Donnersbergkreis Überlebenskünstler und Mäuseliebhaber
Ob in der Luft, zu Wasser oder auf der Erde: Der Donnersbergkreis mit seine Wäldern und Feldern beherbergt eine Vielzahl von Wildtieren. Einige begegnen uns immer mal wieder, andere meiden den Menschen und lassen sich kaum blicken. In unserer Serie Wildtiere im Donnersbergkreis möchten wir in unregelmäßigen Abständen einige unserer tierischen Mitbürger, ihre Lebensweise und -situation vorstellen. Heute geht es um den Rotfuchs.
In der strukturreichen Landschaft des Donnersbergkreises findet der Fuchs einen idealen Lebensraum. Entsprechend sind die Bestände derzeit – wahrscheinlich als Folge der Immunisierung gegen die Tollwut – relativ hoch, wenn auch schwankend, wie die jährlichen Wildnachweisungen der oberen Jagdbehörde zeigen. Für den Donnersbergkreis wurde im Jagdjahr 2016/17 eine Gesamtstrecke von 1404 Füchsen registriert; darin enthalten sind 78 als verkehrstot gemeldete Tiere. Amtliche Streckenlisten gelten als Indikator für die Bestandsdichten von Wildarten. Der Rotfuchs gilt als schlau und ist dank seiner Anpassungsfähigkeit eines der erfolgreichsten Raubtiere der Erde. In fast allen Lebensräumen findet er Nahrung. Dennoch bevorzugt der überwiegend nachtaktive Allesfresser deckungsreiche Landschaften und ist als Kulturfolger zunehmend auch im Bereich menschlicher Siedlungen anzutreffen. Ganz oben auf seiner Speisekarte stehen Mäuse, trotzdem hat er in der Jägerschaft einen schlechten Ruf: als Feind des Niederwildes. Kreisjagdmeister Klaus Weber zufolge setzt der Fuchs insbesondere Feldhasen, Wildkaninchen, Rebhühnern, Fasanen und Wildenten zu, verschont aber auch nicht jene, zum Teil geschützte Bodenbrüter, die nicht dem Jagdrecht unterliegen. Da der Fuchs in unserer Region keine natürlichen Feinde habe, ausgenommen vielleicht Luchse oder eventuell ein gelegentlich durchziehender Wolf, sei es Aufgabe der Jäger, die Fuchsbestände zum Schutz anderer Arten in Grenzen zu halten. In der Jagd auf den „Roten“ sieht Weber auch einen Beitrag zur Eindämmung von Krankheiten, die vom Fuchs auf Haustiere und Menschen übertragen werden können; dazu zählten insbesondere Tollwut, Fuchsbandwurm, Räude und neuerdings die Staupe. Ähnlich äußert sich der Vorsitzende der Kreisgruppe Donnersberg im Landesjagdverband, Torsten Windecker. Auch Ute Stauffer-Bescher vom Veterinäramt des Donnersbergkreises sieht im Fuchs einen Überträger des Fuchsbandwurms und der Tollwut. Allerdings gelte Deutschland seit 2008 als tollwutfrei; zur Kontrolle schickten Jäger seither für ein bundesweites Monitoring in Rheinland-Pfalz jährlich 400 erlegte, verunfallte oder tot aufgefundene „Indikatorfüchse“ ans Landesuntersuchungsamt nach Koblenz. Weil in jüngster Zeit vermehrt Hunde und Katzen aus Ländern, in denen die Tollwut noch nicht erloschen ist, in die Region verbracht würden, rät die Tierärztin trotzdem zur Impfung von Hunden und Freigänger-Katzen. Auch sollten diese Haustiere regelmäßig entwurmt werden. Jeder Vierte der aus dem Donnersbergkreis zur Untersuchung eingesandten Füchse sei mit dem Fuchsbandwurm infiziert gewesen. Bei Beachtung allgemeiner Hygienegrundsätze („Nicht anfassen und Hände waschen“) sieht Stauffer-Bescher keine Gefahr, wenn Füchse Wohngebiete aufsuchten. Diese sollten aber nicht angefüttert werden. Auch Forstamtsleiter Lothar Runge kennt das Problem mit dem Fuchsbandwurm, deutet aber auch an, dass in den vergangenen Wochen mehrfach „abgekommene“ Füchse im Bereich des Forstamts Donnersberg beobachtet worden seien. Eine Infektion mit Staupe werde für möglich gehalten, dies sei bislang aber noch nicht durch Untersuchungsergebnisse bestätigt worden. Runge erkennt andererseits an, dass Füchse im Ökosystem Wald als Mäusevertilger und Aasfresser die Rolle einer „Gesundheitspolizei“ hätten. Gefürchtet ist der Fuchs bei Geflügelhaltern. Trotz des Kinderliedes „Fuchs, du hast die Gans gestohlen …“ sind nach Ansicht des Bio-Landwirts Gerhard Krehbiel aus Wartenberg-Rohrbach weniger die Gänse als vielmehr die Hühner gefährdet. Dabei drohe der Räuber bei Freilandhaltung der Hühner eher selten tagsüber damit, ein Huhn auf der Wiese zu holen. Das halte sich in Grenzen, wenn die Zäune regelmäßig kontrolliert und Löcher umgehend geschlossen würden. Gelinge es dem Fuchs aber, bei Nacht in einen Stall einzudringen, richte er ein Blutbad an. So geschehen vor drei Jahren, als eines Morgens 40 Hühnern der Kopf abgebissen war. Das sei typisch für den Fuchs, weiß der Landwirt. Und: Bei überlebenden Hennen gehe durch den Schock in den folgenden Tagen die Legeleistung deutlich zurück. Dennoch empfindet Krehbiel keinen Hass. Der Fuchs sei schließlich schon immer da gewesen, auch er erfülle seine Aufgaben in einer funktionierenden Umwelt. Rüdiger Viessmann, Vorsitzender der Donnersberger Nabu-Gruppe, gesteht dem Fuchs ebenfalls eine Daseinsberechtigung zu. Mit der Regulierung anderer Arten leiste der Fuchs einen Beitrag zum Erhalt der Schöpfung. Für den Rückgang des Niederwildes und der bodenbrütenden Arten verweist Viessmann auf „wesentlichere“ Ursachen, schließlich seien Hase und Rebhuhn trotz des Fuchses jahrhundertelang nie in ihren Beständen bedroht gewesen. Dennoch toleriert Viessmann die Jagd auf den Fuchs als regulierenden Eingriff, weil natürliche Feinde fehlen. Unter einer Voraussetzung: Die erbeuteten Bälge, also Felle, müssen sinnvoll verwendet werden. Mit dieser Einschränkung befinde er sich im Einklang mit dem Tierschutzgesetz, wonach kein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund getötet werden dürfe.