Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Therapiehund Damon den Alltag in der „Rustis-WG“ unterstützt

Lea (links) mit Sabrina Mechnig und den beiden Hunden, Therapiehund Damon und seinem kleineren Kumpel Domi, im Garten der WG.
Lea (links) mit Sabrina Mechnig und den beiden Hunden, Therapiehund Damon und seinem kleineren Kumpel Domi, im Garten der WG.

In der „Rustis-WG“ in Bad Dürkheim übernimmt Therapiehund Damon an der Seite von Bezugsbetreuerin Sabrina Mechnig wichtige Aufgaben. Vor allem aber verbreitet er viel Freude.

Die Wohngemeinschaft „Rustis“ im Wohngebiet Rustengut in Bad Dürkheim ist keine WG wie jede andere. Denn sie ermöglicht jungen Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf ein selbstbestimmtes Leben. Jede der sechs jungen Frauen in der WG bewohnt ein eigenes, individuell eingerichtetes Zimmer mit Bad. Gemeinschaftsraum, Küche, Garten und ein größeres Bad werden gemeinsam genutzt.

Es gibt einen Wochenplan, auf dem steht, wer für welche gemeinschaftlichen Aufgaben zuständig ist, welche Termine die einzelnen Mitbewohnerinnen planen und wann welcher Betreuer kommt. Zur Unterstützung ist immer jemand da. Das Besondere: Mit eigenem Sticker fest als Mitarbeiter auf der Magnettafel eingetragen ist auch Damon. Der zweijährige, wuschelige Podenco-Mischling ist ein ausgebildeter Therapiehund.

Unterstützung auf vier Pfoten

Sabrina Mechnig, Damons „Frauchen“, ist Bezugsbetreuerin von Bewohnerin Lea und kommt seit drei Jahren zwei- bis dreimal im Monat in die Wohngemeinschaft. Die gelernte Fachkrankenschwester hilft im Haushalt und begleitet Lea zu Terminen sowie in der Freizeit. Gemeinsam unternehmen sie Ausflüge. Im Juni ist ein gemeinsamer Urlaub in Österreich geplant: Mit dabei sind dann auch Mechnigs Hunde Damon und Domi. Besonders stolz ist Lea auf ihre „Hundetrainerweste“, die ihr in der Hundeschule von Trainerin Heike Daniel verliehen wurde. Einmal wöchentlich begleitet Lea ihre Bezugsbetreuerin in die Hundeschule und trainiert dort mit Damon unter Anleitung.

Aber auch im Alltag der Wohngemeinschaft verbreitet das Tier viel Freude: Auf dem Flur wird der Vierbeiner mit einem breiten Strahlen von Miriam herzlich umarmt. Nicht jeder Hund mag allerdings jederzeit Nähe: Alle Beteiligten haben deshalb gelernt, den Hund zu „lesen“: Wenn er sich abwendet, wird er in Ruhe gelassen. Auch gibt es ein Schaubild, das zeigt, an welchen Zonen Hunde lieber berührt werden und welche Stellen tabu sind.

Den Hund richtig verstehen lernen

Das Lesen der Körpersprache des Hundes ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung zur „tiergestützten Therapie“, bei der je ein Mensch und ein Hund ein festes Team bilden. Der Hundeführer muss erkennen, wann sein Schützling beginnende Anzeichen von Stress zeigt, damit er ihn rechtzeitig aus der Situation nehmen kann – wobei sich auch der Hund darauf verlassen können muss, dass er die Möglichkeit hat, sich zurückzuziehen. Als fester Rückzugsort wird im Training zum Beispiel eine „Ruhedecke“ etabliert.

Nicht jeder Hund ist als Therapiehund geeignet. Geprüfte Hunde haben einen Wesenstest bestanden, bei dem sie unter anderem durch Anstarren provoziert werden. Darauf sollten sie nicht mit Aggression reagieren. Wenn sie beim Spielen mit einem Gegenstand hochgeputscht werden, dürfen sie das Spielzeug nicht aus der Hand reißen, sondern müssen sich kontrollieren können. Auf Rollstühle, Rollatoren, laute Geräusche oder Hundebegegnungen sollen sie gelassen reagieren.

Streicheleinheiten beugen Wutanfällen vor

Einige der Qualifikationen kann man üben, wie etwa das Laufen auf glattem Boden oder das Tolerieren von Untersuchungen der Ohren, Pfoten et cetera im Rahmen des „Medical Trainings“. Viel macht aber der Charakter aus: Ein Therapiehund sollte den Umgang mit Menschen lieben, aber dennoch zurückhaltend sein.

Ein ausgebildeter und geeigneter Vierbeiner verbreitet nicht nur Spaß, sondern übernimmt auch wichtige Aufgaben: Lea ist zum Beispiel schnell reizüberflutet und neigt dann zu Wutanfällen. Damon erkennt im Voraus die Anspannung eines bevorstehenden „Meltdowns“ und sucht Körperkontakt. Das beruhigt Lea. Ihre Anfälle sind seltener geworden. Sicher hilft dabei auch die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin, das beim Streicheln eines Tieres ausgelöst wird.

Hund animiert zum Mitmachen

Damon kann in der WG aber auch für spezielle Übungen eingesetzt werden: Wenn Svenja mit dem Hund im Garten um Stangen Slalom läuft, übt sie ganz nebenbei, sich besser zu koordinieren. Mirjam wird durch den Hund zu mehr Bewegung angeregt. Beim Spielen von „Mensch ärgere Dich nicht“ darf der Rüde mit einem Schaumstoffwürfel, den er umstupst, würfeln, was die Bewohner motiviert.

Für Spaß und Motivation sorgt der Vierbeiner auch bei Gedächtnis-, Konzentrations- und Motorikübungen: Hierfür werden Tennisbälle in die Mulden einer Muffinform gelegt und unter einen der Bälle ein Leckerli. Die „Mitspielerin“ soll sich merken, unter welchem Ball die Belohnung versteckt ist. Für den Fall, dass sie sich nicht mehr daran erinnert, kann Damon durch Anstupsen mit der Nase die richtige Position „zeigen“. Das Anheben des Balles ist zudem eine Übung zur Fingerfertigkeit. Je nach Zielsetzung gibt es weitere Übungen und Einsatzmöglichkeiten eines Therapiehundes.

Generell schaffen gut erzogene Hunde eine vertrauensvolle Atmosphäre und erleichtern dadurch therapeutische Gespräche und soziale Kontakte. Deshalb dürfen übrigens auch die anderen Mitarbeiter ihre Hunde, wenn sie dazu geeignet sind, mit in die WG nehmen.

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