Bad Dürkheim
Wie der Landkreis die Klimaziele erreichen will
Wie dringlich es ist, für das Problem des Klimawandels Lösungen zu finden, wurde den Kreistagsmitgliedern schon durch die stickige Atmosphäre im Sitzungssaal deutlich gemacht: Die Sonnenrollos konnten nicht verhindern, dass sich drinnen die Luft immer weiter aufheizte. Ventilatoren wirbelten zwar etliche Blätter von den Tischen, brachten aber so gut wie keine Kühlung. Besucher und Mandatsträger versuchten sich mit Fächern oder losen Blättern Luft zuzufächeln. Da brauchte es fast schon nicht mehr die Erklärungen der Klimaschutzmanagerin Natalia Koch, um die Notwendigkeit politischen Gegensteuerns aufzuzeigen.
Geprägt vom Autoverkehr
Mitten in der Klimakrise also auch der Landkreis Bad Dürkheim, der stark dominiert ist vom Pkw: Der Fahrzeugbestand ist hoch, die Mobilität geprägt durch das Pendeln: zur Schule, zur Arbeit, zur Freizeit. 2019, so verdeutlichten es die Vertreter des vom Kreis beauftragten Büros BAUM im Klimaschutzkonzept, wurden auf den Straßen des Landkreises 1,3 Millionen Fahrzeugkilometer zurückgelegt. Dadurch wurden 347.000 Tonnen CO 2 produziert, was 2,6 Tonnen pro Einwohner entspricht. Deshalb will man sich im Konzept zum Klimaschutz insbesondere dem „motorisierten Individualverkehr“, kurz MIV, widmen, um wie das Land Rheinland-Pfalz zwischen 2035 bis spätestens 2040 klimaneutral zu werden. Diesem Ziel hat sich der Kreis durch den Beitritt zum kommunalen Klimapakt des Landes verpflichtet.
Um die Treibhausgase gegen Null zu senken, muss an diversen Stellschrauben gedreht werden. Eine steht für die Steigerung der E-Mobilität, die der Landkreis durch den Ausbau der E-Ladeinfrastruktur beeinflussen kann. Außerdem soll sich der Verkehr weiter hin zum Rad verlagern. Dieser Trend soll unterstützt werden durch den Ausbau des Radschnellwegs Richtung Mannheim/Ludwigshafen. Die Fahrrad-Arbeitsgruppe – Vorbild ist hier die Arbeitsgruppe Radverkehr der Stadt Bad Dürkheim – soll helfen, konzeptionelle Maßnahmen umzusetzen. So könnte das kostenlose Parken für Lastenräder auf Autoparkplätzen im ganzen Landkreis eine erste mögliche Maßnahme sein. Kreisweit soll das Carsharing ausgebaut werden. Ein Förderantrag wurde hier bereits eingereicht. Ziel ist es, Carsharing-Angebote in jeder Kommune des Kreises zu machen. Eine eigene E-Carsharing-Station ist vor der Kreisverwaltung geplant. Sowieso will die Kreisverwaltung mit einem eigenen betrieblichen Mobilitätskonzept mit gutem Beispiel vorangehen: Geplant ist eine digitale Mitfahrzentrale oder ein Fahrradabstellkonzept.
„Elterntaxis“ im Blick
Ein Fokus liegt auch bei den Schülern. Denn durch weniger Elterntaxis lässt sich CO 2 einsparen: Daran soll die Arbeitsgruppe „Schulmobilität“ arbeiten. Auch Touristen und Senioren sollen sich künftig im Kreis klimafreundlich vorwärts bewegen.
Ohne die Erhöhung des ÖPNV-Anteils an der Mobilität lässt sich die Klimaneutralität nicht erreichen. In die bestehende Busflotte sollen künftig auch kleine E-Busse integriert werden. Als Alternative zum privaten Pkw soll der On-Demand-Verkehr gefördert werden. Als mögliche Antriebsalternative könnte der Wasserstoff eine Rolle spielen.
„Niemand muss sich festkleben“
„Die Menschheit steht vor ihren größten Herausforderungen“, brachte es Klaus Wagner (CDU) auf den Punkt. Bei den Grünen erregte Fraktionsmitglied Wolfgang Schneider die Aufmerksamkeit im Sitzungssaal, als er Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) ein eingerahmtes Bild mit den wichtigsten Zielen des Konzeptes überreichte. „Es sollte dort aufgehängt werden, wo die Beschlüsse beraten werden“, empfahl Schneider.
Reinhold Niederhöfer (SPD) sah in dem Konzept klare Handlungsanforderungen, jedoch müssten davon auch die Bürger überzeugt werden. Wolfgang Kräher kündigte die Enthaltung der AfD-Fraktion an. Er mahnte einen sinnvollen Energiemix an, der auch Kernenergie beinhalten müsse. Außerdem sei ein jährliches Monitoring sinnvoller. Die regelmäßige Überprüfung der Ziele war auch Hanns Gauch (FWG) wichtig.
Heidi Langensiepen (FDP) konstatierte: „In unserem Landkreis muss sich niemand festkleben.“ Es sei zu hoffen, dass der Kreis bei der Realisierung des Konzepts auch ein wirkliches Vorbild sein werde.
