Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Entlaufener Luchs sorgt für viel Wirbel

Im Kurpfalz-Park bei Wachenheim lebten bis vor Kurzem drei Luchse – jetzt sind es nur noch zwei.
Im Kurpfalz-Park bei Wachenheim lebten bis vor Kurzem drei Luchse – jetzt sind es nur noch zwei.

Einer der drei Luchse aus dem Wachenheimer Kurpfalz-Park ist in die umliegenden Wälder entkommen. Experten des Koordinationszentrums Luchs und Wolf versuchen, das Tier wieder einzufangen. Was müssen Spaziergänger jetzt beachten?

Zwischen 2016 und 2020 hat das Land insgesamt 20 Luchse aus der Slowakei und der Schweiz im Pfälzerwald angesiedelt, um die Tierart dort wieder heimisch zu machen. Auch einige Nachkommen dieser Tiere sind dokumentiert. Jetzt hat die Population ungewollt Zuwachs bekommen: Aus dem Wachenheimer Kurpfalz-Park ist in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai ein Luchs entkommen. Wie Peter Braun, Geschäftsführer des Parks, auf Anfrage erklärte, hatte ein Ast das Gehege beschädigt, in dem die drei Tiere des Parks leben. Durch den Aufprall hatte sich ein Rahmen um einen Baumstamm verschoben und eine Lücke freigegeben, durch die das Tier entwischte. Dass der Luchs wenige Tage später aber einen Hund im Poppental südlich der Drei Eichen angegriffen haben soll, bezweifelt Braun: „Das kann ich mir nicht vorstellen. Unsere Tiere sind in Gefangenschaft geboren und aufgewachsen, sie sind an Hunde gewöhnt.“

Der Park arbeite mit dem Koordinationszentrum Luchs und Wolf (Kluwo) in Trippstadt zusammen, um das entlaufene Weibchen wieder einzufangen. Die Mitarbeiter des Parks hätten das Tier mehrfach mit Nachtsichtgeräten in der Nähe des Parkgeländes ausgemacht. Ein Versuch, den Luchs mithilfe von Fleisch in ein Vorgehege zu locken, sei aber gescheitert.

Wie wahrscheinlich ist eine Begegnung?

Mittlerweile befasst sich das Mainzer Umweltministerium mit dem Vorgang. Eine Gefahr für Hunde oder Menschen sieht das Ministerium bei wildlebenden Luchsen aber nicht. „Ein Luchs ist kein großes Tier“, betont der zuständige Referent für Artenschutz, Peter Sound. Die Schulterhöhe der Tiere liegt zwischen 50 und 75 Zentimetern, sie wiegen zwischen 15 und 30 Kilogramm. Und bei in Parks aufgewachsenen Tieren? „Ein Luchs, der aus einem deutschen Tierpark ausgebrochen ist, stellt für Menschen normalerweise keine große Gefahr dar. Luchse sind in der Regel scheue Tiere, die den Kontakt mit Menschen meiden. Eine Gefährdung für Hunde kann jedoch nicht ausgeschlossen werden“, informiert eine Sprecherin der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd. Die SGD ist die Obere Naturschutzbehörde.

Frank Stipp, Leiter des Forstamts Bad Dürkheim, sagt, er könne nicht seriös einordnen, wie sich ein in Gefangenschaft aufgewachsener Luchs verhalte, wenn er einem Hund begegne. „Der Luchs hat zwei Möglichkeiten: Flucht oder Verteidigung“, sagt Stipp. Offenbar hat sich das Tier im Poppental bei Wachenheim am 12. Mai nicht für die Flucht entschieden. Bei der Polizei Bad Dürkheim spricht man auf Nachfrage von einem „Kontakt“ zwischen einem Hund und einem Luchs. Der Hund sei aber nicht verletzt worden.

Dass der Luchs nicht das Weite gesucht hat, als der Hund mit seinem Herrchen auftauchte, wertet Sound als Beleg dafür, dass es sich um ein in Gefangenschaft aufgewachsenes Tier handeln muss. Die vom Land ausgewilderten Luchse würden die Nähe zu Menschen oder Hunden scheuen und könnten „sich unsichtbar machen“, sagt Sound: „Es ist wahrscheinlicher, dass Sie in freier Wildbahn einem Wolf begegnen als einem Luchs. Und das will etwas heißen, bei nur fünf in Rheinland-Pfalz resident lebenden Wölfen.“

Was der Forstamtsleiter rät

Doch wie soll man sich verhalten, wenn man beim Waldspaziergang mit dem Hund doch einem Luchs begegnet? „Ich würde ihn in Ruhe lassen, aber mich selbst in Sicherheit bringen und Distanz schaffen“, rät Frank Stipp zum geordneten Rückzug. Auch lautes Klatschen oder Rufen würden den Luchs wahrscheinlich zur Flucht animieren.

Derweil bemüht sich das Koordinationszentrum in Zusammenarbeit mit dem Park darum, den entlaufenen Luchs einzufangen. Die Kosten müsste aber der Park übernehmen, betont Sound. Ihn treibt vor allem die Sorge um, dass sich das entlaufene Tier mit den ausgewilderten Luchsen paaren könnte. Luchse aus Parks seien in der Regel genetisch keine reinen mitteleuropäischen Luchse. Beim Luchsprojekt gehe es aber darum, die vor dem Eingriff des Menschen im Pfälzerwald heimischen Populationen wiederanzusiedeln. Entsprechend ausgewählt seien die Tiere, die im Pfälzerwald lebten. Diese sollen sich zwar untereinander paaren, aber nicht mit aus Parks entlaufenen Tieren. „Eine Durchmischung ist naturschutzfachlich problematisch“, erklärt Sound.

Und wie ist es um die Sicherheit der Gehege des Kurpfalzparks bestellt? Geschäftsführer Braun sagt, dass bislang weder ein Luchs noch ein Wolf aus dem Park entkommen konnten. Rehen oder Hirschen sei die Flucht schon gelungen, etwa, wenn die Umzäunung bei einem Sturm durch herabfallende Äste beschädigt wurde. Hundertprozentige Sicherheit, sagt Braun, gebe es aber nicht. Dass es den Kluwo-Experten gelingen wird, den ausgerückten Luchs wieder einzufangen, da ist Braun nicht ganz so optimistisch. Luchse, sagt er, seien nicht nur scheu, sondern wanderten auch gerne.

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