Kreis Bad Dürkheim
Wurstmarkt ohne Züge: „Die Sperrung wird uns treffen“
Dass die Bahnstrecke zwischen Bad Dürkheim und Deidesheim wegen der Dachshöhlen und der dadurch nötig gewordenen Sanierung über den Wurstmarkt gesperrt werden muss, war schon seit vergangenem Jahr klar. Das betont Marcus Brill, Chef des Teams, das für die Bad Dürkheimer Stadtverwaltung das größte Weinfest der Welt organisiert. Damals hatte die Bahn eine Sperrung ab Sommer kommuniziert, die nun vorgezogen wurde.
Neu war für Brill mit Blick auf den Wurstmarkt die Aussage der Bahn, dass auch die Verbindung zwischen Freinsheim und Bad Dürkheim während der Sperrung, die bis 31. Dezember dauert, kaum noch bedient wird. „Wir werden das Gespräch mit der Bahn suchen, ob es dafür nicht vielleicht doch eine Möglichkeit gibt. Im Prinzip geht es ja nur um Freitag, Samstag und Sonntag“, stellt Brill fest. Die Zusammenarbeit mit den Trägern des Öffentlichen Nahverkehrs sei „sehr, sehr gut“, lobt er: „Wenn es die Möglichkeit gibt, etwas zu tun, dann wird die Bahn das auch machen“, ist Brill überzeugt.
Doch warum wird auch der nördliche Abschnitt der Strecke bis Grünstadt kaum noch bedient? Wie der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (ZÖPNV) mitteilt, habe die Bahn nicht genügend Fahrpersonal dafür. Die morgendlichen Fahrten könne das Unternehmen mit dem Personal noch abdecken, mehr Fahrten würden aber mehr Personalbedarf bedeuten. „Wir werden dies nochmals mit der DB Regio besprechen, zumal die Sperrung ja nun mal jetzt mindestens neun Monate bestehen soll“, kündigt ZÖPNV-Sprecher Fritz Engbarth auf Nachfrage an.
Mehr Autos erwartet
Unabhängig von der Frage, ob aus Richtung Nordosten vielleicht nicht doch Züge in der Wurstmarktzeit Richtung Bad Dürkheim fahren, rechnet Brill damit, dass die Sperrung der Bahntrasse zwischen Bad Dürkheim und Deidesheim Auswirkungen auf die Besucheranzahl des Volksfests haben wird. Betroffen seien vor allem Gäste, die aus Richtung Kaiserslautern und Homburg kommen und dann in Neustadt umsteigen. „So hart es klingt: Wir müssen auf den Schienenersatzverkehr setzen. Die Bahn muss entsprechende Kapazitäten bereit stellen.“ Die Rhein-Haardtbahn, die vor allem Besucher aus Ludwigshafen und Mannheim befördere, fahre über Wurstmarkt bereits an der Kapazitätsgrenze. Auch in diese Richtung werde man Gespräche führen. „Aber die Sperrung wird uns treffen, es werden weniger Besucher kommen“, befürchtet Brill.
Außerdem sei zu erwarten, dass viele Gäste auf das Auto umsteigen, was die ohnehin knappen Parkplätze zur Wurstmarktzeit noch rarer mache. „Der Parkdruck wird größer werden“, ist Brill sicher. Wegen des geplanten Umbaus eines ehemaligen Gebäudes der Pfälzischen Pensionsanstalt (ppa), in das das Gesundheitsamt einziehen soll, werden 150 kostenpflichtige Parkplätze auf dem Gelände über Wurstmarkt nicht zur Verfügung stehen, informiert Brill. Das werde die Parksituation verschärfen.
„Natur sich selbst überlassen“
Auf Grund der ganzen Turbulenzen ist Freinsheims Stadtbürgermeister Jochen Weisbrod (CDU), der außerdem Vorsitzender des Verkehrsvereins ist, schon froh, dass wenigstens die Zugstrecke aus Richtung Frankenthal noch uneingeschränkt läuft. „Aus dieser Richtung erreichen uns bei den Veranstaltungen in der Stadt auch die meisten Zuggäste“, erklärt er. Weisbrod wundert es nicht, dass nach der Sanierung im nördlichen Teil jetzt auch der südliche Abschnitt mit Dachs-Problemen zu kämpfen hat. „Zwischen der Bahntrasse und der neuen B271 wurde die Natur quasi sich selbst überlassen“, meint er.
In Deidesheim will die Tourist Service GmbH trotz allem weiterhin auf den Öffentliche Nahverkehr setzen. „Wir wollen weiterhin einen nachhaltigen Tourismus fördern“, betont der Leiter der Einrichtung, Stefan Wemhoener. Die Deutsche Weinstraße habe sich als nachhaltiges Reiseziel zertifizieren lassen, außerdem sei Deidesheim Mitglied in der Cittàslow-Vereinigung. Darüber hinaus gebe es wenig Parkplätze in der Stadt. Deshalb soll es auch weiterhin beim Appell an die Gäste bleiben, wenn möglich den Öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. „Wir müssen das jetzt eben stärker konkretisieren“, erklärt Wemhoener. Von Neustadt aus sei Deidesheim ja weiter mit dem Zug zu erreichen, und somit auch von Ludwigshafen und Mannheim aus. Parallel dazu werde derzeit daran gearbeitet, wie ein Buskonzept aussehen kann, besonders während der Weinkerwe im August. „Das ist schon eine logistische Herausforderung“, sagt Wemhoener. Es stelle sich auch die Frage, wer die Mehrkosten trage.
Auswirkungen hat die gesperrte Bahnstrecke auch aufs Mandelblütenfest in Gimmeldingen. Laut ZÖPNV fahren die Züge zwischen Neustadt und Deidesheim in Kapazität. Beim Ersatzverkehr erstzt ein Bus einen Zug. Zwischen Dürkheim und Freinsheim gibt es laut ZÖPNV keine Mehrfahrten.