Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Ärztenachwuchs: „Leute von hier für uns“

Über Spenden und Sponsorenmittel sollen in der Westpfalz 16 Medizin-Stipendien – zwei entfallen auf den Donnersbergkreis – an de
Über Spenden und Sponsorenmittel sollen in der Westpfalz 16 Medizin-Stipendien – zwei entfallen auf den Donnersbergkreis – an der ungarischen Universität Pecs vergeben werden. Sieben Landkreise und Städte, das Westpfalz-Klinikum und die Zukunftsregion Westpfalz wollen so dem Ärztemangel entgegenwirken.

In der Initiative, in Zusammenarbeit mit der ungarischen Universität Pecs mehr jungen Ärzten den Weg in die Westpfalz zu ebnen, können aus Donnersberger Sicht die nächsten Schritte gegangen werden: Der Kreistag hat den Landrat ermächtigt, gemeinsam mit seinen Westpfalz-Kollegen den dafür vorgesehenen Verein zu gründen.

In der Westpfalz haben sich die Landkreise Kaiserslautern, Bad Kreuznach, Donnersberg, Kusel und Pirmasens, die kreisfreien Städte Kaiserslautern, Pirmasens und Zweibrücken sowie das Westpfalz-Klinikum und die Zukunftsregion Westpfalz zusammengeschlossen, um für ärztlichen Nachwuchs in der Region zu sorgen. Über einen zu gründenden Verein sollen Stipendien vergeben werden für ein Medizinstudium in Pecs gegen eine Verpflichtung der jungen Mediziner, sich nach dem Studium mindestens drei Jahre in der Westpfalz niederzulassen. Das Projekt selbst und die Ermächtigung der Landrats zur Beteiligung an der Gründung des Vereins „Studieren in Europa – Ärzte für die Westpfalz“ fand am Mittwoch bei zwei Enthaltungen die Billigung des Kreistages.

Die Kooperation soll schnellstmöglich beginnen, um Stipendien schon für das nächste Wintersemester vergeben zu können, betonte Landrat Rainer Guth den bestehenden Zeitdruck für die Vereinsgründung. Geld für das erste Jahr sei beisammen. Insgesamt gehe es um 16 Stipendien – wovon zwei auf den Donnersbergkreis entfallen –, die über Spenden und Sponsorenmittel finanziert werden sollen. Pro Studienplatz und Jahr fallen dafür 15.000 Euro an Gebühren an. Erste Interessenten gebe es bereits, hatte der Kuseler Landrat Otto Rubly diese Woche bei der Behandlung des Themas im dortigen Kreistag mitgeteilt.

Jacob: „Auswahl der Knackpunkt“

Im Donnersberger Gremium stieß das Vorhaben auf breite Zustimmung, auch wenn von mehreren Seiten bemängelt wurde, dass die kommunale Seite hier eine Aufgabe übernehme, die eigentlich Sache der Kassenärztlichen Vereinigung und des Landes sein müsste. Das Land sehe indes seinen Part mit der Aufstockung auf 450 Studienplätze in Mainz und Trier als erfüllt an, um den Bedarf zu decken.

Da es aber darum geht, Mediziner in die Westpfalz und auf das Land zu bekommen, betonten mehrere Redner die Bedeutung der Kandidatenauswahl. „Die Auswahl ist der Knackpunkt“, betonte etwa Rudolf Jacob (CDU), dass man hier verwurzelte und heimatverbundene junge Leute finden müsse, die dann auch den Weg zurückfänden und möglichst blieben. „Wir brauchen Leute von hier für uns“, so formulierte es Guth, merkte aber auf eine Nachfrage von Winfried Hammerle (Freie Liste Nordpfalz) an, dass man Zusagen, für gewisse Zeit in der Region zu bleiben, nicht herunterbrechen könne auf einzelne Teilregionen oder gar Orte. Alle seien gefordert, für Attraktivität zu sorgen, meinte Michael Cullmann (SPD) in Anbetracht der Tatsache, dass es auch auf dieser Ebene benachteiligte Standorte, etwa im Westkreis, gebe.

Guth: „Machen keinen Blindflug“

Nachfragen aus dem Kreistag galten den hohen Kosten (Ernst Großkurt, Grüne) oder dem Gebot einer diskriminierungsfreien Kandidatenauswahl – Christian Ritzmann (FDP) hatte die Sorge, dass die regionale Bevorzugung von Kandidaten gegenüber Bewerbern etwa aus Mainz oder anderen ferneren Orten auch gerichtsfest sei. Guth versicherte, dass diese Fragen geklärt seien – „wir machen keinen Blindflug“. Der vorgesehene Drei-Jahres-Zeitraum sei durchsetzbar, mehr werde von Gerichten aber nicht toleriert. Die Finanzierung über Drittmittel begrüßte Michael Vettermann (FDP), merkte aber auch an, dass diese Initiative in Anbetracht der drohenden Lücken in der Ärzteversorgung nur ein Strohhalm sei.

Kreisbeigeordneter Jamill Sabbagh (Grüne) und Claudia Manz-Knoll regten auch an, in die Region selbst zu schauen und junge Leute von hier, die bereits im Studium seien, zu fördern. „Wir sollten offen bleiben“, meinte Sabbagh, der auch auf Mediziner unter Zugewanderten und Flüchtlingen und die ihnen auferlegten Einschränkungen bei der Arbeitsaufnahme hinwies.

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