Bad Dürkheim Wo geschlachtete Ziegen in den Bäumen hängen

Hat keine Angst vor dem russischen Bären: Claus Günther.
Hat keine Angst vor dem russischen Bären: Claus Günther.

«Bad Dürkheim.» Wenn es um Fußball geht, gibt es für Claus Günther (55) kein Halten mehr. Oft macht er sich auf den, manchmal auch beschwerlichen, Weg, seine Lieblinge der deutschen Nationalmannschaft oder des FCK live anzufeuern. Selbstverständlich war er auch bei der WM in Russland, wo er mit einem Kumpel fünf Spiele in Moskau und Nischni Nowgorod besucht hat.

Moskau ist riesig, der rote Platz mit dem Kreml und dem Lenin-Mausoleum sind absolut beeindruckend“, schwärmt Günther. Die Sprache war ihm jedoch sehr fremd und der Kontakt zu den Menschen sei fast nicht möglich gewesen. Ansonsten habe er sich aber immer sehr sicher gefühlt, was letztlich auch an der großen Polizeipräsenz gelegen habe. „In den Stadien hätte nie etwas passieren können, dafür waren die Einlasskontrollen viel zu streng“, meint der gelernte Maurer, der beim Bauhof in Haßloch arbeitet. Bengalos hätte dort niemand reinschmuggeln können. „Zunächst musste man durch eine Sicherheitsschleuse wie beim Flughafen, dann folgte noch eine Leibesvisitation durch einen Polizisten“, erklärt Günther. Beim ersten Spiel der deutschen Elf gegen Mexiko habe eine einmalige Stimmung im Stadion geherrscht. „Wir standen in einem Block der Mexikaner und waren in ein Meer von Rot-Weiß-Grün getaucht.“ Alles sei aber sehr friedlich und fröhlich verlaufen. Die anderen Spiele, die er gesehen hat, waren alle ohne deutsche Beteiligung. Für das Spiel Schweden gegen Südkorea musste er ins 400 Kilometer östlich von Moskau gelegene Nischni-Nowgorod fliegen und konnte morgens um 2.30 Uhr feststellen, dass es dort schon wieder hell wurde. „ Das Spiel der Schweden war super“, meint er. Nischni-Nowgorod sei eine sehr schöne alte Stadt mit vielen gut erhaltenen Bauwerken aus dem 19. Jahrhundert. Außerhalb der Stadt jedoch sehe man die Gegensätze und man könne denken, dass die Zeit dort schon seit langem stehen geblieben sei. „Die Straßen sind dort mit Schlaglöchern gepflastert und man sieht geschlachtete Ziegen und Hühner an den Bäumen hängen“, berichtet der Fußballfan. Für die Eintrittskarten hat Claus Günther, der sich selbst als „Fußballverrückten“ bezeichnet, jeweils 90 Euro gezahlt. Die Flug- und Übernachtungskosten lagen bei knapp 700 Euro. Für eine Cola oder ein Bier musste er ungefähr 3,50 Euro, für ein Abendessen mit Getränken etwa 13,50 Euro ausgeben. „Einmal haben wir Borschtsch bestellt, weil wir es für eine Fischsuppe hielten. Allerdings war es nur eine Suppe aus Rote Beete“, erinnert er sich und schmunzelt. Vergeblich habe er in Russland die „Soljanka“ gesucht, eine säuerlich-scharfe Suppe, die er zu DDR-Zeiten in Halle, Erfurt oder Ost-Berlin gegessen hat, als er die Roten Teufel aus Lautern zu Freundschafts- oder Europapokalspielen hinter den damaligen „Eisernen Vorhang“ begleitet hat. „In Europa war ich schon fast überall“, gesteht Günther, der selbst früher bei Rot-Weiss Seebach II gespielt hat. Ob das nun die Europameisterschaft 1984 in Frankreich, die WM 1990 in Italien, wo er auch das Endspiel mit dem 1:0-Sieg der deutschen Mannschaft gegen Argentinien erlebt hat, oder diverse Spiele der „roten Teufel“ gegen europäische Mannschaften waren, Claus Günther war stets mit von der Partie. „Am besten gefallen mir Spiele in England,“ meint er, weil die Fans dort einmalig seien und sich voll mit ihrem Team identifizierten. Einmal im Jahr schaue er sich dort ein Spiel an, um die tolle Atmosphäre zu genießen. Ob er 2022 zur WM nach Katar fahren werde, weiß er noch nicht. „Das kommt darauf an, wie sich der Fußball bis dahin entwickelt. Der Kommerz darf nicht übertrieben werden.“ Dass er die WM dann mit einem kühlen Blonden statt mit einem Glühwein im Glas verfolgen kann – die WM in Katar findet wegen der Hitze, die im Sommer in dem Emirat herrscht, im Winter statt – könnte für den Globetrotter ein Reiseargument sein.

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