Bad Dürkheim
Wurstmarkt: Kaum Züge, zu wenige Busse?
Seit Mitte März fahren zwischen Wachenheim und Deidesheim keine Züge mehr. Grund sind Schäden durch Dachsbauten im Bahndamm. Jetzt hat die Bahn angekündigt, ab 21. Juli mit den Arbeiten zu beginnen, die den Damm auf einer Länge von 2,5 Kilometer stabilisieren sollen. In den vergangenen vier Monaten wurden der Bahndamm gerodet und Vorbereitungen getroffen, ansonsten passierte nicht viel. Die Bahn hatte die Sperrung ursprünglich für Mitte Juli geplant und die Fachfirma für die Stabilisierung erst ab diesem Zeitpunkt bestellt. Die Arbeiten sollen bis Jahresende andauern.
„Nicht adäquat zu bewältigen“
Dass der Wurstmarkt von der Bahn-Baustelle betroffen ist, war seit einer kurzfristig verschickten Pressemeldung seit März klar. Wie Marcus Brill, Chef des Wurstmarkt-Organisationsteams bei der Stadtverwaltung, in einem früheren Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte, habe er seit Ende 2024 von den Plänen gewusst. Brill hatte damals erklärt, die Stadt müsse auf den Schienenersatzverkehr, sprich ersatzweise verkehrende Busse, vertrauen. Die Baumaßnahme am Bahndamm sei offenbar notwendig, um die Sicherheit der Fahrgäste zu garantieren. Dennoch hatte Brill prophezeit: „Die Sperrung wird uns treffen, es werden weniger Besucher kommen.“
Jetzt, wo der Wurstmarkt näher rückt, scheint das Problem größer zu sein als erwartet. Denn von Seiten des Zweckverbands Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz-Süd (ÖPNV), dem Auftraggeber der DB Regio, die letztlich die Fahrgäste transportiert, werden Zweifel laut, ob Busse überhaupt in der Lage sind, den Strom der Wurstmarkt-Besucher zu bewältigen. Der Wurstmarkt werde „wahrscheinlich eine Herausforderung“, heißt es nun in einer Mitteilung: Niemand wisse, wie sich die Besucherinnen und Besucher verhalten. „In den Zügen werden üblicherweise bis tief in die Nacht täglich, aber mit extremer Spitze an den Wochenenden, Tausende Menschen befördert. Dies ist mit Bussen adäquat nicht zu bewältigen.“
Ein kleines Rechenbeispiel verdeutlicht die Sorgen des Zweckverbands: Ein Regionalzug bietet 300 Sitzplätze und bis zu 200 weitere Stehplätze, wenn die Fahrgäste dicht an dicht stehen. Geht man in Stoßzeiten von 400 Fahrgästen pro Zug in einem Halbstundentakt aus, so werden in drei Abendstunden zwischen 19 und 22 Uhr an den Wochenenden etwa 2500 Passagiere befördert. Ein Ziehharmonika-Bus bietet 50 bis 70 Sitzplätze zuzüglich ein paar wenige Dutzend Stehplätze an, wobei diese gerade für alkoholisierte Fahrgäste auch so ihre Tücken haben. „Wie viele Busse braucht man dann für einen Schienenersatzverkehr? Kriegt man die überhaupt?“, fragt Fritz Engbarth, Sprecher des Zweckverbands. Die für die Infrastruktur verantwortliche Bahngesellschaft DB Infra Go sei frühzeitig auf das Problem hingewiesen worden, habe aber mit der Sicherheit der Fahrgäste argumentiert, die eine weitere Verschiebung der Baustelle nicht zulasse. Bleibt also die Hoffnung auf den Schienenersatzverkehr – oder doch nicht? „Die Entscheidung darüber, in welchem Umfang ein Schienenersatzverkehr angeboten werden kann, ist noch nicht getroffen“, will sich Engbarth nicht festlegen. Der Zweckverband erneuerte die Kritik an der für die DB Infra Go: Diese habe sich nicht um die Dachsschäden gekümmert und es versäumt, frühzeitig Gegenmaßnahmen zu treffen.
Wichtige Bahnverbindung
Wie wichtig die Bahnanbindung aus Richtung Neustadt ist, zeigt ein Blick auf Passagierzahlen aus früheren Jahren. Laut Marcus Brill ist die Rhein-Haardtbahn, die Gäste aus dem Großraum Mannheim/Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis auf den Wurstmarkt bringt, das wichtigste öffentliche Transportmittel zur Wurstmarktzeit. Dahinter kommt schon die Bahnverbindung zwischen Neustadt und Bad Dürkheim, weil sie viele Wurstmarktbesucher nicht nur aus dem Süden, sondern auch aus der Westpfalz zum Wurstmarkt bringt. Auf Platz drei folgt die Bahnverbindung aus Frankenthal vor der Strecke aus Richtung Grünstadt.
Doch diese droht in der ersten Wurstmarktwoche zwischen dem 13. und 17. September ebenfalls lahmgelegt zu werden: Wie der Zweckverband ÖPNV mitteilt, plant die Bahn, den Verkehr zwischen Freinsheim und Grünstadt in dieser Zeit ebenfalls einzustellen. Grund sind geplante Arbeiten an Weichen und Gleisen in Grünstadt. Auch hier würden stattdessen Busse verkehren.
„Wenn von vier Strecken über den Wurstmarkt zwei ausfallen, wird das schon eng“, sagt Brill, der von der RHEINPFALZ über die neue Baustelle erfuhr. Die Stadt, kündigt er an, werde der Bahn schreiben und um eine Verlegung der Arbeiten bitten, um noch größere Verkehrsprobleme zum Wurstmarkt zu vermeiden.
