Donnersbergkreis „Asphalt-Paganini“ mit Protestbotschaften
DIELKIRCHEN. Einmal im Monat lädt Kenny Legendre jeweils dienstags gute Künstler in die „Majik Lounge“ ein. Dieses Mal folgte das „Maximum Terzett“ dem Ruf. Viele eigene Lieder haben sie im Gepäck, überwiegend komponiert von Klaus dem Geiger (Klaus von Wrochem), einige aber auch von seinem Bandkollegen Hans (Festl) Wild. Klaus von Wrochem komponiert eigentlich nur Protestlieder. Bis jetzt. Seit der Geburt seiner Enkelin schlägt der Raue auch zarte Töne an.
„Sie ist so schön“, beschreibt Klaus der Geiger ganz zärtlich. Damit gemeint war seine kleine zweijährige Enkelin. Für sie hat er ein Liebeslied komponiert. „Wer mich kennt, weiß, dass ich noch nie etwas anderes komponiert habe als Protestlieder“, erzählt er weiter, aber für „Die kleene Helene“ macht er eine Ausnahme. Der Kämpfer für die Umwelt erklärt gerne die Hintergründe zu seinen kritischen Liedern. So erzählt er im Lied „Der Bagger von Rheinbraun“ über die fast vollständige Rodung des Hambacher Forstes. Mit einer beklemmenden und gleichzeitig traurigen Melodie sorgt er für Stille im Raum. In einem anderen Lied berichtet er aus seiner Sicht von „Platania“, woran er selbst 1984 in Köln aktiv teilnahm. Viele hatten bei winterlichen Temperaturen (-14 Grad) auf einer Grünfläche am Kaiser-Wilhelm-Ring zwei Monate lang „gehaust“. 17 Demonstranten wurden trotz Unterschriftensammlungen und Petitionen an den Kölner Stadtrat von 1200 Polizisten mit Gewalt vertrieben. Die Platanen mussten weichen und machten Platz für eine Tiefgarage. „Die Krone der Schöpfung“, so nennt er das Lied über die Schattenseiten der Menschheit. Hans Wild (Spitzname „Festl“, weil er immer so fest in die Gitarrensaiten schrubbt) muntert mit seinen biografischen Kompositionen die Stimmung ein wenig auf. Mit „Der Kobold“ erklärt er seinen frechen und oft zu ehrlichen Charakter. Aber auch das Thema Frauen scheint ihn sehr zu beschäftigen. So ist er nicht nur der Meinung, dass Frauen multitaskingfähig seien und so verdientermaßen die Chefsessel eroberten, er mahnt aber gleichzeitig, Männer doch Männer sein zu lassen und sie nicht zu „weichgelutschten Liliputanern“ umzuerziehen. Man sollte aber nun nicht den Eindruck gewinnen, dass Klaus der Geiger keinen Spaß verstehe. Mit seinem „Stress Vampir Boogie“ nimmt er auf humoristische Weise das Mühlenrad der „Bürohengste“ aufs Korn. Da er auch „Asphalt-Paganini“ genannt wird, versuchte er, mit einer Improvisation von „Caprice 24“ dem Namenspaten Ehre zu machen. „Ich maße mir nicht an, so gut zu spielen wie Paganini. Das werde ich niemals hinkriegen. Daher müssen ich und meine Kollegen dieses Stück improvisieren“, versucht er, sich zu erklären. Nun, Paganini mag er nicht in letzter Perfektion auf seiner Geige spielen, aber seine Improvisation ist trotzdem grandios und fantastisch gespielt. Der Dritte im Bunde, Bassist Christian Presch, erklärt zu Anfang und gelegentlich zwischendurch so manche biografischen Kuriositäten der Band. Presch stammt aus Bielefeld, Wild aus Blaubeuren und Klaus der Geiger aus Köln. Alle drei haben sich in einem „Straßenmusik-Workshop“ kennengelernt. Wie lange sie bereits gemeinsam Musik machen, wissen sie nicht mehr, auf jeden Fall sind es ein paar Jährchen. Der Name kam zustande wegen einer Band, die „Medium Terzett“ heißt. „Da wir so viel musikalisches Talent besitzen und voll geballter männlicher Erotik stecken, war es nur logisch, uns ,Maximum Terzett’ zu nennen!“, stellt er die durchaus plausiblen Erklärungen zur gemeinsamen Namensfindung dar. Fazit des Abends: Viel Geigenmusik, viel Protest, doch mit unglaublich heiterer Stimmung verlässt das Publikum dieses Konzert mit Nachwirkung.