Donnersbergkreis Aus dem Krieg in eine neue Schule: Ein Kraftakt für Ksenia und ihre Freunde

Deutschunterricht für Ukrainische Kinder in der Georg v. Neumeyer Schule.
Deutschunterricht für Ukrainische Kinder in der Georg v. Neumeyer Schule.

Außergewöhnlich motiviert – so erleben viele Lehrer die Kinder, die aus dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind und sich jetzt in einer fremden Schulen zurechtfinden müssen. Dabei sind gerade die russisch-stämmigen Mitschüler oft eine große Hilfe.

Die Aufnahme in den jeweiligen Klassen lief und läuft offensichtlich unproblematisch, wobei die Zahlen der zu betreuenden Kinder recht weit auseinandergehen. Am Gymnasium in Winnweiler kümmert man sich um eine Schülerin, in der Realschule plus in Rockenhausen um 22 ukrainische Schülerinnen und Schüler. Mit 17 Mädchen und Jungen gibt es auch in der Georg-von-Neumayer-Schule in Kirchheimbolanden eine große Gruppe. Dazu gehört auch Ksenia. Sie nimmt wie ihre ukrainischen Mitschüler zwischen zehn und dreizehn Jahren am Deutschunterricht teil. Einige Sätze der neuen Sprache sind bereits in ihrem Repertoire und klingen schon richtig gut: „Ich heiße Ksenia. Mein Hobby ist Volleyball.“

Ausführliche Aufnahmegespräche unerlässlich

Der logistische Aufwand für die Integration der „Neuen“ ist erheblich. Schulleiter Jörg Oeynhausen erläutert das schulische Vorgehen: „Wir führen zunächst ausführliche Aufnahmegespräche, auch um zu schauen, welche Klassenstufe in Frage kommt und unter welchen Bedingungen die Familie lebt. Manchmal hat das Kind auch noch digitalen Kontakt zu seiner ukrainischen Schule, der sich allerdings technisch nicht immer herstellen lässt.“

Die Verständigung bei allen Gesprächen funktioniere ausreichend, ergänzt Stefan Klemme, stellvertretender Schulleiter: „Ob wir auf Englisch zurückgreifen können, hängt stark von der genauen Herkunft der Familien ab. Kommen sie aus einer Stadt, bringen sie gute Kenntnisse mit. Auf dem Donbass beispielsweise wird allerdings fast nur russisch gesprochen. Aber wir haben – Gott sei Dank – ja noch die hilfreichen Übersetzer-Apps.“

Die Integration klappt bestens

Auch für Schulrucksäcke und das benötigte Schreib- und Lernmaterial wird gesorgt. Und dann gibt es reichlich Übungen in der deutschen Sprache: 16 Stunden in der Woche unterrichten Olga Vakalov und Kerstin Halbenz die ukrainische Gruppe als zusätzlich eingestellte pädagogische Fachkräfte. Die beiden Lehrerinnen sind von ihren neuen Schülern begeistert. „Sie sind fleißig, aufnahmefähig, hilfsbereit und außergewöhnlich motiviert“, berichtet Halbenz. „Es macht sehr viel Freude, mit ihnen zu arbeiten.“

Am Regelunterricht nehmen die Kinder in der verbleibenden Zeit ebenfalls teil. „Hier mussten und müssen wir uns um die Integration überhaupt nicht kümmern“, erzählt Klemme. „Die Ukrainer wurden von unseren Schülern überaus freundlich, zugewandt und neugierig aufgenommen. Das läuft völlig unproblematisch. Es gibt bei uns auch eine Reihe russisch sprechender Jugendlicher, die schon länger in Deutschland leben und die bei der Verständigung sehr hilfreich sind.“

Schule wünscht sich mehr Unterstützung

Auch wenn es im Unterricht fröhlich zugeht, den Kindern merke man die Belastung durch die traumatisierenden Erlebnisse und den Verlust ihrer Heimat an, berichten beide Schulleiter. Der Sozialpsychologische Dienst der Kreisverwaltung habe sich deswegen vor kurzem auf Anfrage gekümmert. Hier wünsche sich die Schule mehr Initiative von den zuständigen Stellen.

In den anderen angefragten Schulen – IGS Rockenhausen, Realschulen plus in Göllheim und Rockenhausen, Nordpfalzgymnasium Kibo, Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler, Gymnasium Weierhof – sind Einsatz für und die Bemühungen um die Flüchtlingskinder vergleichbar und ebenfalls ausgesprochen intensiv. Alle werden mit qualifiziertem Deutschunterricht versorgt, mit Materialien ausgestattet und erhalten besondere Aufmerksamkeit.

Info

Aktuell hat die Ausländerbehörde in Kirchheimbolanden 641 ukrainische Flüchtlinge registriert; davon sind 278 Kinder. Wie viele davon in welchen Einrichtungen – Kitas, Schulen – untergekommen sind, lässt sich noch nicht feststellen. Nur für die weiterführenden Schulen gibt es genauere Angaben: Anfang der Woche waren es dort insgesamt 74 ukrainische Jugendliche.

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