Bad Dürkheim Zwischen Bad Ems und Las Vegas

Sollte Bad Dürkheim wirklich mal nicht ganz vorne sein? Bei der Stadtverwaltung hat man die Dienstags-Ausgabe der RHEINPFALZ wohl nur mit der Kneifzange angepackt. Pfuiteufel, was da auf der Seite „Südwestdeutsche Zeitung“ zu lesen war. stand da in schwarzen Lettern. Und weil nichts über eine gesunde Rivalität unter pfälzischen Kommunen geht, wurden im Büro von Peter Gauweiler, immerhin Leiter des Hauptamtes bei der Verwaltung, schon mal die Pfeile in den Köcher gesteckt. Flugs wurden die Dateien zusammengesucht und Mitarbeiter begannen zu rechnen. 18.381 Einwohner hat die Stadt Bad Dürkheim aktuell. Im vergangenen Jahr wurden – so die Auskunft von Standesbeamtin Sabine Wegner – in der Kurstadt 198 Ehen geschlossen. Pro 1000 Einwohner wurde somit eine Quote von 9,2 Hochzeiten erreicht. „Wahnsinn“, wird man sich im Rathaus auf die Schulter geklopft haben. Ein Spitzenwert. Böse Zungen behaupten, dass angesichts dieser Zahl sogar kurz über eine 14-tägige Feiertagsbeflaggung der Stadt nachgedacht worden sei. Realiter entschloss man sich aber doch für die bescheidene Variante. Und die sah so aus, dass man die RHEINPFALZ-Lokalredaktion mit der Nase auf die Zahlen stieß. Hier 9,2 für Bad Dürkheim, dort der Bericht aus der RHEINPFALZ, in dem Speyer mit 7,4 an der Spitze abschneidet. Na, wer ist jetzt die Stadt mit den landesweit meisten Hochzeiten pro 1000 Einwohner?, lautete die Frage, die als virtuelle Überschrift über dem E-Mail-Dokument prangte. Na klar, Bad Dürkheim. Deutlich vorne. Schmeißt Konfetti. Und in der Tat hätten Sabine Wegner und ihre Kolleginnen den Titel verdient. 99 Paare haben sie im vergangenen Jahr im Rathaus getraut, 98 Heiratswillige haben sich das Ja-Wort in der Krypta der Limburg im Beisein von Rolf Jochum gegeben. Ein Paar mit bayrischen Wurzeln und Wohnsitz auf Mallorca sei sogar von der Baleareninsel aus angereist, weil der Nachname des Paares so lautete wie die Burg über Dürkheim heißt. Über dieses Ereignis hinaus seien es 83 weitere Paare gewesen, die sich als Auswärtige auf der Limburg das Ja-Wort gaben. Aus Köln, Berlin und Hamburg sogar. Und um die Sache komplett zu machen: Zwei rein männliche und ein weibliches Paar haben hier ebenfalls im vergangenen Jahr geheiratet. Alles gut? Nicht ganz. Denn: So ganz falsch war das im überregionalen Teil der RHEINPFALZ wiedergegebene Zahlenwerk des Statistischen Landesamtes Bad Ems nun auch nicht. Dort war eben nur nicht alles erfasst, sondern lediglich die kreisfreien Städte und die Landkreise in Rheinland-Pfalz. Und da lag Speyer tatsächlich vorne. Da Bad Dürkheim weder das eine noch das andere ist, kam die Stadt schlichtweg nicht vor, und der Landkreis DÜW schneidet eben nicht ganz vorne ab. Übrigens auch nicht ganz hinten, wie zu lesen war. Eigentlich müsste sich Bad Dürkheim ohnehin eher mit den kleinen, exklusiven Perlen in der Pfalz messen. Mit Freinsheim, mit Edesheim vielleicht, eben mit kleinen Gemeinden und Städtchen, die viel Ambiente besitzen. Daher wäre der Vergleich mit Städten wie Kaiserslautern nicht wirklich erstrebenswert. Böte sich noch der Vergleich mit Las Vegas an, wo man sich ja wie in Bad Dürkheim mindestens ein Spielcasino leistet und wo die Zahl derjenigen, die sich das Eheversprechen abringen, ebenfalls gen unendlich geht. Etwas mehr als 600.000 Menschen wohnen dort in der Wüste von Nevada. Rund 10.000 Paare laufen dort jährlich in den Hafen der Ehe ein. Quotenmäßig spricht man hier nicht von sieben oder neun Eheschließungen pro 1000 Einwohner, sondern von 60. Schön wäre daher ein anderer Vergleich: Wo halten die Ehen am längsten? Wenn hier Dürkheim vorne läge, wäre das doch der beste 1. Platz in einer Statistik, oder?