Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Wachenheimer Eltern, Kinder und Erzieher die Quarantäne meistern

Wegen des Coronavirus sind die Spielplätze in Wachenheim meist verwaist.
Wegen des Coronavirus sind die Spielplätze in Wachenheim meist verwaist.

WACHENHEIM. Wegen Coronainfektionen sind in Wachenheim noch bis kommende Woche Kindertagesstätte, Schule und Hort geschlossen. Kindergartenkinder und die Erzieherinnen stehen unter häuslicher Quarantäne gemäß Paragraf 30. Wie gehen die Betroffenen mit der Situation um?

Bettina Schultze, die in Neustadt lebt und in Wachenheim bei der Kindertagestätte „Pusteblume“ arbeitet, ist gleich doppelt von der Corona-Krise betroffen: Die Erzieherin steht selbst unter Quarantäne nach Paragraf 30, für ihre achtjährige Tochter gilt die Empfehlung des Gesundheitsamts, möglichst zu Hause zu bleiben und die sozialen Kontakte zu minimieren. Das Kind besucht die Grundschule An der Wachtenburg, die am Montag nach einem Corona-Fall im Kollegium der Integrierten Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim vorsorglich geschlossen wurde. Die Schule soll Anfang kommender Woche wieder öffnen. Schultze kann frühestens am Donnerstag wieder zur Arbeit – so lange bleibt die Kita mindestens geschlossen. „Da merkt man erst einmal, wie sehr einem die Arbeit fehlt – und was Freiheit heißt“, erzählt die Erzieherin. Zweimal täglich muss sie Fieber messen, dazu ein Gesundheitsprotokoll führen. Die Einkäufe übernimmt ihr Partner. Für die Quarantänemaßnahme hat sie Verständnis: „Es geht da vor allem um Rücksichtnahme. Wir müssen verhindern, dass sich das Virus schnell ausbreitet.“ Sorgen mache sie sich nicht um sich, sondern vor allem um ihre betagten Eltern. „Sie brauchen eigentlich meine Hilfe, müssen sich aber jetzt selbst helfen. Das Risiko ist mir einfach zu groß“, erzählt die Erzieherin. So bleibt ihr nur das Telefon, um Kontakt zu halten. Zumindest bis Mitte nächster Woche, wenn die Quarantäne endet.

„Wir drehen fast durch“

Einen Besuch bei ihren Eltern in Norddeutschland hat Maike Hrubasik abgesagt, die im Hort arbeitet. Zum einen wegen der Infektionsgefahr im Zug, zum anderen um kein Risiko einzugehen, diese nicht doch anzustecken. Anders als die Kita-Erzieherinnen stehen sie und ihre Kollegen aber nicht unter Quarantäne. „Ich genieße es, dass ich raus kann in den Wald und in die Wingerte. Aber ich meide definitiv große Menschenmengen, gehe auch nicht zu Stoßzeiten einkaufen“, berichtet Hrubasik. Wie wichtig eine gute Kinderbetreuung im Alltag der Eltern ist, weiß sie aus eigener Erfahrung: „Mir tun die Eltern gerade unglaublich Leid, weil sie so viel umorganisieren müssen.“

„Wir drehen hier fast durch“, berichtet Violetta Höhn. Sie hat einen fünfjährigen Sohn, der als Kindergartenkind unter Quarantäne steht und eine neunjährige Tochter, die die Wachenheimer Grundschule besucht. Die alleinerziehende Mutter hat ihren Job als Kosmetikerin im Moment auf Eis gelegt und kümmert sich rund um die Uhr um ihre zwei Kinder. „Wir wohnen direkt am Wald, haben einen großen Garten, können uns also gut draußen beschäftigen, aber es wird von Tag zu Tag schlimmer“, beklagt die Mutter. Kritisch sieht sie, dass die Eltern nicht darüber informiert worden seien, in welche Gruppe das mit Corona infizierte Kind besucht. „Ich mache alles, was gesagt wird und achte sehr darauf, dass wir die Hygienevorschriften einhalten und den Kontakt mit anderen Menschen vermeiden, denn wir wollen niemanden gefährden“, versichert die gebürtige Polin, die alle privaten Termine abgesagt hat. In Polen seien alle Schulen, Krippen und Kindertagestätten für zwei Wochen geschlossen worden. „Wenn ich wüsste, dass es bei uns nach zwei Wochen vorbei ist, wäre es ok, aber ich befürchte, dass es noch einmal von vorne losgeht.“

Strenge Quarantänevorschriften

Eine Mutter zweier Kindertagesstättenkinder lobt die Informationspolitik der Kindergartenleitung. Dass die Infoveranstaltung jedoch in der Kita stattgefunden hat, kann sie nicht nachvollziehen. Sie ist zurzeit vom Arbeitgeber freigestellt und kann so die Betreuung der Kinder übernehmen. Ihr Mann übe seinen Job im Homeoffice bei Verwandten aus. Kritisch sieht sie auch die Tatsache, dass das Schreiben des Gesundheitsamts, dass ihre Kinder unter Quarantäne stehen, erst am Dienstag zugestellt wurde. Sie habe sich stattdessen über Whatsapp-Gruppen und die RHEINPFALZ informiert. Ihre Kinder würden die Freunde vermissen und müssten ständig bei Laune gehalten werden. „Das ist ein stressiges Ganztagesprogramm, das aus Lesen, Puzzeln, gemeinsamen Kochen und so weiter besteht und wenn es gar nicht mehr geht, auch vor dem Fernseher endet.“

„Wachsam, aber nicht in Panik“

Simone Köhler hat ebenfalls zwei Söhne in der Kita Pusteblume. „Wir versuchen, komplett in der Wohnung zu bleiben, haben aber keinen Garten, sondern nur eine Dachterrasse“, berichtet sie. „Wir basteln, lesen, malen und streiten. Und wenn es nicht anders geht, dürfen sie auch etwas schauen“, fasst sie ihren Alltag zusammen. Dass wegen des Coronafalls Quarantäne verhängt wurde, findet sie richtig. Dagegen hätte sie sich vom Gesundheitsamt eindeutigere Aussagen gewünscht, manchmal hätten Eltern auf dieselben Fragen unterschiedliche Antworten bekommen, berichtet sie – zum Beispiel, wenn es um das richtige Verhalten bei Erkältungssymptomen in der Quarantänezeit gegangen sei.

„Wir sind relativ entspannt und nicht in Panik, aber wachsam“, erklärt der gebürtige Franzose Tanguy Le Cocguic, Vater dreier Töchter. Von Freunden mit jüngeren Kindern habe er gehört, dass manche Leute komisch schauen würden, wenn die Kleinen mit ihren Eltern einmal frische Luft schnappen wollten. Zwei Töchter des Straßenbauingenieurs besuchen die Grundschule in Wachenheim, eine geht auf ein Neustadter Gymnasium. „Wir sind nicht so stark betroffen, weil wir nicht die strenge Quarantäne haben“, berichtet Le Cocguic. Die Lehrer der Grundschule an der Wachtenburg haben die Schüler mit Aufgaben versorgt, so dass nicht zu viel Lernstoff verloren gehe.

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