Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Barocke Klänge zum Fest: Konzert der Bezirkskantorei in der Peterskirche

Es war ein überaus abwechslungsreiches Konzert in der Peterskirche.
Es war ein überaus abwechslungsreiches Konzert in der Peterskirche.

Ein außergewöhnliches Konzert mit eher unbekanntem Repertoire: Die Bezirkskantorei sorgte für einen ebenso glänzenden wie musikalisch funkelnden dritten Advent in der Peterskirche in Kirchheimbolanden.

Zum dritten Advent gab die Bezirkskantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler mit dem Collegium Musicale Bingen, unter Leitung von Martin Reitzig, in der protestantischen Peterskirche Kirchheimbolanden ein voluminös wirkendes Konzert trotz kleiner Besetzung. Mit Antonio Vivaldis „Gloria“ in D-Dur (RV 589) erleben die Zuhörer einen musikalischen Glanzpunkt in einer überaus kurzweiligen Aufführung.

Nicht nur der Komponist der „Vier Jahreszeiten“

Antonio Vivaldi (1654-1740) ist mit Abstand einer der berühmtesten Komponisten der klassischen Barockmusik, und fast jeder kennt sein Meisterwerk „Vier Jahreszeiten“. Das Stück „Gloria“, wahrscheinlich um 1715 entstanden, war dagegen für lange Zeit fast schon in Vergessenheit geraten und erfreut sich erst wieder seit einigen Dekaden größerer Beliebtheit.

Es handelt sich dabei um einen in zwölf Einzelsätzen aufgeteilten Lobpreis auf Gott, den heiligen Geist, und zeichnet sich durch eine dynamische Spielweise aus, die sowohl auftrumpfende als auch ruhige Momente beinhaltet. Vivaldi hat während seines Lebens über 47 geistliche Werke komponiert, wovon das „Gloria“ die mit Abstand die bedeutendste Schöpfung ist.

Die einzelnen Sätze weisen dabei unterschiedliche Tempi auf von Allegro, über Andante zu Largo und wieder zurück zu Allegro, sodass das Gesamtwerk sehr dynamisch wirkt. Der achte Satz, „Domine Deus“, wird vom Orchester sehr gefühlvoll gespielt, wobei besonders die Solostimme und der einsetzende Chorgesang tief unter die Haut gehen.

Ebenso klingen die sich wiederholenden und überlagernden Chorstimmen in „Qui tollis peccata mundi“ einfach großartig. Im zehnten Satz „Qui sedes ad dexteram Patris“ entfalten sich die Klangfarben der Geigen mit Bravour und erinnern dabei in Nuancen an Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Glanzvolle Akzente setzt die Trompete im elften Satz, während im letzten Satz die Kirchenorgel, gespielt von Tom-Niklas Roland, fulminant ausklingt.

Der Organist ist erst 19 Jahre alt

Der erst 19-jährige Organist begleitet das kleine Orchester während des „Glorias“ nahezu unentwegt – und dennoch sind die Tonpfeifen im Gesamtem kaum zu vernehmen. Die Orgelklänge entfalten sich synchron zum Orchesterspiel und verleihen dem Ganzen einen voluminösen Charakter - nur ganz selten schwingt ein einziger Pfeifton aus und überlagert dabei ganz kurz das übriges Orchesterspiel. In Anbetracht des eingeschränkten Sichtfelds zum Dirigenten, hat der Organist an der pneumatischen Kirchenorgel eine Spitzenleistung vollbracht und sich zum Großteil dabei nur auf sein Gehör verlassen.

Nicht weniger beeindruckend sind der Sopran von Antonietta Jana sowie der Alt und Mezzosopran von Simone Pepping-Sattelberger, die im Zwiegesang mit klarer Stimme den gesamten Kirchenraum füllen. Das Fagott entfaltet sich gefühlt ein wenig zu dezent, während sich Trompete und Kontrabass stets kraftvoll präsentieren. Die Gesamtdisposition entpuppt sich dabei dennoch als ein gelungener Seelen-Schmeichler, mit lateinischen Texten, die perfekt zur Weihnachtszeit passen.

Die Einführung zum Adventskonzert machte die Streichersinfonie A-Dur Wq 184 von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), wobei das kleine Orchester klanglich weitaus „größer“ klingt, als es die Besetzung vermuten lässt. Der diskrete Hall im Kirchengemäuer versprüht bei dem „Allegro ma non troppo“ einen ganz besonderen Charme, während das „Allegro assai“ passend zur Weihnachtskantate „Willkommen, süßer Bräutigam“ von Vincent Lübeck (1654-1740) überleitet.

Mit zwei Solostimmen, jeweils zwei Violinen und Violoncello, sowie einem Kontrabass und Orgel, wird das Werk abwechslungsreich umgesetzt. Unter den Gästen singen wenig sogar leise mit, während andere einfach den Kopf senken und den musikalischen Ohrenschmaus mit geschlossenen Augen einfach genießen.

Das Konzert hätte gerne noch etwas länger dauern können

Insgesamt zeichnete sich das Adventskonzert in erster Linie durch eine sehr prägnante Spielweise des Orchesters aus, welche in der kleinen Peterskirche auf eine gute akustische Entfaltung trifft. Die Orgel als unterstützendes Element passte hervorragend ins Klangbild hinein. Einzig die Gesamtspielzeit von nur einer Stunde betrübt ein wenig, denn das überaus kurzweilige Konzert hätte gerne noch etwas länger dauern können.

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