Zellertal RHEINPFALZ Plus Artikel Begegnung mit der Künstlerin Katja Zundel

Zwischen Blauglockenbaum und Goldfischtisch: Künstlerin Katja Zundel alias Egler in ihrem „Hof Lionadh“ im Zellertal.
Zwischen Blauglockenbaum und Goldfischtisch: Künstlerin Katja Zundel alias Egler in ihrem »Hof Lionadh« im Zellertal.

Katja Zundel, auch unter dem Künstlernamen Egler bekannt, macht nicht nur Kunst. Sie lebt die Kunst und versteckt sich dabei lieber hinter einer Sonnenbrille, anstatt groß in Erscheinung zu treten. Nicht die Person soll im Vordergrund sein, sondern ganz allein ihr gestalterisches Schaffen.

Im Fort Paul, im Kölner Volksgarten, ist eine Menge dieser Kunst zu sehen. Das Fort war 1825 eine preußische Festungsanlage und ist heute zur Bastion der Kunst geworden. Mitverantwortlich dafür zeichnet Katja Zundel, die seit über 25 Jahren dort im historischen Gemäuer ein Atelier leitet.

Zum Glück für die hiesige Kunst, verschlug es Zundel zusammen mit ihrem Lebenspartner ins beschauliche Zellertal, zwischen „Weck, Worscht und Wein“. Mitgebracht hat das Paar eine Menge künstlerischer Energie, viel frischen Wind und einen endlosen Ideenreichtum. Seit 2017 ist die Künstlerin bei uns in der Region in einem historischen Vierkanthof zuhause, der geheimnisvoll Lionadh genannt wird.

Im Geist der Beatles

Im Gälischen bedeutet dies so viel wie „auffüllen“ und soll im weiteren Sinne die innere Vollkommenheit oder Glückseligkeit zum Ausdruck bringen. Stück für Stück wird der Hof in eine kulturelle Begegnungsstätte verwandelt. Ein Gästehaus für Workshops ist in Planung. Einen ersten Eindruck konnte man sich im vergangenen Juni machen. Die Tore standen allen Kunstinteressierten im Rahmen einer Vernissage von „Yellow Submarine“ im Hof Lionadh weit offen.

Hinter dem farbenfrohen Namen eines alten Beatles-Songs steckt die Idee, ein Netzwerk für die Kunst zu schaffen. Dabei werden Künstler aller Couleur nur kurzweilig ins Boot geholt, um mit ihnen eine Ausstellung zu machen. Alles ist ständig im Wechsel und kann mitunter auch interdisziplinär sein, von der Lichtkunst über Malerei, Plastik und Fotografie bis zur Musik.

„Spannend und zukunftsweisend“

Das Konzept soll „spannend und zukunftsweisend“ sein. So verlassen die Künstler nach der Ausstellung die Plattform und es steigen wieder neue ein. Das einzig Beständige hinter „Yellow Submarine“ ist der Kern, bestehend aus Katja Zundel und Robert Schmidt vom Hof Lionadh sowie Barbara Burgis-Dittmer und Gregor Dittmer vom Kunstbahnhof Albisheim.

Zusammen bilden sie den Kopf des internationalen Kunstnetzwerks „Yellow Submarine“, das aktuell zur Gruppenausstellung am 20. August ins Kölner Fort Paul einlädt. Präsentiert wird dort unter anderem die erste Gemeinschaftsarbeit von „Yellow Submarine“, eine Sammlung aus kunstvoll gefertigten Holzdruckobjekten, die zuvor im Hof Lionadh zu bewundern war.

Zwischen Köln und Zellertal

Privat wie geschäftlich pendelt Zundel zwischen Köln und dem Zellertal. „Hier wachsen Feigen im Garten wie in der Toscana“, schwärmt sie von der ländlich geprägten Pfalz. „Aber in der rheinischen Metropole ist die Versorgung mit Ärzten deutlich besser“.

Katja Zundel kann eine klassische Ausbildung vorweisen. Sie war Meisterschülerin der Kunstakademie Münster und studierte nebenbei Germanistik auf Lehramt. Inzwischen widmet sich die Allrounderin nur noch ihren beiden großen Leidenschaften, der bildenden Kunst und dem Garten.

Gartenarbeit und künstlerisches Gestalten

„Wenn ich die vertrockneten Blätter vom Oleander zupfe, ist das die pure Entspannung“, sagt Zundel, die auch gern mal alles, was so im Garten wächst, in ihrer Kunst verarbeitet. Dabei hat sie eine Vorliebe für die Blätter des Blauglockenbaums entwickelt, der in ihrem Garten direkt neben dem Goldfischteich steht.

Die Blätter sind so groß, dass sie eine ganze Leinwand im Format 50 mal 70 Zentimeter füllen. Aufgeklebt auf Leinwand und künstlerisch durch Acrylmalerei aufgewertet, zaubert Zundel daraus beeindruckende Werke der Vergänglichkeit. Ein wesentliches Merkmal ihrer Kreativität ist die mit der Zeit sichtbar werdende Patina. Das Geschaffene darf altern und Spuren dieses Prozess aufweisen.

Authentizität ist Trumpf

Deutlich wird dies am mannshohen Acrylgemälde „Mensch ärgere dich nicht oder: Reise um die Welt“. Darauf sind blaue Linien in einem rosafarbigen Meer zu sehen, das mit bemalten Erbsen dekoriert wurde. Schaut man genauer hin, erkennt man, dass die Hülsenfrüchte teilweise zerstört sind.

Dies geschah, als das Bild vorübergehend in einer alten Scheune zwischengelagert war und sich Mäuse daran zu schaffen machten. Doch statt sich zu ärgern, adelte die Künstlerin die Nager als die „wahren Künstler“ und ließ das Bild einfach so, wie es jetzt nun einmal ist. Katja Zundels Kunst ist schlichtweg authentisch.

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