Rockenhausen
Büroleiterin Marion Haas verlässt die VG Nordpfälzer Land
„Nein, ich gehe nicht noch einmal studieren, und nein, ich werde auch nicht Professorin an der Technischen Hochschule“, räumt Marion Haas im RHEINPFALZ-Gespräch lachend mit in der Bevölkerung kursierenden Begründungen für ihren Abschied aus dem Rockenhausener Rathaus auf. Selbstredend fällt der ihr schwer nach so langer Zeit – was gleich zu einer weiteren mit ihrer beruflichen Veränderung zusammenhängenden Anekdote führt: Eine Freundin ihrer 14-jährigen Tochter habe auf die Neuigkeit hin gesagt: „Was, deine Mama wechselt die Arbeit? Aber sie ist doch schon so alt?!“
Ist sie mit 47 Jahren natürlich nicht, und Haas nimmt solche Geschichten mit Humor. Sie weiß, dass auf dem Land der Abschied einer Büroleiterin, die ja als eine Art interne Verwaltungschefin nach außen eher weniger in Erscheinung tritt, eben doch für mehr Gesprächsstoff sorgt als in einer Großstadt. Um also die Katze aus dem Sack zu lassen: Haas übernimmt an der Binger TH den Bereich Finanzen und Controlling. „Die Finanzierung einer Hochschule ist nicht einfach und oft auch Verhandlungssache. Zu versuchen, das Beste für Forschung und Entwicklung – gerade mit Blick auf die vielen jungen Studierenden – herauszuholen, das reizt mich schon.“ Dafür nimmt sie auch die rund 45-minütige Fahrt von Rockenhausen in Kauf, zumal ihr pro Woche ein Tag Homeoffice zugesagt ist.
Rockenhausen statt Studium
Marion Haas macht aber auch keinen Hehl daraus, dass die von ihr gesuchte „neue Herausforderung“ ein großer Schritt für sie ist. Schließlich hat sie mehr als die Hälfte ihres Lebens in dem markanten Sandstein-Gebäude in der Bezirksamtsstraße gearbeitet. Nachdem sie 1992 ihre Ausbildung bei der Kreisverwaltung in Kirchheimbolanden abgeschlossen und im Jahr darauf ihre Fachhochschulreife erlangt hatte, wollte sie ein Studium beginnen. „Dann habe ich die Stellenanzeige von der VG-Verwaltung Rockenhausen gesehen und irgendwie hat sie mich angesprochen“, erinnert sich Haas.
Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat. Zunächst in der Zentralabteilung unter ihrem Vorgänger Gerd Fuhrmann, nach ihrem dann doch noch absolvierten Studium zum gehobenen Dienst ab 2006 als Leiterin der Finanzabteilung, seit sieben Jahren als Büroleitung hat sie sich im Kreis ihrer Kollegen stets sehr wohl gefühlt. „Einige sind gute Freunde von mir, wir sind ja wie eine kleine Familie hier.“ Daran habe auch die Corona-Zeit nichts geändert – im Gegenteil: „Natürlich ist das schwierig, weil viele im Homeoffice sind. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass uns das noch mehr zusammengeschweißt hat – sowohl verwaltungsintern als auch auf politischer Ebene.“ Jeder versuche, das Beste für die VG herauszuholen – „es geht um die Sache, das ist ein gutes Miteinander“.
Das gelte gleichfalls für Bürgermeister Michael Cullmann, mit dem sie nicht nur wegen dessen fast parallelem Amtsantritt Anfang 2014 eine gute berufliche Zusammenarbeit verbindet, sondern auch für die neuen Mitarbeiter aus der ehemaligen VG Alsenz-Obermoschel: „Wenn Leute zu mir sagen, die Fusion sei doch erledigt, dann antworte ich: Noch lange nicht – es gibt noch viel zu tun. Aber ich findet, dass wir quer durch die Abteilungen schon zu einem richtig guten Team zusammengewachsen sind.“ Jedenfalls sei der Zusammenschluss der beiden Verbandsgemeinden „auf gar keinen Fall“ der Anlass für ihren Wechsel.
„Jetzt kannst du nicht gehen“
Nein – sie habe sich schon des Öfteren mit dem Gedanken getragen, „noch einmal eine neue Perspektive zu erleben, eine andere Herangehensweise an einen Betrieb kennenzulernen“. Immer habe es aber Gründe gegeben, warum ein Wechsel gerade schwierig war: „Mal war es ein neuer Bürgermeister, mal die Flutkatastrophe mit ihren Folgen, mal die Fusion – immer dachte ich, jetzt kannst du nicht gehen.“ Per Zufall habe sie dann im Sommer die Stellenanzeige der Binger Hochschule gesehen und sich „auf den letzten Drücker“ beworben. Das Bewerbungsgespräch mit dem Kanzler der TH habe ihr die Gewissheit gegeben, den richtigen Weg einzuschlagen.
Natürlich wird dennoch eine gehörige Portion Wehmut im Spiel sein, wenn sie am Tag vor Heiligabend endgültig ihren Schreibtisch räumt. „Das war ja nicht einfach ein Job für mich, sondern eine Herzensangelegenheit.“ Vermissen wird sie unter anderem etliche langjährigen Kollegen – zu denen sie „ganz sicher privat Kontakt halten wird“ –, aber auch den Kontakt zu den vielen Ortsbürgermeistern. „Obwohl oft wenig Zeit war, das Verhältnis zu ihnen war mir immer sehr wichtig“, betont Haas, die ja selbst als Mädchen auf dem Dorf groß geworden ist.
Ein gutes Gefühl hat sie, was ihren Nachfolger anbelangt: Hans Feld nimmt wohl ab 1. März ihren Platz ein. Der VG-Rat hat sich am Dienstag für den bisherigen Büroleiter der VG Lauterecken-Wolfstein (Kreis Kusel) ausgesprochen, formal muss der Versetzungsantrag noch genehmigt werden. Haas kennt den 56-Jährigen und ist überzeugt, „dass er sehr gut hierher passt“. Das macht für sie den Abschied aus „ihrer“ Verwaltung ein bisschen leichter.