Bad DÜrkheim / Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Senioren durch die Corona-Zeit kommen

Licht im Dunkel im oberen Kurpark.
Licht im Dunkel im oberen Kurpark.

Wie wird man als alter Mensch mit der Isolation durch die Corona-Pandemie fertig? Wie bleiben Senioren bei all den schlechten Nachrichten guter Dinge? Uns haben sie erzählt, wie sie auch in Corona-Zeiten einen erfüllten Alltag leben und Weihnachten feiern.

Die älteste im Bunde ist mit knapp 94 Jahren Margarete Dörner. Sie hat 30 Jahre lang den Frauenkreis Seebach geleitet. Ist sie einsam in diesen Zeiten, vielleicht gar depressiv? „Nein“, schallt es entschieden aus dem Telefon. Ihr Verhältnis zu den Nachbarn ist bestens, ein Gespräch über den Zaun immer möglich, und man hilft sich gegenseitig. Ihr Enkel hat ihr vor einiger Zeit ein Tablet geschenkt, so dass sie sich mit ihrem Bruder in Kanada austauschen kann. „Ich bin mit einer guten Portion Gottvertrauen ausgestattet. Morgens bitte ich um einen erfüllten Tag, und abends bedanke ich mich oder klage auch mal“, das helfe ihr. Sie fühle sich „dem Virus nicht hilflos ausgeliefert“. Viel einschneidender empfand sie die Einschränkung ihrer Beweglichkeit, als sie vor fünf Jahren ihren Führerschein abgab. Zu Weihnachten kommen ihre Tochter und ihr Enkel zu Besuch. Die montäglichen Treffen im Mehrgenerationenhaus (MGH) und das gemeinsame Singen vermisst die Seniorin allerdings schon.

Kreuzworträtsel statt Stammtisch und Singkreis

Marga Göpel ist knapp 90 Jahre alt. Sie findet es schade, dass man im Moment nicht zusammenkommen kann, die Treffen im MGH und der Bürgerstammtisch fehlen ihr. Sie geht aber konsequent „nicht unter die Leute“. Ihr Sohn schaue regelmäßig nach ihr und erledige ihre Einkäufe. Langeweile kennt sie dennoch nicht. Sie vertreibt sich die Zeit mit puzzeln, Kreuzworträtseln und vor allem Stricken. Vor Wochen hat sie dem Kindergarten etliche Kinderwesten gestiftet, die sie im Lauf der Jahre gestrickt hat. An Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag wird sie von Sohn und Schwiegertochter bei sich zu Hause umsorgt. Das Einzige, was sie derzeit „sehr vermisst“ ist tatsächlich der Bürgerstammtisch.

„Es gibt Menschen, die eindeutig schlimmer dran sind als wir“, findet das Ehepaar Uschi Beyer und Michael Schiffmacher aus Freinsheim, beide sind 72 Jahre alt. „Wir sind gesund, haben ein schönes Zuhause und einander“, zählt Uschi Beyer auf. Man müsse im Moment zwar weitgehend auf das soziale und kulturelle Leben verzichten, aber lebe praktisch mitten in den Weinbergen und könne jederzeit hinaus. Auf ihr Hobby, gemeinsames Singen mit anderen im Café Trift, müssen sie derzeit verzichten, dafür halten sie briefliche und telefonische Kontakte.

Weil das Ehepaar im Moment kein Restaurant, Konzert oder ähnliches besuchen kann, hat es angefangen, das gesparte Geld zu spenden. „Einmal gibst du, einmal nimmst du“, bringt es Michael Schiffmacher für sich auf den Punkt. Weihnachten werden sie alleine zu Hause verbringen, Tochter und Enkel werden nicht kommen. Das sei zwar traurig aber nicht schlimm. Ihre Gedanken gelten eher anderen: „Die Rezession trifft die Ärmsten der Armen. Wir haben alles, was wir brauchen.“

Seinen 90. Geburtstag konnte Willy Schmehrer im März noch feiern. „Welch ein Glück“, findet er. An die Anordnungen wie Maske tragen und Abstand halten kann er sich sehr gut halten. Schmehrer ist Teilnehmer am Singkreis des MGH, aber Chorgesang ist zurzeit nicht erlaubt. Mit seinen Sangesfreunden singt er wöchentlich zirka ein Stunde übers Telefon, darauf freut er sich immer. Im Sommer konnte man sich im Garten zum Singen treffen, da applaudierten auch schon mal die Nachbarn. „Jeder sollte seinen Betrag leisten, um die Pandemie zu überwinden“, findet der 90-Jährige. Seine Tochter lebt in der Nähe, und mit ihr geht Schmehrer öfter mal spazieren. Sein Hauptzeitvertreib sind derzeit Lesen und Rätsel lösen. Gar kein Verständnis hat der Senior für das „Hamstern“ in Corona-Zeiten. Es gebe Leute, die nie genug haben könnten. Das Land habe eine schwere Aufgabe zu vollbringen, dazu benötigten wir alle „Mut und Zuversicht“, mahnt er.

„Die Zeiten sind sehr ernst, und man sollte sich an die Empfehlungen halten, mit querdenken habe ich überhaupt nichts am Hut“, meint die 82-jährige Hedi Bonner resolut. Sie hat einige Ehrenämter, unter anderem im Seniorenbüro der Stadt, die ihr aktuell einfach fehlen. Also macht sie es sich zu Hause gemütlich. Ihre Schwester kann Bonner nicht besuchen, weil diese krank ist. „Wir müssen durchhalten, die Situation ist sehr ernst. Aber mit etwas Zuversicht hole ich mich aus diesen Gedanken heraus“, beschreibt die Seniorin ihre Gefühlslage. Schlimmer als sie dran ist, empfindet sie die Situation von Menschen, die ihre Angehörigen in den Seniorenheimen oder Krankenhäusern nicht besuchen dürfen. Vom Seniorenbüro wisse sie, dass ältere Menschen zu Berührungsangst neigten. Sei die erst mal überwunden, sei man auch bereit zuzugeben, dass man Hilfe brauche. Weihnachten wird Bonner alleine sein: „Das ist neu für mich. Ich bin deswegen aber nicht traurig, ich genüge mir selbst.“ Sie mache sich was „Gutes zu essen und zu trinken“ und hoffe, dass es wieder besser kommt. Ihre Rommé-Gruppe fehlt ihr sehr, und ihr ist bange, dass sie durch die Unterbrechung auseinanderfällt.

Dankbar für schöne Momente von früher

Sie empfinde die Corona-Einschränkungen nicht als bedrückend, sie habe sich darauf eingerichtet und akzeptiere die Regeln, sagt die bald 80-jährige Ute Türk aus Bad Dürkheim. Bis vor zwei Jahren hat sie das Café Trift geleitet, heute springt sie nur noch ein, wenn sie gebraucht wird. „Ich bin zufrieden mit dem, was ich kann“, sagt sie. In der Nachbarschaft wohnen ihre Schwester und deren Mann,. Weihnachten wird sie mit ihnen im kleinen Familienkreis verbringen. Ihr Sohn und Enkel kommen nicht. Eingesperrt fühlt sich Türk nicht, sie ist viel mit dem Fahrrad unterwegs oder geht wandern. Vor einiger Zeit war sie in einem Seniorenheim zu Besuch und hat im Innenhof mit Bewohnern gesungen – mit dem nötigen Abstand untereinander. Das fand sie schön.

„Persönlich eingeschränkt“ findet sich Günther Löchner aus Wachenheim nicht. „Als Rentner habe ich keine Verpflichtungen mehr, ich kann mit dem Auto unsere Lebensmittel besorgen, einen Urlaub haben wir nicht geplant“, auf diesen Nenner bringt der 79-Jährige seine Situation. Seit einigen Jahren pflegen er und seine Frau Ursula deren Schwester, deswegen sei durch die Corona-Einschränkungen „nicht viel dazu gekommen.“ Heiligabend verbringt die Löchners zuerst beim Sohn, dann bei der Tochter, an den Feiertagen sind sie allein. Vermisst Günter Löchner seine ehrenamtlichen Tätigkeiten beim Förderkreis Wachtenburg und bei der Mundartgruppe im MGH? Nicht besonders, meint der Wachenheimer, da er sich beim Förderkreis weitgehend aus der Verantwortung zurückgezogen habe. Wann er in der Mundartgruppe wieder seinem Hobby frönen kann, ist ungewiss. „Es ist auch eine Chance zu überlegen, was man schon Schönes gehabt hat“, findet er. Mit seiner Frau holt er gerne Fotoalben hervor und betrachtet die Bilder. Dann heißt es öfter frei nach Paul Tremmel „Wääschd noch?“

Michael Schiffmacher, Uschi Beyer und Ute Türk.
Michael Schiffmacher, Uschi Beyer und Ute Türk.
Hedi Bonner
Hedi Bonner
Marga Göpel
Marga Göpel
Margarete Dörner
Margarete Dörner
Günther Löchner
Günther Löchner
Willy Schmehrer
Willy Schmehrer
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