Kirchheimbolanden
Ausstellungseröffnung: Die Geschichte der Kupfermühle in Bischheim
Im Rahmen der Ausstellungseröffnung bot das ausklingende Jubiläumsjahr nun einen weiteren Höhepunkt. Der aus Kirchheimbolanden stammende Historiker und Autor Dr. Klaus Kremb stellte sein gerade erschienenes Buch „Off der Mule unden an Byscheim“ zur Geschichte der Mühle vor.
Gespickt mit vielen kleinen Geschichten
Auf das Publikum wartete ein mit vielen „kleinen“ Nebengeschichten und Details gespickter Vortrag des Verfassers. Der pensionierte Studienrat und Schulleiter ist vielen Kirchheimbolandenern noch aus seiner Tätigkeit an den Gymnasien Weierhof und Winnweiler bekannt. Dem ehemaligen Geschichtslehrer und Dozenten, der auf insgesamt 50 eigene Bücher und Publikationen zurückblicken kann, fiel es sichtlich leicht, das Publikum für den Streifzug durch die Geschichte der Mühle seit ihrer ersten Erwähnung im Jahr 1417 zu erwärmen. Seither durchgängig dokumentiert, schilderte Kremb in Buch und Vortrag die baugeschichtliche und unternehmerische Entwicklung durch die Jahrhunderte. Die als Ehrengäste im Saal anwesende Besitzerfamilie, vertreten durch Seniorchef Karlheinz Bindewald und seine Söhne Jochen und Martin Bindewald, stellten nicht nur ihr umfangreiches Wissen zur Verfügung. Auch zur Ausstellung steuert die Familie zahlreiche, einmalige Exponate aus der Mühlengeschichte für die Vitrinen bei.
Nur zwei Mal abgebrannt
Klaus Kremb, der aus einer Bäckerfamilie stammt und sich selbst auch leicht nostalgisch mit „bin halt ein Bäckerbub“ beschreibt, führte in eigenen Worten „wie ein Rezept mit Mehl“ durch den Vortrag. Sein umfangreiches Gesamtwissen um allgemein- und stadtgeschichtliche Zusammenhänge floss immer wieder, teils exkursartig, in den Vortrag ein. Dass die Mühle beispielsweise das gesamte 17. Jahrhundert unbeschadet überstand, was sehr ungewöhnlich war. Einem als „Kriegsjahrhundert“ bekannten Zeitraum, in dem es auf deutschem Grund nur ein einziges kriegsfreies und entsprechend 99 Kriegsjahre gab. Oder über die langen Zeiträume, in denen Mühlen vollständig aus Holz bestanden und von daher extrem brandgefährdet waren. Die Bischheimer Kupfermühle in all der Zeit aber lediglich zwei Mal abbrannte.
Im 19. Jahrhundert, nach der Übernahme durch die Bindewald-Familie und im Zuge der Industrialisierung und Mechanisierung stand so auch hoher Besuch an: Industriepionier Carl Benz war persönlich in die Kleine Residenz gereist, um eine Reparaturmaßnahme an den Benzinmotoren der Mühle zu überwachen. Auch dies war eine der vielen unterhaltsamen Geschichten des Abends, die Erwähnung im Vortrag fanden.
Mit Werken von Lamp und von Borries
Den Abschluss bildete schließlich ein zeitlicher Bogen, den Kremb über die lange Mühlengeschichte schlug. Von den einfachen Anfängen am Leiselsbach bis in die Gegenwart mit einer hochmodernen Industrieanlage und als einer der großen nationalen Akteure der Branche. Dem Vortrag schloss sich dann noch eine Lesung mit Auszügen aus dem Buch an. Ebenfalls Teil der Ausstellung sind drei Werke der Maler Detlof Graf von Borries und Uli Lamp. Die beiden lokalen Künstler stellten ihre Gemälde kurz persönlich vor.
Rosemarie Hammerle aus Kirchheimbolanden, die an diesem Abend ins Museum kam, zeigte sich von der geschichtlichen Entwicklung der Mühle vor allem durch die Besitzerfamilie Bindewald beeindruckt: „Faszinierend, wie die Mühle sich durch die Zeiten immer weiter fortentwickelt und angepasst hat.“ Stadträtin Ursula Fischer hingegen schätzt die Herangehensweise des Autors: „Dr. Kremb ist wie ein Maulwurf – er gräbt einfach alles aus!“ lobt sie anerkennend und gleichzeitig schmunzelnd die Detailgenauigkeit, mit der die Geschichte dokumentiert ist.
Info
Ausstellung „Off der Mule unden an Byscheim“ vom 6. Oktober bis 13. November im Museum im Stadtpalais, Kirchheimbolanden
www.museum-kirchheimbolanden.de