Gegenüber RHEINPFALZ Plus Artikel Wie geht „Schule ohne Georg“?

Georg Dumont
Georg Dumont

Nach 13 Jahren als Schulleiter der IGS Deidesheim-Wachenheim ist Georg Dumont in den Ruhestand gegangen. Der Dürkheimer hat die Schule geprägt. Der Abschied tut ihm ein bisschen weh. Aus gleich mehreren Gründen wird ihm aber nicht langweilig werden.

Am wichtigsten waren stets die Kinder. Deshalb wollte Georg Dumont schon immer Lehrer sein – Schulleiter eigentlich nicht. Ganz bewusst habe er darum immer die fünften Klassen in Musik unterrichtet. „So habe ich alle Kinder kennengelernt und alle kannten mich.“

Dumont war seit der Gründung der IGS im Jahr 2008 Schulleiter. Er hat diese Schule zu dem gemacht, was sie ist. Seine Erfahrungen an den Gesamtschulen in Oggersheim, in Mutterstadt und seine besondere Art mit Menschen umzugehen, haben ihm viel Respekt entgegengebracht. Die Schulgemeinschaft wird ihn vermissen. „Alle haben gesagt: ,Was soll die Schule ohne Georg machen?’ Ich sage: ,Was soll Georg ohne die Schule machen?’“

Die Schule hat ihm einen besonderen Abschied bereitet. Eine Feier mit Reden wollte er nicht. So wurde der scheidende Rektor am letzten Schultag unter einem Vorwand aus einer Sitzung geholt. Im Flur saßen die Kinder der fünften und sechsten Klassen, die heimlich von Wachenheim nach Deidesheim gebracht worden waren, auf dem Boden und haben den aus seinem Unterricht bekannten „Cup-Song“ vorgeführt. Die Schulgemeinschaft versammelte sich für ihn auf dem Hof. „Das war sehr emotional und schön.“

Seine berufliche Zeit sei Erfüllung gewesen: „Die Arbeit mit Kindern hält einen jung. Ich selbst habe hier in den 13 Jahren am meisten gelernt, von den Schülern. Es hat mir eine positive Sicht aufs Leben gegeben.“

„Nicht mehr so ideologisch“

Sein Werklehrer in der Hauptschule hatte ihn damals so beeindruckt, dass er ebenfalls diesen Beruf ergreifen wollte, da war er 13. Aufgewachsen ist Georg Dumont in Stuttgart, geboren ist er im Saarland, wo er auch sein Studium absolviert hat. Da er dort keine Stelle bekam, wechselte er in die Pfalz, wohnt in Bad Dürkheim. „Ich fühle mich schon fast als Pfälzer“, sagt er.

Als Schulleiter war er Ideen gegenüber aufgeschlossen. Die Bandklasse und die Tanzworkshops mit dem College „Young Americans“ hätten ihm gezeigt, was es bedeute mit den Kindern auf einer anderen Ebene zu kommunizieren. Das Kollegium sagt über ihn, er habe nie den Chef raushängen lassen.

Über das Konzept der Gesamtschulen kann Dumont lange erzählen. Davon, dass Gesamtschulen anders mit Kindern umgehen. Er erzählt so engagiert, dass es nicht schwerfällt, zuzuhören. Dumont räumt ein, dazugelernt zu haben. Er sei nicht mehr so ideologisch. „Die Parallelität der Schulformen ist gut“, erklärt er.

Ein Ereignis in Oggersheim habe ihn geprägt, schildert Dumont. Der junge Pädagoge hatte es mit einem Mädchen zu tun, das extrem schwierig war. Es kam aus problematischen Verhältnissen, es gab jeden Tag Ärger. Das Mädchen sollte sich damals eine Lehrkraft zur Unterstützung aussuchen. Sie nannte Dumont. „Der hat mich noch nie rausgeworfen, der hält mich aus“, so die Begründung des Mädchens. Dieser Satz habe ihn von da an begleitet. „Das konnte ich auch Schülern vermitteln: Wir beide sind jetzt hier und müssen mit der Situation klarkommen.“

Buch über Gesamtschulen in Planung

Seine besondere Art hat ihm jetzt einige Angebote eingebracht. Das Pädagogische Landesinstitut möchte ihn für Schulleiterfortbildungen engagieren. Der Vater eines Schülers habe ihn um Unterstützung beim Formulieren von Flyern gebeten und die RHEINPFALZ-Redaktion in Neustadt würde ihren ehemaligen freien Mitarbeiter gern wieder beschäftigen. Außerdem will er ein Buch über die Geschichte der Integrierten Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz schreiben.

Noch fühle es sich gar nicht an wie Ruhestand, sondern eher wie Sommerferien, sagt Dumont. Er beginne aber, Zeit anders wahrzunehmen. Außerdem ist er gerade Großvater geworden, mit seiner Frau will er das Enkelkind in Bremen häufiger besuchen. Und er möchte wieder mehr Gitarre spielen. Es wird Georg Dumont sicher nicht langweilig werden im Ruhestand.

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