Bad Dürkheim
Wie die Sommersaison bei den Reisebüros läuft
Ein Urlaub am Meer – das wär’s doch jetzt. Immer mehr Länder heben aufgrund niedriger Inzidenzen und hoher Impfquote die Einreisestopps wieder auf. Das wirkt sich auf die Touristen aus. „Viele Leute haben wieder mehr Interesse zu reisen“, sagt Katrin Kinzig, die seit 20 Jahren das Reisebüro Kinzig in Wachenheim betreibt. Sie ist optimistisch, bleibt aber vorsichtig. „Viele fragen zwar an, buchen aber nicht“, weiß die 49-Jährige. Das liege vor allem an der Unsicherheit der Kunden. „Viele sind von den Virus-Varianten abgeschreckt, von denen in den Medien berichtet wird. Ich hatte zum Beispiel enorm viele Umbuchungen von Leuten, die nach Portugal reisen wollten.“ Portugal galt bis vor Kurzem wegen der grassierenden Delta-Mutation als Virus-Variantengebiet. Jetzt wurde es zum Hochinzidenzgebiet zurückgestuft.
Dieses Hin und Her macht auch Stefanie Carcereri aus Bobenheim am Berg zu schaffen, die ein privates Reiseunternehmen mit dem Namen „Take off“ leitet. Seit gut einem Jahr sei die Reisestimmung schlecht gewesen, dann habe es im Juni plötzlich wieder viele Anfragen gegeben. „Doch Portugal hat uns einen Dämpfer gegeben“, fasst sie zusammen.
Angst ist da, Hoffnung ist groß
Auch José Lopez und Christian Schulz, Geschäftsführer des Reisebüros „einfachbuchen.de“ im Dürkheimer Gewerbegebiet Bruch, haben diese Erfahrung gemacht. Sie versuchen positiv zu bleiben. „Ja, die Angst ist bei vielen da, aber die Hoffnung ist auch sehr groß“, meint Schulz. Viele würden mit den Hufen scharren, endlich wieder wegzukommen.
Carcereri sieht auch eine positive Entwicklung im Verhalten der Kunden. „Die, die verreisen wollen, fackeln nicht lange. Da wird nicht groß überlegt, sondern schnell und spontan gebucht“, erzählt sie. Bei ihr kann ausschließlich per Telefon oder E-Mail gebucht werden. „Wenn, dann trauen sich die Leute mehr Richtung Spanien, Griechenland oder in die Türkei“, bestätigen Lopez und Schulz. Fernreisen gebe es weniger.
Bei Katrin Kinzig stehen außerdem die Kanaren und Zypern hoch im Kurs. „Ich habe sogar Anfragen in fernere Länder. Doch da wollen wir erst mal abwarten“, erklärt sie. Besonders zu schaffen mache ihr die „Flex-Option“, die es Kunden ermöglicht, auch 14 Tage vor Reiseantritt kostenlos zu stornieren. „Da verdienen wir eben nix. Und weil auch die Beratungen nichts kosten, habe ich, nüchtern betrachtet, die letzten eineinhalb Jahre für ,umme’ gearbeitet“, sagt sie. Viele ihrer Kollegen würden deshalb eine Beratungsgebühr verlangen. „Das ist für mich derzeit noch keine Option. Wir werden sehen, wie es weitergeht.“
Geteilte Meinung zum digitalen Impfpass
Die Betreiber der Reisebüros beschäftigt auch der digitale Impfpass. Während die Geschäftsführer von „einfachbuchen.de“ und „Take off“ keine negative Erfahrungen machen mussten, hat Katrin Kinzig eine andere Meinung: „Es ist extrem anstrengend für uns. Wir müssen Formulare ausfüllen und uns um die QR-Codes kümmern. Das dauert oft zehnmal so lang wie normal.“ Es sei einfacher, den Hotels oder Reiseveranstaltern den gelben Impfpass abzufotografieren und zuzusenden.
Bei einer Sache sind sich alle einig: Das Reisen biete derzeit mehr Vor- als Nachteile. „Die Kunden berichten uns von super Hygienekonzepten vor Ort in Hotelanlagen und bei den Transfers. Keiner hat es bereut, verreist zu sein“, erzählt Kinzig. „Alles positiv, die Kunden sind sehr zufrieden“, meint auch Christian Schulz.
„Ich selbst war dieses Jahr in Griechenland und hatte eine tolle Zeit. Keine meiner Befürchtungen hat sich bestätigt“, berichtet auch Stefanie Carcereri. Sie hat für alle Reisemutigen einen Tipp: von individuellen Reisebausteinen absehen. „Die Wahl sollte auf die klassische Pauschalreise fallen. Dann kümmert sich der Veranstalter nämlich lückenlos um einen, falls etwas schiefgehen sollte.“