Donnersbergkreis Analyse der „Zeugen Seehofas“

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Kirchheimbolanden. „Gutes Material“, das fand der „Braune“ am Sonntagabend in der Stadthalle in der Orangerie in Kirchheimbolanden vor. Dave Davis, Comedian und Garant für gute Laune, bespaßte sein Material (Publikum) gekonnt, hatte schon nach wenigen Sätzen die Zuschauer auf seiner Seite, sorgte mit wohldosiertem Witz, mancher gut präsentierten Zote, viel Hintersinn und pointierten Andeutungen für zwei Stunden feine Comedy mit starken kabarettistischen Anflügen.

Davis, 1973 in Köln geboren, nutzt dabei seine „Schokoladenseite“, wie er das nennt, vortrefflich aus. Als Deutscher mit ugandischen Wurzeln ist es für ihn ein Leichtes, über Rassismus, Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit oder sogar Nationalsozialismus Witze zu reißen. Als „schwarzer Mann“ wirkt das von sich aus glaubhaft, weshalb es natürlich nicht selbstverständlich ist, dass Davis beim Publikum punkten kann. Doch schon mit dem Sprung in den Saal, mit dem Händeschütteln, dem falschen Aussprechen von Kirchheimbolanden, bricht Davis das Eis. Schnell kommt er zur Sache, immerhin will er eine Botschaft vermitteln, das sagt er selbst, und das wird im Verlauf des Abends deutlich. Es passiert über eine sehr genaue Analyse der deutschen Seele und Befindlichkeit. Davis macht seinem Material schnell klar, dass es nicht minderwertig ist, auch wenn es ständig dieses Gefühl vermittelt bekommt. Er spricht über eine Bekannte mit Gewichtsproblemen, deren Weg in eine Beziehung, darüber wie er sie aufbaut, auch wenn sie glaubt, in einer Super-Slim-Fit-Leggins gut aussehen zu müssen. Genau hat Davis erkannt, woher das Gefühl der Minderwertigkeit kommt, wie es in Angst vor Fremden, vor anderen Religionen und eigenen Verlusten umgemünzt wird. Schnell liefert er Rezepte, dieses zu ändern, macht deutlich, dass es allen im Saal ja eigentlich prächtig geht in Deutschland, einem Staat mit effektivem sozialem Netz. Die Botschaft kommt an, denn sie ist überaus elegant verpackt, keinen Moment verlässt der Comedian die heitere Schiene, seine Pointen sitzen, jeder spürt, der Mann dort oben weiß ganz genau, wie er auf sein Publikum zugehen muss. Verdrehte Wortwahl, Geschichten über deutsche und andere Freunde, über Nachbarn, deren Kinder und die Erlebnisse mit all diesen Figuren, all dies bietet dem Zuschauer ein Bild Deutschlands, dass ihm bestens bekannt ist. Davis sorgt zudem dafür, dass Zusammenhänge deutlich werden. Bestes Beispiel: Seine Analyse der größten deutschen Boulevard-Zeitung und deren Umgang mit Ex-Präsident Wulff. Oder seine wenigen Sätze zu den „Zeugen Seehofas“, knappe Hinweis zu Angela Merkel, das alles sind brillante Erkenntnisse, die Davis ganz locker in seine Comedy verpackt. Ganz großes Kino, zu jeder Sekunde macht es Freude, das Programm „Afrodisiaka“ zu erleben. Klar, Davis spricht auch über Sex, SM-Spielchen, aber auf eine Weise, die charmant rüber kommt. Gezielt sucht er sich an einer Stelle eine ganz junge Zuhörerin, spielt die Karte Jugendschutz geschickt aus, bleibt dennoch oberhalb der Gürtellinie. Grandios, so wie der ganze Abend.

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