Bad Dürkheim
Wie viele Autos verträgt der Stadtplatz?
Ende April präsentierte der Erste Beigeordnete Claudius Güther (CDU) im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus eine Reihe von Ideen für die Weiterentwicklung der Bad Dürkheimer Innenstadt. Mit dabei: Die Schaffung eines sogenannten verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs mit Tempo 20 in Teilen der Weinstraße Süd, der Weinstraße Nord und am Schlossplatz. Ziel ist neben mehr Verkehrssicherheit auch eine höhere Aufenthaltsqualität in der Bad Dürkheimer Innenstadt.
Aufenthaltsqualität – darum geht es auch in der seit vielen Jahren mit wechselnder Intensität geführten Debatte um einen autofreien Stadtplatz. Hier strebt die Stadtverwaltung jetzt einen Modellversuch mit einer kleinen Lösung an, die Güther ebenfalls im April vorstellte: Am Nordende sollen vier Parkplätze entfallen, der Verkehr wird weiter südlich rund um den Platz geführt, als dies bislang der Fall ist – analog zu der Regelung beim Dürkheimer Advent 2025. Die gewonnene Fläche kann genutzt werden, um besagte Aufenthaltsqualität zu steigern, etwa durch mehr Platz für die Gastronomie. Die Regelung soll für mindestens zwei Monate erprobt und anschließend bewertet werden. Sowohl über die Tempo-20-Regelung als auch über das weitere Vorgehen am Stadtplatz entscheidet der Bauausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag ab 14.30 Uhr.
SPD schlägt Bürgerentscheid vor
Mit der Frage, wie viel Platz Autos auf dem Stadtplatz künftig noch erhalten sollen, hat sich in den vergangenen Monaten auch eine Arbeitsgruppe der SPD befasst. Eine Kernaussage fasst der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins und frühere Dürkheimer Bürgermeister Christoph Glogger so zusammen: Das Thema Stadtplatz betreffe sehr viele Bürger und Gewerbetreibende, so dass eine breite Bürgerbeteiligung erforderlich sei. Diese soll sowohl über die Online-Beteiligungsplattform der Stadtverwaltung als auch über Veranstaltungen erfolgen. Am Ende des Beteiligungsprozesses soll nach SPD-Vorstellungen ein Konzept stehen, über das bei einem Bürgerentscheid abgestimmt wird.
Die Mitgliederversammlung am Montag hat die Fraktion der Sozialdemokraten im Stadtrat beauftragt, für den 16. Juni einen entsprechenden Antrag zu stellen. Eine derart „wichtige und emotionale Frage“ müsse in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden, sagt auch der Fraktionsvorsitzende Ralf Lang. „Je mehr man Bevölkerung und Gewerbetreibende einbezieht, desto eher wird es eine gute Lösung geben“, erklärt Glogger.
Keine „radikalen Lösungen“
Im Gespräch mit der RHEINPFALZ betont der SPD-Vorsitzende, dass es nicht darum gehe, radikale Lösungen zu verwirklichen, sondern eine ausgewogene Balance zwischen den einzelnen Interessen zu finden. Die Diskussion über die Zukunft der Innenstädte gehe weg von Erreichbarkeit und Mobilität, hin zu Aufenthaltsqualität und Attraktivität, so Glogger. „Aber wir würden auf keinen Fall etwas gegen das Gewerbe durchsetzen“, betont der frühere Bürgermeister.
In ihrem Antrag stellen die Sozialdemokraten einschließlich eines komplett autofreien Stadtplatzes insgesamt fünf Varianten und deren Vor- und Nachteile aus Sicht der Partei gegenüber: Außer der im Bau- und Entwicklungsausschuss diskutierten Planung sehen die Sozialdemokraten eine sogenannte geöffnete Minimalvariante als Alternative. Diese ermögliche eine autofreie Verbindung zwischen dem Mittelteil des Stadtplatzes und dem Römerplatz – auch hier würden nur vier Parkplätze entfallen. Allerdings hat diese Idee den deutlichen Nachteil, dass eine Sackgasse entsteht und eine Wendemöglichkeit nötig wird.
Bereits 2019 war im Stadtrat das Mobilitätskonzept beschlossen worden, das ebenfalls ein Konzept für weniger Parkplätze und mehr freier Fläche umfasste. Dieses ähnelt dem im Modellversuch vorgesehenen Vorschlag – mit dem Unterschied, dass der Verkehr deutlich weiter südlich über den Platz geführt wird, wodurch mehr freie Fläche entsteht – aber statt vier Parkplätzen zwölf wegfallen würden. Dem stellt die SPD eine weitere Variante gegenüber, die vorsieht, dass die zehn Parkplätze auf der Ostseite entfallen und im Westen vollständig erhalten bleiben. Diese Variante könne ein guter Kompromiss sein zwischen Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit, findet Glogger. Allerdings gebe es auch in der Partei die gesamte Bandbreite an Meinungen – wie wohl in der gesamten Stadt.