Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Reisebüros, Hotels und Restaurants mit der Corona-Krise kämpfen

Leere Abflughalle in Frankfurt: Das Einreiseverbot für Europäer in die USA trifft außer Fluggesellschaften auch Reisebüros.
Leere Abflughalle in Frankfurt: Das Einreiseverbot für Europäer in die USA trifft außer Fluggesellschaften auch Reisebüros.

Die Corona-Krise trifft auch die regionale Wirtschaft: Reisebüros klagen über Stornierungen. Hart trifft es auch die Hotels, bei denen nicht nur Tagungen storniert werden, sondern mittlerweile auch viele Privatgäste fernbleiben.

„Die Lage ist dramatisch“, sagt Martina Berwing vom Dürkheimer Gartenhotel Heusser. Jedes Telefonat, das sie momentan führe, sei eine Stornierung. Seien es am Anfang zunächst nur Tagungen gewesen, die abgesagt wurden, würden jetzt auch Privatleute stornieren. Eine Geburtstagsfeier, die eigentlich am Wochenende hätte stattfinden sollen, sei ebenfalls abgesagt worden. „Die Leute haben einfach Angst“, berichtet die Geschäftsführerin. Schlimm sei, dass keine Neubuchungen kämen. Da sich auch die Lage sekündlich ändern würde, könne sie noch nicht sagen, welche Auswirkungen die Krise tatsächlich auf das Hotel habe.

Auch das Hotel Altes Wasserwerk in Freinsheim spürt die Corona-Krise stark. Chefin Rosemarie Simon berichtet, dass sämtliche Veranstaltungen bis Anfang April abgesagt und damit auch viele Zimmerbuchungen storniert wurden. Die Firmen hätten ihren Angestellten Reiseverbote erteilt. „Momentan kommen natürlich auch keine kurzfristigen Buchungen mehr rein“, sagt Simon. Bisher hielten sich die privaten Stornierungen noch in Grenzen, aber wenn größere Events abgesagt würden, würden wohl auch hier viele Zimmer leer bleiben, fürchtet sie.

Entsetzen im Reisebüro

Beim Reisebüro Grenzenlos in Wachenheim brach am Donnerstag das Chaos aus. Mit dem Einreisestopp der USA für Reisende aus Europa mussten nicht nur zahlreiche Reisen in die USA storniert werden, es galt auch, die Rückreise der Gäste, die bereits auf der anderen Seite des Atlantiks sind, zu organisieren. „Die Rückflüge finden nicht statt, wenn die Maschinen nicht hinfliegen können“, erklärt Chefin Katrin Kinzig. Noch am Mittwoch sei sie entspannt gewesen, da hätte es noch keine großen Probleme gegeben. „Jetzt bin ich total entsetzt. Ich hätte nie gedacht, dass Trump die Grenzen rigoros zumacht.“ Auch die Lage in anderen Reiseländern sei schwierig. So würde sie immer auf die Malediven schauen, da auch dort schon einige Inseln abgeriegelt sind. Kinzig sieht vor allem Gastronomie- und Hotelbetriebe nicht nur in den Urlaubsländern, sondern auch bei uns gefährdet.

Ulrike Wolfert von Wolfert-Reisen in Leistadt hat zwar nicht so viele USA-Reisende, merkt die Auswirkungen der Krise aber ebenfalls sehr stark: „Wir haben keine Neubuchungen, sondern nur Stornierungen.“ Ständig kämen neue Reisehinweise des Auswärtigen Amtes, die Kunden seien stark verunsichert. Gerade im Hinblick auf die Osterferien, aber auch auf den Sommerurlaub beispielsweise in Italien sei alles Spekulation. „Wir haben ja keine Kristallkugel, keiner weiß, wie sich die Lage entwickelt“, sagt Wolfert.

Claudia Brettinger vom Reisebüro Vier-Jahreszeiten in Freinsheim ist dagegen noch relativ entspannt. „Unsere Kunden haben zum Glück meist andere Ziele“, berichtet sie – Russland oder die Kanarischen Inseln etwa. Ihre USA-Reisenden seien schon alle wieder zurück. Aber sie weiß auch: „Es hängt davon ab, was die einzelnen Länder machen.“ Die Lage könne sich jeden Tag ändern.

Hoffen auf Stammgäste

Auch im Freinsheimer Restaurant Von-Busch-Hof sind die Auswirkungen deutlich spürbar. Volker Gilcher berichtet von mehreren Stornierungen und Leuten, die zaghaft für die Zukunft gebucht haben und sich alles offenhielten. „Im Restaurantbetrieb halten wir uns selbstverständlich schon immer an die Hygieneempfehlungen“, betont er. Allerdings achte er persönlich darauf, noch öfter die Hände zu waschen und keine Hände mehr zu schütteln. Sehr schwierig beurteilt er die Situation der Veranstaltungen im Bürgersaal. Die Kreisverwaltung und das Gesundheitsamt empfehlen, die Konzerte abzusagen, aber es müssten schließlich auch Verträge eingehalten werden. Er wünscht sich hierbei eine klare Aussage seitens der Kommune. „Was passiert, wenn die Betriebe Personal entlassen müssen?“, fragt er. Er denke dabei auch an Kollegen beispielsweise in Südtirol, denen ein Teil des Geschäfts weggebrochen ist.

Ute Altvater von der Weinstube Zum Rebstöckel in Seebach spürt noch keine großen Auswirkungen. In dieser Woche hätte ein Stammtisch abgesagt, weil einige der älteren Herren krank gewesen seien. „Wir haben viele Stammgäste, die alle noch zu uns kommen“, berichtet sie. Ab Ende April kämen normalerweise mehr Touristen, da bliebe abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt.

Ähnliches berichtet Silvia Biermann von der Weinstube Alte Münze in Wachenheim. Auch sie hätte viele Stammgäste. Allerdings hatte vor Kurzem eine größere Gruppe abgesagt, weil sie zwei gefährdete Personen in ihren Reihen hatte: „Die haben sich selbst und mich geschützt“, berichtet die Gastronomin. Die Leute sollten weiterhin rausgehen und miteinander über die Situation reden können, um sich nicht selbst verrückt zu machen. „Vielleicht sollte man aber das Schoppenglas nicht mehr kreisen lassen, auch wenn’s schade für unsere Pfälzer Mentalität ist!“

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