Kirchheimbolanden
Bald soll es nicht mehr in die Turnhalle der Grundschule regnen
Wer kennt ihn nicht, den despektierlichen Seitenhieb auf den Gegenüber, der gerade auf dem Schlauch zu stehen scheint: „Du hast deinen Kopf nur, damit es dir nicht in den Hals regnet.“ Nun, für die Turnhalle an Grundschule und Mathilde-Hitzfeld-Schule käme ein solcher Zustand schon einer Verbesserung gleich. Denn ihr Dach ist nicht mal mehr in der Lage, die recht einfach anmutende Aufgabe zu erfüllen, im Inneren der Halle für trockene Böden zu sorgen.
Dass es in die Turnhalle hineinregnet, ist bereits seit Jahren immer wieder Thema. Vor allem das Flachdach macht Probleme. Aber auch die Fassade, der Hallenboden, die Decken- und Wandbekleidungen sowie die Haustechnik hatten offenkundig auf den Prüfstand gehört. Ende 2021 begann ein Architekturbüro daher, die gesamte Halle auf Herz und Nieren zu prüfen. Das Ergebnis lässt keine Zweifel zu am großen Sanierungsbedarf der Turnhalle, die nicht nur für den Sportunterricht der rund 180 Grundschüler und der etwa 90 Schüler der Förderschule bedeutend ist. Auch die Trainingseinheiten etlicher Vereine finden in der Halle Platz, und nicht zuletzt ist sie als Notunterkunft für eine eventuelle Gasmangellage vorgesehen.
Kostenpunkt: Fast vier Millionen Euro
Immerhin: Ein Neubau muss wohl nicht her. Ein solcher hätte dazu geführt, dass der Sportbetrieb für Schule wie Vereine länger hätte ausfallen müssen. Zudem wäre ein Neubau wegen geänderter Förderrichtlinien wohl deutlich kleiner ausgefallen – das wäre für den Sportbetrieb an seiner Schule „ein echter Nachteil“ gewesen, wie Grundschulleiter Hermann Mörsdorf gesagt hatte. Dies wird aber nun nicht geschehen. Stattdessen gibt es eine umfangreiche Sanierung, deren Kosten das Planungsbüro auf 3,82 Millionen Euro schätzt. Im Sommer 2021 hatte Bauamtsleiter Udo Bauer die Kosten für einen Neubau übrigens auf nur 3,6 Millionen taxiert – das allerdings war eine vorsichtige Schätzung, zu der auch noch die Kosten für den Abriss des bestehenden Gebäudes gekommen wären; von den Preissteigerungen im Baugewerbe seither ganz zu schweigen.
Die Bewertung des aktuellen Hallenzustands liest sich jedenfalls wie ein dringlicher Aufruf, doch bitte schnellstmöglich etwas zu unternehmen. Das gilt allen voran für das Dach: Dieses ist demnach nicht regendicht, stark vermoost, weist undichte Anschlüsse und eine undichte Entwässerung auf, ist stark sedimentiert und hat ungedämmte Leitungen. Außerdem ist die Dacheindeckung asbesthaltig. Mängel und Schäden an der Fassade, nicht schließende Fenster, der in Mitleidenschaft gezogene Hallenboden, undichte Außentüren sowie die „unbedingt erforderliche“, aber fehlende Trennung von Trinkwassersystem und Feuerlöschleitung sind einige der Mängel, die der Bericht des Büros Müller Mizera aufzeigt.
Betrieb so lange wie möglich aufrechterhalten
Die erforderliche Sanierung hat der Rat der Verbandsgemeinde einstimmig beschlossen. Dass nun aber nicht von heute auf morgen lossaniert werden kann, das ist die Regel bei öffentlichen Gebäuden. Zunächst wird die Verwaltung die vorgeschriebenen Vergabeverfahren in Gang setzen für Architektur, Haustechnik und Statik. Wenn es dann losgeht, sollen – um den Sportbetrieb in der Halle so lange wie möglich aufrecht zu erhalten – zunächst Dach und Fassade in Angriff genommen werden, wie Udo Bauer erläutert. Erst im Anschluss geht es an die Arbeiten im Halleninneren.
Erst im September war die Sanierung von Grundschule und Mathilde-Hitzfeld-Schule abgeschlossen worden – zehn Jahre, nachdem bei einem Brandschutzgutachten umfangreiche Mängel festgestellt worden waren. Hatte das Projekt anfangs gut drei Millionen Euro kosten sollen, entwickelte sich die Sanierung über die Jahre hinweg zum größten Bauprojekt der Verbandsgemeinde. Am Ende standen Kosten von etwa 8,5 Millionen Euro.