Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Anonyme Giddarischde: Balsam für die Pfälzer Seele

Kam gut an: die Mundartband Die Anonyme Giddarischde im Schlosspark Rockenhausen.
Kam gut an: die Mundartband Die Anonyme Giddarischde im Schlosspark Rockenhausen.

Pfälzischer als mit der Frankenthaler Band Anonyme Giddarischde geht es nicht: 700 Gäste saugten im Schlosspark den Pfälzer Balsam dieser Band in sich hinein.

Fast dreieinhalb Stunden nonstop spielte die sechsköpfige Band, nur unterbrochen von Moderator Michael Merz, alias Edsel, dem Frontmann der Gruppe: „In der Vorderpalz werre mir immer wieder gfrogt, warum mir dann uff Pälzisch singe. Wie soll mer uf so ä saublödi Frog nur ä gscheide Antwort gewwe? Hier in der Westpalz käm niemand uf so ä dummi Frog. Hier isches no normal, dass mer pälzisch babbeln dut. Deshalb kumme mir immer widder gern hierher in de Weschde.“

Von solchen kleinen Erkenntnissen, Anekdoten und Weisheiten waren die Überleitungen zu den Songs nur so gespickt. Edsel verkörperte die Pfälzer Seele. Die Anwesenden hingen an seinen Lippen und genossen jede Wort. Er lebte es selbst, wie er die Pfälzer charakterisierte: Pfälzer sind Menschen, die das „Herz uf der Zung trage un die schu gsagt hän, wasse denke, bevor se iwwerhaubt wisse, wasse sage wollde.“ Lieder wie „Wududerbischtwudubischt“ und „Sag’s uff Pälzisch“ folgten.

„Pälzer därfen des“

Es ging auch um das Pfälzer Lebensgefühl sowie um Essen und Trinken.“ Was mon gärn hod dem gibbt mon bei uns gärn annere Nome. Us em Haus wird so es Häusche, aus der Maus wird“s Mäusche, die Katz wird’s Kätzche, der Schatz wird’s Schätzle, und sogar die Worscht wird dort zum Wörschtel. Doch aus meinem Dorscht wird nie ein Dörschtel“. Lieder wie „Die totale Nüchternheit“, „Schorle“, „Pfalzlied“, „Lewwerworscht“ oder „Pälzer därfen des“ gehörten in diese Kategorie.

Bei der Anmoderation des Lieds „Bildung ist Ländersache“ unterstrich Edsel mit Belegen, warum es sinnvoll ist, die Pfälzer Mundart zu pflegen. So berichtete er, dass die Pisa-Studie herausgefunden hat, dass Schüler, die Mundart sprechen, einen 30 Prozent größeren Wortschatz verwenden als die, die nur „Oxford-Deutsch“ können. Auch könnten sie besser Verbindungen herstellen und sind besser vernetzt.

Teil des Volkes

„Mir moche Volksmusik. Deshalb müsse mir Teil des Volkes sein, mir müsse mit de Leit redde un ihne zuhöre. Un aus dem, was mir do höre, mache mir unsere Lieder.“ Und weil die Band ja nur aus Männer zusammengesetzt ist, handelte eine andere Gruppe von Liedern von Männern, ihren Eigenheiten und ihrem Verhältnis zum anderen Geschlecht: „Baumarkt“, „Geschickte Männer“, „Bequem Dahäm“. Auch darin kam viel pfälzischer Witz und Lebensweisheit zum Ausdruck.

„Edsel würde wohl sagen, ich komme aus den Nahen Osten, aus Baden“, meinte Christiane Zilfinger aus Bad Dürkheim zu diesem Konzert. „Ich lebe jetzt seit über 30 Jahren in der Pfalz, genieße das Leben hier und bereue es nicht, hierhergekommen zu sein. Ich denke, Edsel und seine Band drücken dieses Pfälzer Lebensgefühl aus, das ich so mag, fassen es in Worte und lassen einen daran teilhaben. Einfach super!“ Ähnlich begeistert äußerte sich auch Elvira Schmitz aus Kaiserslautern: „Ich könnte diese Band jeden Tag hören. Die Ansagen und Lieder kommen aus dem Herzen und öffnen mein Pfälzer Herz. Das ist wunderbar! Davon hätte ich gerne mehr“.

Energetisch aufgeladen, zutiefst bestätigt, dass es gut ist, Pfälzer zu sein, und vermutlich mit dem Vorsatz, das Pfälzisch wieder mehr zu pflegen, ging man am Ende „häm“.

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