit dem Besuch einer Manade – einem Betrieb, der eindrucksvolle Einblicke in die Welt der Stierzucht und der berühmten weißen Pferde bot – inklusive atemberaubender Vorführungen in der Arena. Am Sonntagabend beziehungsweise Montagmorgen ging es für die meisten der deutschen Gäste mit dem Bus wieder nach Hause – manche haben den Aufenthalt privat noch verlängert. Klar ist: Bei allen Beteiligten wird ab sofort die Vorfreude auf Pfingsten 2015 steigen. Dann wird das 40. Jubiläum nochmals in der Pfalz gebührend gefeiert. Einem unvergesslichen Erlebnis soll das nächste folgen ... (ppp)