WINNWEILER
Bahnhofsgebäude: Investor will loslegen
Thomas Knieriemen, geschäftsführender Gesellschafter der Baufirma F.K. Horn GmbH aus Kaiserslautern, hat das Ensemble – neben dem Haupthaus gibt es auch noch ein Nebengebäude – als privater Investor gemeinsam mit seinem Sohn von der Ortsgemeinde Winnweiler gekauft. Sein Plan: Teilabriss, Sanierung und anschließende Vermietung. „Die Gespräche begannen Anfang 2020, am 13. August 2020 haben wir den Kaufvertrag unterschrieben“, sagt Knieriemen im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Wir können mit Altbauten gut umgehen und sehen in dem Gebäude interessante Entwicklungsmöglichkeiten, deswegen haben wir einen Bauantrag gestellt.“
Geplant ist, das derzeit weiß gestrichene Hauptgebäude mit 160 Quadratmetern Grundfläche zu erhalten. Den flachen gelben Anbau schätzt Knieriemen als nicht erhaltenswert ein – er soll abgerissen werden. „Wir planen einen Neubau mit einer baulichen Verbindung zum Hauptgebäude, dort soll ein Treppenhaus entstehen, auch ein Fahrstuhl wäre möglich, um das Gebäude barrierefrei zu gestalten. Zusammen mit dem Neubau entstehen so rund 1000 Quadratmeter Nutzfläche“, so Knieriemen. Insgesamt, schätzt er, werde als Investitionssumme am Ende „ein größerer siebenstelliger Betrag“ stehen.
Angebote für Kinder
Auch ein Mieter steht bereits in der Startlöchern: Es ist der in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe tätige freie Träger „Meilenstein“ mit Hauptsitz in Andernach. Die Einrichtung wurde 2018 gegründet und hat derzeit 170 Mitarbeiter. Wie Ingo Zwarg, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer, mitteilt, macht Meilenstein Betreuungsangebote von ambulantem Dienst über Tagesgruppen bis hin zu stationären Wohngruppen. Darüber hinaus bietet der Träger individualpädagogische Hilfen, Integrationshilfe und Schulbegleitung, aber auch zum Beispiel Mutter-Vater-Kind-Gruppen an. „Wir sind sehr flexibel und kümmern und auch um schwierige Kinder“, so Zwarg. So werde beispielsweise auch Traumatherapie angeboten. „Grundsätzlich geht es uns darum, Hilfe aus einer Hand anzubieten“, so Zwarg.
Für Winnweiler sind eine Wohngruppe und eine Tagesgruppe geplant. Die Wohngruppe – für bis zu neun Kinder von sechs bis zwölf Jahren – soll in den noch zu bauenden neuen Räumen untergebracht werden. „Wir haben in der Rohmühle in Heiligenmoschel bereits eine Wohngruppe für ältere Kinder, die wäre dann in Verbindung mit Winnweiler denkbar“, so Zwarg. Die Tagesgruppe, in der bis zu zehn Schulkinder nachmittags betreut werden können, soll in das alte Gebäude kommen. Im Dachgeschoss sei dann noch Platz für die Verwaltung.
Räume könnten bis Sommer 2023 fertig sein
Die gesamte Planung sei bereits auf die Bedürfnisse von Meilenstein ausgerichtet, erklärt Bauherr Knieriemen. Zum Zeitplan sagt er: „Wir hoffen, dass die Baugenehmigung bis Weihnachten da ist. Sollte das klappen, dann wollen wir im ersten Quartal 2022 mit den Bauarbeiten beginnen. Ich rechne damit, dass diese bis Sommer 2023 beendet sein können.“
Geschichte des Bahnhofs:
- Der Bahnhof wurde gebaut, als 1870/71 die Alsenzbahn zwischen Hochspeyer und Bad Münster am Stein in Betrieb genommen wurde. Im Erdgeschoss des dreigeschossigen Hauptgebäudes befanden sich die Schalter, ein Wartesaal und Diensträume, im Obergeschoss und im Dachgeschoss wurden Wohnungen für Bahnbedienstete eingerichtet.
- 1987 wurden die Schalter endgültig geschlossen und das Haus in private Hände verkauft. Der Anbau wurde von der Verbandsgemeinde Winnweiler als Abstellraum gemietet, in den Wohnungen wurden Asylbewerber untergebracht. Später stand der Komplex einige Jahre leer.
- Anfang 2018 kaufte die Ortsgemeinde Winnweiler das Bahnhofsgebäude. Der Plan war, das Haupthaus zu sanieren und den gelben Anbau sowie einen Schuppen auf der anderen Straßenseite abzureißen. Die Gemeinde hatte schon damals präferiert, die Immobilie zu diesem Zweck an einen Investor zu verkaufen, wäre aber zur Not auch selbst als Vermieterin eingesprungen.
- Im August 2020 kaufte Thomas Knieriemen die Immobilie.