Friedelsheim
Zehn Jahre Bürgermeister: Peter Fleischer zieht Bilanz
Bei Gelegenheiten wie der Neujahrsansprache oder der Kerweeröffnung schloss Peter Fleischer seine Rede oft mit: „Ich bin gerne ihr Bürgermeister.“ In diesem schlichten Satz steckt viel von seiner Überzeugung, dass es „doch auch Spaß macht, miteinander was Gutes hinzubringen“.
Seine kommunalpolitische Laufbahn in Friedelsheim begann 2008. da zog Fleischer (FWG) als Nachrücker in den Gemeinderat ein. Nach der Kommunalwahl 2009 wurde er mit allen Stimmen zum Ersten Beigeordneten gewählt. Das – darauf weist Fleischer stolz hin – sei vorher noch nie der Fall gewesen. In dieser Eigenschaft vertrat er damals den erkrankten Bürgermeister Walter Hafner und wurde selbst 2014 zum Bürgermeister gewählt.
Als Unfallhelfer im Erdbebengebiet
Engagiert hatte sich der 71-Jährige schon immer. Als Schüler eines Wirtschaftsgymnasiums war Fleischer einst Schulsprecher für alle Berufs- und Berufsbegleitenden Schulen in Mainz. Er organisierte sogar eine Demonstration, weil sich die Schüler von der Stadt vernachlässigt fühlten.
Fleischer war Gründungsmitglied der Johanniter-Unfallhilfe in Mainz und dort als Ausbilder und Sanitätshelfer ehrenamtlich tätig. In seiner Eigenschaft als Zugführer half er mit seinen Kameraden in einem Erdbebengebiet in Norditalien. Mit der Arbeit dort in einem OP-Zelt verbinden sich noch heute seine schlimmsten Erinnerungen.
Als Schatzmeister half er auch beim Kinderschutzbund. Der Betriebswirtschaftsstudent Fleischer machte einer Bekannten zuliebe zunächst die Abrechnungen und wurde bald Schatzmeister. Nach dem Studium war Fleischer für eine internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig, und ständig in der Welt unterwegs. Danach war er Projektleiter bei Boehringer Ingelheim und eröffnete 1986 ein Steuerberaterbüro in Mainz.
Anfang der 1980er-Jahre begann Fleischer sich in seinem damaligen Wohnort Friesenheim in Rheinhessen, ein Dorf mit gerade einmal 700 Einwohnern, zu engagieren. 14 Jahre saß er dort für die Freien Wähler im Gemeinderat von Friesenheim, davon fünf Jahre als Erster Beigeordneter und eine Legislaturperiode lang bis 1994 als Bürgermeister. Seine erste Ehe scheiterte, seine Frau und er trennten sich. Bei einer Geburtstagsfeier im Ludwigshafener Stadtteil Friesenheim lernte er 1997 seine heutige Frau Eva kennen, die beiden zogen 1999 nach Friedelsheim in ihr neues Haus im Kaisergarten. Im Jahr 2001 machte sich der Vater zweier erwachsener Kinder erneut als Steuerberater mit Büro im Ort selbstständig.
Optimist will künftig Stress vermeiden
Als Bürgermeister im Ruhestand blickt er gerne auf das Erreichte zurück. Etwa die gemeinsame Kita mit Gönnheim samt ihrer Erneuerungsbauten, die Durchsetzung der Tempo-30-Zone im Kern von Friedelsheim sowie die Friedhofs- und die Trauerhallensanierung. Bezeichnend waren auch die Worte seiner Abschiedsrede bei der konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderates: „Der freundschaftliche Umgang im Gemeinderat mit den beteiligten Parteien und der FWG war immer eines meiner Ziele von Anfang an. Wir alle wollen etwas für unseren Ort tun – gemeinsam gelingt es besser.“ Ganz will sich Fleischer aus seinem Engagement noch nicht zurückziehen, er bleibt weiterhin Ratsmitglied und Ratgeber der neuen Bürgermeisterin Anja Bletzer.
2020, mitten in der Corona-Krise, hatte Fleischer einen schweren Fahrradunfall. Er musste zweimal am Kopf operiert werden. Als er nach der ersten Operation aufwachte und „keinen Finger mehr heben“ konnte, habe er, Optimist, der er ist, gedacht: „Hurra, ich lebe noch.“ Seine Frau durfte ihn damals nicht im Krankenhaus besuchen. Nach ein paar Wochen folgte Operation Nummer zwei und eine längere Rehabilitation. Mit seinem Teilrückzug will er künftig Dauerbelastung und Stress aus dem Weg gehen. Fleischer wollte deshalb auch nicht mehr in den VG-Rat, er wurde aber von einem hinteren Listenplatz nach vorne gewählt. Seinem Motto: „Immer das Beste aus einer Situation machen“, wird er auf jeden Fall treu bleiben.