Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Anruf in der Antarktis: Pfälzer Schüler sprechen mit Forschern der Polarstation

Live-Schalte zur Polarstation: Die Schüler der Georg-von-Neumayer-Realschule wollten von den Forschern auch wissen: „Wackelt die
Live-Schalte zur Polarstation: Die Schüler der Georg-von-Neumayer-Realschule wollten von den Forschern auch wissen: »Wackelt die Station, weil sie auf Stelzen steht?«

Bei einer Video-Live-Schalte zur Polarstation „Neumayer III“ stellen Schüler den Forschern Fragen. Sie erfahren, ob Tiere auf der Station leben – und das Essen reicht.

Er war schon etwas Besonderes, dieser Georg Balthasar von Neumayer. Er wurde am 21. Juni 1826 in Kirchheimbolanden geboren und ist als bedeutender Geophysiker und Polarforscher der berühmteste Sohn der Stadt. Die Realschule plus feiert mit einem Jahresprogramm den 200. Geburtstag ihres Namensgebers. Zu den Höhepunkten dieses Programms gehörte am vergangenen Donnerstag im Forum der Schule etwas, was Privatpersonen so nie möglich wäre: Eine Video-Live-Schalte für alle Schüler zur deutschen Polarforschungsstation, der „Neumayer III“ in der Antarktis.

Naturspektakel: Polarlichter über der Neumayer-Station III.
Naturspektakel: Polarlichter über der Neumayer-Station III.

Der stellvertretende Schulleiter Stefan Klemme organisierte das Ganze von einer Bühne aus und stellte eine Verbindung mit Ingo Gerstmann, dem Base Manager der Station, her. Das klappte ausgezeichnet: Gerstmann erschien auf einer großen Leinwand und begrüßte die Schüler, die ihm sofort zuwinkten. Er stellte sich und seine Aufgaben kurz vor: „Ich bin der Leiter des Teams und Chirurg, also auch für die eventuell nötige medizinische Versorgung zuständig“, erklärte er. „Tatsächlich sind wir so ausgestattet, dass wir auch operieren könnten. Das mit der 112 klappt hier nämlich nicht so gut.“ Dann nahm er filmend die Jugendlichen mit auf eine Führung durch die Station. Die ist immerhin 68 Meter lang, 24 Meter breit und knapp 30 Meter hoch. Gerstmann ermöglichte Einblicke in alle Räumlichkeiten – vom Privatzimmer über die Küche bis zur Außenplattform.

Lebensmittel bis 2027 auf der Station

Den Abschluss der „Pfälzer Polarexpedition“ bildete ein Treffen mit der aktuell achtköpfigen Crew, die sich auf einem Sofa versammelt hatte und bereit war, mit den Schülern zu sprechen. Sie stellten Fragen wie: „Die Station steht auf Stelzen. Wackelt die deswegen ab und zu?“ oder „Gibt es bei Ihnen Tiere?“ oder „Haben Sie genug zu essen?“ Die Forscher gaben Auskunft; der Koch berichtete unter anderem von 45 Tonnen gelagerten Lebensmitteln, die bis 2027 reichen würden. Phasenweise seien bis zu 50 Menschen in der Station.

Am Ende wurde das Team der Polarstation mit einem von allen Schülern vorgetragenen Neumayer-Lied, das eigens dafür komponiert worden war, verabschiedet. Die Jugendlichen waren beeindruckt, sie äußerten sich einhellig: „Das war richtig spannend und total interessant!“

Zur Sache: Die Polarstation Neumayer III

Die deutsche Polarforschungsstation „Neumayer III“ des Alfred-Wegener-Instituts aus Bremerhaven steht seit 2009 in der Antarktis. Sie befindet sich an der Atka-Bucht auf dem etwa 200 Meter dicken Ekström-Schelfeis und treibt 157 Meter pro Jahr in Richtung offenes Meer. Sie ist 68 Meter lang, 24 Meter breit und knapp 30 Meter hoch. Sie bietet auf 4864 Quadratmetern Nutzfläche – davon 2118 klimatisiert – Platz für bis zu 60 Personen. Der Außenteil der Station besteht aus einer sechs Meter über der Bodenoberfläche befindlichen Plattform mit zwei Etagen, die auf 16 höhenverstellbaren Stelzen steht. Die ruhen mittels Hydraulik jeweils einzeln verstellbar auf Stahlplatten, die das Gewicht verteilen und ein Einsinken ins Eis verhindern.
Geforscht wird in den Bereichen Meteorologie, Geophysik, Luftchemie, Infraschall und marine Akustik. Pinguin-Kolonien und die Auswirkungen des Klimawandels stehen ebenfalls im Fokus.

Zur Person: Georg von Neumayer

Georg von Neumayer wurde am 21. Juni 1826 als fünftes Kind von Georg und Theresia Neumayer geboren. 1832 zog die Familie nach Frankenthal. Nach dem Abitur in Speyer studierte er bis 1851 Geophysik und Hydrographie in München. Von Neumayer reiste nach Südafrika und Australien, wo er in Melbourne die Gründung eines geophysikalischen Observatoriums initiierte, dessen Direktor er wurde. Hydrograph bei der Kaiserlichen Admiralität in Berlin, Gründer und Direktor der Deutschen Seewarte in Hamburg gehörten zu den weiteren beruflichen Stationen. Besonders widmete sich Georg von Neumayer der Erforschung von Meeresströmungen und der Südpolarregion; sein Interesse galt außerdem der Meteorologie und der Astronomie. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zu denen im Jahr 1900 unter anderen der persönliche Adelstitel „Ritter von Neumayer“ gehörte. 1903 zog er sich nach Neustadt an der Weinstraße zurück. Hier ist er am 24. Mai 1909 im Alter von 82 Jahren gestorben. Er blieb ledig und hatte keine Kinder.

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