Donnersbergkreis Ab in die Lieblingsauswärtshalle

Winnweiler. Er ist der Außenseiter, die Einzel-Bilanzen lügen nicht. Und dennoch: Was zunächst wie ein erdrückender Nachteil aussieht, kann für den TTC Winnweiler eine ganz eigene Dynamik entwickeln. Morgen (19 Uhr, in Alsenborn) kämpft der „Vize“ der Bezirksliga Westpfalz Nord um den Sprung in die 2. Pfalzliga West – gegen sein bärenstarkes Pendant aus der Staffel Süd, die SG Waldfischbach. Vor dem Saisonfinale wurde die SG als sicherer Meister gehandelt. Ehe sie am letzten Spieltag patzte – zum Pech für den TTC.
Er holt tief Luft, atmet ruhig ein. Eine kurze Denkpause, in der Gunter Franck für zwei, drei Sekunden überlegt, wie er es richtig verpackt. Dann sagt er, etwas stockend und zweifelnd: „Dadurch, dass sie sich für die Rückrunde mit einem starken Mann verstärkt haben, sind wir Außenseiter.“ Mit „sie“, damit meint der Kapitän des TTC Winnweiler das Kollektiv der SG Waldfischbach, den Zweiten der Bezirksliga Westpfalz Süd. Zwei Wochen nach dem offiziellen Rundenende muss der TTC, hinter der TSG Kaiserslautern III „Vize“ im Norden, morgen in Alsenborn gegen ihn ran. Relegation, nur ein Spiel. Wer’s hier versemmelt, hat die tolle Arbeit einer ganzen Saison verbockt. Eine einfache Rechnung. „Wir sind motiviert. Aber es muss nicht mit Gewalt klappen“, sagt Franck. „Ich denke, wir haben eine gute Bezirksliga-Mannschaft, allerdings eine zu schwache für die Pfalzliga“, macht TTC-Vier Günter Haag deutlich, wie groß die Kluft zwischen zwei Ligen ist. Auf die Tugend, die er verkörpert, muss sich sein Sextett morgen berufen: den Kampf. Dass sich Winnweiler überhaupt mit der SG duellieren muss – unglücklich. Sie rüstete im Winter mit Dominik Demmere auf, überrannte die Liga dann im Eiltempo, 9:3, 9:1, 9:2. Neun von neun Begegnungen gewann sie. Der Schlussakt gegen Primus TTA KASch Vinningen sollte die Krönung werden. Doch die SG kassierte ein 7:9. Der Titeltraum platzte. Überraschend. Ergebnis: Vor Franck und Co. liegt jetzt ein richtiger Brocken. Es gab schon leichtere Gegner aus dem Süden. Mario Lelle: 34:6. Markus Letzelter: 29:9. Dominik Demmere: 16:0. Peter Baumann: 29:4. Einzel-Bilanzen der ersten vier Waldfischbacher, die jedem Gegner Angstschweiß auf die Stirn treiben können. Natürlich sind beide Bezirksligen nicht zu vergleichen. Aber die Werte geben eine Orientierung, eine Richtung an. „Unsere Mannschaft ist ja auch nicht schlecht. Wenn es jedoch zum Schlussdoppel kommen sollte, dann könnte es ein Problem geben“, meint Franck mit Blick auf drei in etwa gleich starke TTC-Doppel – während die SG ein furios aufspielendes Paar eins an die Platten schickt. Haag betont: „Unsere Hoffnung ist, dass auch Vinningen als Außenseiter gewonnen hat. Drei von vier Doppeln müssten wir holen.“ Gestützt wird die Underdog-Rolle zusätzlich von einem Fakt: Für den TTC ging es seit Wochen um nichts mehr. Platz zwei war zementiert, der Trainingszug flachte ab. „Die Platzierung war ja klar“, hadert Franck heute. Von jetzt auf gleich muss sein Team wieder in den Tunnel. Die SG hingegen hielt bis zum letzten Ball die Spannung, nicht weniger als die Meisterschaft stand auf der Kippe. Am Ende stellt sich trotz allen Abwägens natürlich eine Frage: Inwiefern ist das ganze Außenseiter-Favoriten-Gehabe ernst zu nehmen? Klar, es sind Tendenzen. Aber nicht mehr! Seit jeher haben Herzschlag-Finals und Relegationen eigene Gesetze, fernab vom normalen Liga-Geplänkel. Nerven, Glück, Tagesform – im entscheidenden Kampf kommt es auf mehr an, als das bloße Können, das im Training abgerufen wird. Alle Bilanzen, alle bisherigen Resultate sind jetzt Schall und Rauch. „Und in Alsenborn ist unsere Lieblings-Auswärtshalle“, hofft Haag auf ein gutes Omen: Im Frühjahr sackte der TTC hier den Bezirkspokal ein. Der nächste Coup winkt – auch, wenn Winnweiler aus dem Windschatten des Favoriten stürmen muss.