Donnersbergkreis Beim „Haase-Bäcker“ geht der Ofen aus

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Hätte Maria Haas vor rund anderthalb Jahren diesen speziellen deutschen Ausdruck verstanden, die Bäckerei in Schweisweiler wäre wohl schon eine ganze Weile früher geschlossen worden. Als „wirtschaftlich nicht mehr rentabel“ hat ihr Steuerberater den Betrieb bezeichnet, den die 50-Jährige seit dem plötzlichen Tod ihres Ehemanns Werner im Jahr 2010 alleine geführt hatte. Nun lebt die gebürtige Inderin zwar seit ihrer Hochzeit vor 22 Jahren in der Nordpfalz und spricht hervorragend Deutsch. Aber die Bedeutung des genannten Fachbegriffs war ihr bislang verborgen geblieben. „Ich wusste, dass es um unsere Finanzen nicht besonders gut bestellt ist – daher dachte ich, der Steuerberater will mich darauf vorbereiten, dass die kommenden Jahre sehr schwierig werden.“ Beispielsweise, bis ihr heute 13-jähriger Sohn David, der mit seiner Mutter bezüglich der Bäckerei eine Erbengemeinschaft bildet, vielleicht in das Geschäft einsteigen könnte. Dieses Jahr habe ihr Lebensgefährte Alfred Kell sie dann zum Steuerberater begleitet – und ihr auf dem Heimweg erklärt, was es mit der erneut gefallenen Bezeichnung auf sich hat. Bald darauf ist im Februar der Entschluss gereift, die 1875 gegründete Bäckerei aufzugeben. Was keineswegs bedeutet, dass Maria Haas die Entscheidung leicht gefallen ist. Zwar lächelt sie, als sie am Tisch in der Küche neben dem Verkaufsraum mit der RHEINPFALZ spricht. Doch ihren Augen ist anzusehen, dass ihr die bevorstehende Schließung nahe geht. Nicht zuletzt tut es ihr leid für die teils seit vielen Jahren zum Betrieb gehörenden Beschäftigten. Beispielsweise Conny Wünsche, die seit 23 Jahren in der Backstube arbeitet. Oder – nomen est omen – Christian Bäcker, der noch bei Werner Haas in die Lehre gegangen ist. Der Geselle hat immerhin bereits eine neue Anstellung in Bad Kreuznach gefunden. 17 Jahre lang hat Ingrid Baumgärtner zusammen mit Maria Haas – an Samstagen unterstützt von Sophie Schäfer – den Verkauf gestemmt. Zum Team gehörten auch Peter Lukosius und, bis zum Beginn seiner Krankheit, Werners im Vorjahr verstorbener Bruder Kurt Haas. Die Wehmut ändert nichts daran, dass der Laden am 30. Juli zum letzten Mal geöffnet hat – für die Chefin ist das alternativlos. Eine Zahl bringt das ganze Dilemma auf den Punkt: „Gegenüber 2013 ist unser Umsatz um zirka 50 Prozent zurückgegangen.“ Wer schon mal ein Laugenhörnchen oder eine Schinkenstange vom „Haase-Bäcker“ probiert hat, der weiß: Eine Qualitätsfrage ist das nicht. Natürlich leidet auch das Schweisweilerer Geschäft unter der Billig-Konkurrenz der Supermärkte in der Umgebung – als wesentlichen Faktor für den Niedergang hat Maria Haas aber etwas anderes ausgemacht: die rund zehnmonatige Sperrung der B 48 während des Ausbaus der Ortsdurchfahrt. „In dieser Zeit haben sich viele Autofahrer, die regelmäßig bei uns still gehalten hatten, anders orientiert. Und sie sind auch nicht zurückgekommen, als die Straße wieder frei gewesen ist.“ Natürlich haben Haas und Co. versucht, die Durststrecke zu überbrücken: Für die Dauer der Sperrung ist der Verkauf nach Winnweiler verlagert worden – erst in ein Zelt auf dem Marktplatz, dann in eine Garage, dann in ein Tabakwaren-Lädchen. „Dort haben wir aber auch Miete zahlen müssen, zudem hat die Nachfrage nach einigen guten Wochen wieder nachgelassen. Die Leute sind anfangs neugierig, probieren – irgendwann kaufen sie dann doch wieder im Supermarkt, wo es billiger ist“, hat Haas diesbezüglich längst resigniert. Erschwerend hinzu kommt die Parkplatzsituation: An der Bäckerei selbst können drei Fahrzeuge halten, zwei weitere Flächen befinden sich nur wenige Meter entfernt. Diese waren allerdings häufig durch Anlieger belegt – dank den Bemühungen von Ortschef Heiko Haas ist hier die Parkzeit auf 30 Minuten beschränkt worden, was die Lage ein wenig entspannt hat. Dennoch: In Stoßzeiten – etwa wenn bei Johnson Controls in Rockenhausen die Nachtschicht endet – würden deutlich mehr Plätze benötigt: „Die ersten drei oder vier halten, der fünfte parkt direkt vor der Treppe, der nächste kommt nicht mehr durch und fährt weiter. Wenn ich aber zu dem anderen etwas sage, ist er vielleicht beleidigt und kommt nicht mehr“, berichtet Haas, die unzählige solcher Szenen erlebt hat. Nicht zuletzt wären in der Backstube erhebliche Investitionen notwendig: Die Maschinen sind zum Teil veraltet, der Backofen stammt aus dem Jahr 1982. „Voriges Jahr haben wir für 7000 Euro eine neue Teigmaschine geholt – mehr war nicht drin“, so Haas. Und das in einer Zeit, in der die Hygienevorschriften immer strenger werden. All das gipfelt in der Quintessenz: „Es geht einfach nicht mehr.“ Fehlen wird die Bäckerei nicht nur den Einheimischen und vielen Pendlern: An den Samstagen waren Maria Haas und ihr Lebensgefährte – den sie im August heiratet – mit dem Verkaufsauto in Imsweiler und Winnweiler unterwegs. Zudem hat die Bäckerei das Wilhelm-Erb-Gymnasium sowie die Realschulen plus in Rockenhausen und Winnweiler beliefert. Auch die Schüler werden sich nun an andere Brötchen gewöhnen müssen. Ein dickes Dankeschön hat Maria Haas für die Kunden parat, die ihrem Laden bis zuletzt die Treue gehalten haben. Und wie sieht ihre persönliche Zukunft aus? Nächstes Jahr möchte sie wieder arbeiten gehen. In den kommenden Monaten hat sie aber noch jede Menge mit der Abwicklung des Geschäfts zu tun, will außerdem mehr Zeit mit ihrem Sohn verbringen. „Gerade nach dem Tod meines Mannes konnte ich mich nicht so um ihn kümmern, wie ich es gerne getan hätte – es musste hier ja weitergehen.“ Apropos weitergehen: Was aus den leer stehenden Räumen wird, ist derzeit noch offen. Nur eines steht für Maria Haas fest: „Eine Bäckerei kommt hier nicht mehr rein, das ist endgültig vorbei.“ Schade.

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