Donnersbergkreis Überragender Hanauer spät bezwungen

Idar-Oberstein. Jürgen Giehl, der Trainer des ASV Winnweiler, blieb nach der 1:3-Niederlage (RHEINPFALZ am SONNTAG berichtete) seiner Mannschaft beim SC Idar-Oberstein der Pressekonferenz im Hugo-Heinz-Club im Stadion Haag fern, mit dem Argument, dass er solche Konferenzen in der Fußball-Verbandsliga als unnötig erachte. Was hätte er auch sagen sollen? Vielleicht, dass sein ASV es dem SC extrem schwer gemacht hatte, dass der ASV zwar verdient, aber doch auch unglücklich verloren hatte oder dass sein 51 Jahre alter Torhüter Gerd Hanauer eine geradezu sensationelle Leistung gezeigt hatte? Giehls Statement war nicht nötig, denn die 255 Zuschauer im Haag hatten das alles genauso gesehen.
Viel hätte nicht gefehlt, und der SC Idar-Oberstein wäre gegen eine fußballerisch limitierte Mannschaft leer ausgegangen oder hätte sich zumindest mit nur einem Punkt begnügen müssen. Beides wäre sicherlich nicht gerecht gewesen, angesichts von 22 Eckbällen und einer Ballbesitzquote von gefühlten 87 Prozent. Und doch dauerte es bis zur 88. Minute, ehe Florian Galle die Kugel auf seinen starken linken Fuß fiel und er aus 18 Metern flach rechts unten zum 2:1 für den SC traf. Lucas erhöhte kurz darauf für den erlösten SC Idar-Oberstein auf 3:1. „Das war mal wieder ein typisches Heimspiel von uns. Unnötig spannend“, konstatierte Murat Yasar, der SC-Trainer. Seine Mannschaft hätte beinahe dafür bezahlt, dass sie die ersten 45 Minuten viel zu lasch angegangen war. Kaum ein Spieler agierte mit der nötigen Spannung, fast alle wirkten unkonzentriert und schienen in dem Glauben gefangen zu sein, dass es gegen diesen ASV Winnweiler, bei dem ein 51-Jähriger, Gerd Hanauer, das Tor hütete, schon irgendwie gehen würde. Doch ehe sich der SC versah, lag er auch schon hinten. Es war ein klasse Tor der Winnweilerer, eingeleitet von Waldemar Schneider, dessen Pass Marco Petrusch mit der Brust mitnahm und die Kugel dann versenkte (2.). Allerdings wurden Schütze und Passgeber von den Idarern bestenfalls eskortiert. Der Treffer schien den SC zumindest ein bisschen aufzuwecken. Im Gegenzug verpasste Galle mit einem Kopfball den Ausgleich (3.). Doch dann hatten die Gastgeber viel Glück, dass sie nicht 0:2 in Rückstand gerieten. Christian Vollmer zielte nur knapp über den Winkel (9.). Das sollte bis zur 65. Minute der letzte Schuss auf das SC-Tor bleiben. Unmittelbar nach der ASV-Chance flog Torwart Hanauer an einer Flanke von Dennis Kaucher vorbei, aber Lucas schoss über das leere Tor (10.). Und nun verflachte das Spiel. Der ASV Winnweiler verteidigte tief in der eigenen Hälfte, rund um seinen Strafraum, vielbeinig und engagiert und hatte dank des überragenden Kapitäns Christoph Scharfenberger auch die Lufthoheit. Der SC agierte viel zu langsam und ungenau. Winnweiler hatte die Gastgeber eingelullt. Erst kurz vor der Pause traten die Idarer wieder aufs Gaspedal, doch jetzt kamen die Minuten von Torwart-„Oldtimer“ Hanauer. Erst parierte er im Flug einen Thiago-Freistoß (41.), und dann entschärfte er Sekunden vor dem Pausenpfiff auch noch einen Elfmeter von Alex (45.+1). Galle war umgerissen worden. Nach dem Wechsel war der SC wacher, verstärkte den Druck und kam zu Chancen. Aber es dauerte doch bis zur 63. Minute, ehe der SC gegen die Winnweilerer Abwehrfestung traf. Innenverteidiger Paolo de Souza netzte nach einem der ansonsten weitgehend ungefährlichen Idarer Eckbälle ein. Insgesamt nahm die Idarer Angriffswucht aber weiter zu, vor allem, nachdem Yasar Justus Klein eingewechselt hatte. Der Youngster zwang den fast 32 Jahre älteren Winnweilerer Schlussmann auch zu seiner nächsten Klasseparade (82.). Und eine Minute später parierte Hanauer auch einen Kopfball von Lucas (83.). „Wir haben bis zum Schluss alles versucht“, stellte Yasar später klar und hatte recht. Der SC war zwar noch immer nicht richtig gut, aber er vermittelte den Willen, die destruktiv, aber leidenschaftlich verteidigenden Winnweilerer zu besiegen. Erst in der 88. Minute ebnete Galle dann noch den Weg zum Sieg, der angesichts der Heimniederlage von Tabellenführer ASV Fußgönheim noch einmal ordentlich an Bedeutung gewann. so spielten sie ASV Winnweiler: Hanauer - Geissler, Dreger, Scharfenberger, Orschiedt - Hertel - Vollmer, Giehl (81. Hühn), Schneider, Petrusch (69. Steer) - Schmitt (60. Schwab).