Donnersbergkreis Appell an die Moral fruchtet

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Winnweiler. Auf Wiedersehen, Tabellenkeller! Der ASV Winnweiler rappelt sich im neuen Jahr auf. Er stößt vor ins sichere Mittelfeld: Eine aggressive zweite Hälfte und Marco Petruschs „goldener“ Treffer (50.) bescherten dem Verbandsligisten ein 1:0 (0:0) gegen den technisch starken SC Idar-Oberstein (RHEINPFALZ AM SONNTAG berichtete). Dessen brasilianische Kreativabteilung schnürte den ASV 45 Minuten lang ein – die Pause nutzte ASV-Trainer Jürgen Giehl zum Moral-Appell.

In weniger als drei Sekunden war Marco Petrusch verschwunden. Er hatte sich ja nicht angeschickt, zu fliehen, verharrte stoisch am Punkt. Einziges Lebenszeichen waren zwei Hände, die aus der schwarzen Masse ragten. Der Rest war weg. Er ließ sich nur erahnen, denn Petrusch versank zwischen neun anderen, die alle mal zupacken wollten. Aus dem Nichts war er aufgetaucht, stand plötzlich da. Verlassen, vergessen, so einsam, dass es ihn selbst irritierte. „Ich war überrascht, dass kein Innenverteidiger bei mir war“, wunderte sich Petrusch. Er schuf ihn, den Augenblick des Tages. Der ASV hatte flink gekontert: Christian Vollmers Sahnepass auf Petrusch – und der verlud Andreas Forster (50.). Ein Schlag, der den SC Idar-Oberstein derart brutal traf, dass er einknickte. Es war Winnweilers erste Chance, der zahme ASV war bis dahin kaum über die Mittellinie gedrungen. Trainer Jürgen Giehl quittierte den zaghaften Start in der Kabine mit harscher Kritik. „Es wurde auch mal lauter“, räumte er ein. „Wir können verlieren, dürfen uns aber nicht so präsentieren.“ Petrusch bilanzierte ähnlich: „Wir waren zu passiv, sind nicht angegangen. Der Trainer hat uns nur gefragt, ob wir zufrieden damit sind.“ Natürlich nicht. Der ASV legte das Pressing ein, er malträtierte den SCI – wie der es davor mit den Winnweilerern tat. Petrusch traf zum 1:0, eine Viertelstunde später stand er allein vor Forster, schoss zu lahm (66.). Eine „Hundertprozentige“, wusste der Torschütze. „Da muss ich abgeklärter sein.“. Tim Giehl zwang Forster zum Abklatschen (65.), Waldemar Schneider lauerte, brachte die Kugel nicht unter Kontrolle. Das zweite Tor war nahe. Es blieb bei einem. Der Dreier trug das Gesicht des abgezockten ASV-Riegels: Alleine Torhüter Robin Assel glänzte dreimal auf der Linie (70., 73., 89.), quetschte, als der SC den Ball im Netz sah, immer eine Hand oder den Fuß dazwischen. Dann die robusten Abräumer Jakob Siebecker und Lukasz Dreger. Clever das Stellungsspiel, majestätisch ihre Lufthoheit. Brachial putzten sie hinten aus. Drecksarbeit. Giehl, dessen laufstarke Spitze Fabian Schmitt krank fehlte, gefiel das. „Die gesamte Defensive hat sehr gut weggeräumt.“ Siebecker atmete durch: „Da kam viel Druck von außen. Wir haben auch glücklich verteidigt.“ Am Anfang habe das Giftige gefehlt. Die bissige Attitüde, für die der ASV zuhause stehe. „In der zweiten Halbzeit haben wir Idar-Oberstein durch schnelles Umschalten geknackt“, wusste Siebecker. Der SC Idar-Oberstein war wild mit seiner Brasilien-Connection losgerast: Die drei Brasilianer Lucas Alves da Silva, Thiago Reis Viana und Xavier Do Nascimento dribbelten den ASV schwindelig. Kraftvoll traten sie an, zehrten von ihrem Lauf-Tempo. Das war feinfüßig. Sie drückten den ASV in eine Rolle, die ihm gar nicht stand. Thiemo Stavridis (23.), Do Nascimento (34.) und Axel Neumann (39.) zielten schlecht. Glück für den ASV. „Wir sind nicht vorne drauf“, bemängelte Petrusch. Der Trainer sprach in der Kabine – und seine Elf erstickte den Zuckerhut-Fußball. Giehl: „Wir haben unsere Aggressivität ausgespielt.“ Der, auf Basis der starken zweiten Hälfte, emsig und verdient erzwungene Sieg hält den Aufsteiger fern vom Abstiegsroulette. So spielten sie ASV Winnweiler: Assel - Scharfenberger, Siebecker, Geißler - Dreger, Tim Giehl (88. Hühn) - Matinski (70. Ahrens), Schneider, Vollmer, Petrusch - Steigerwaldt (62. Steer).

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