Interview
Werner Schwartz über „Kerch uf Pälzisch“ in Wachenheim
Dialektpredigten kennen wir hier vor allem durch den verstorbenen Pfarrer Otmar Fischer, der in Weisenheim am Berg „mit de Peif “ in die Kirche ging. War er das Vorbild für Ihre Dialektpredigten?
Otmar Fischer hat den Anstoß gegeben, weil er sich getraut hat, im Pfälzer Dialekt zu predigen. Als ich damit angefangen habe, war ich Pfarrer in Großkarlbach. Damals bin ich gefragt worden, ob ich so etwas nicht auch machen kann. Ich habe dann auch eine Videokassette von einer Fischer-Dialektpredigt bekommen. Zunächst habe ich mich ein bisschen gewehrt, irgendwann aber darauf eingelassen.
Mit „Peif“ und „Woi“ gehen Sie aber nicht in die Kirche?
Meinem Presbyterium damals habe ich gesagt: Ich mache einen ganz normalen Gottesdienst – nur eben auf Pfälzisch. Später als Dekan in Frankenthal habe ich damit angefangen, jedes Jahr beim Strohhutfest im Dialekt zu predigen. Nach meiner Erfahrung sind diese Predigten verständlicher für die Leute und gehen ihnen viel näher. Es lohnt sich also, das zu kultivieren. Neben dem Strohhutfest habe ich auch hie und da Einladungen angenommen, um etwa bei Festen und Jubiläen im Dialekt zu predigen. Beflügelt hat mich der Kontakt zu einem Forum für Mundart beim Evangelischen Kirchentag. Da tauschten sich Mundartprediger aus Schwaben, Hessen oder Norddeutschland aus. Mit den Dialektpredigten habe ich mich dann auch theoretisch beschäftigt und versucht auszuarbeiten, worin der Unterschied liegt, wenn man auf Hochdeutsch oder im Dialekt predigt.
Macht es denn tatsächlich einen Unterschied?
Im Dialekt hat der Sprecher kaum die Möglichkeit, in abstrakten Begriffen zu sprechen. Er wird eher erzählen als reflektieren. Kompliziertes kann er nicht hinter unverständlichen Begriffen verstecken.
Können Sie auf Pfälzisch über alles predigen, oder wählen Sie automatisch eher leichte Themen?
Im Pfälzischen kommt man nicht ins Theoretisieren, kann aber über alles predigen. Am Sonntag geht es in Wachenheim um eine Stelle aus dem Römerbrief (Römer 11,33-36 „Kann mer unsern Herrgott lowe, wann die Welt so is, wie se is?“). Paulus ist nicht dafür bekannt, einfach und verständlich zu sein. Ich bin überzeugt: Dinge, die wichtig sind, kann man auch im Dialekt sagen. Es wird dann vermutlich nur einfacher, direkter, es kommt einem näher. Was Liebe ist oder Hoffnung ist, kann man auch im Dialekt sagen.
Ich habe gehört, dass das Wachenheimer Presbyterium schon fleißig die Bibelstellen im Dialekt übt. Einigen Sie sich eigentlich im Vorfeld auf eine gewisse Form der Mundart oder spricht jeder und jede so, wie ihm oder ihr der Pfälzer Schnabel gewachsen ist?
Ich hoffe es doch sehr. Ich wurde in Annweiler sozialisiert, bin aber seit ich 24 Jahre alt bin in der Vorderpfalz. Das hat abgefärbt auf meine Art des Redens. Ich spreche nicht mehr das Pfälzisch meiner Großmutter. Es ist jetzt ein Verschnitt – ein Kulturpfälzisch. Vor den Predigten frage ich immer, ob jemand bereit ist, sich zu beteiligen. Dann mache ich eine Rohübersetzung der Texte. Aber es muss in den Mund des Sprechers passen, kann also entsprechend verändert werden.
Es wird auch auf Pfälzisch gesungen. Es gibt inzwischen ein ganzes Repertoire bei den etwa 20 bis 30 Kolleginnen und Kollegen, die sich auch trauen, auf Pfälzisch zu predigen. Es gibt Lieder auf „Hinterpfälzisch“ und welche im richtig schönen, breiten Südpfälzisch. Am Sonntag singen wir auf die Melodie „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ den Text, den die Speyerer Mundartdichterin Karin Ruppert geschrieben hat: „Mir sin im schääne Land dehääm mit Appel-, Beere-, Quetschebääm, mit Pärsching un mit Keschde …“
Ketzerische Frage: Ist so eine pfälzische Predigt auch ein bisschen ein Lockmittel, um nicht ganz so gut besuchten Gottesdiensten zu mehr Publikum zu verhelfen?
Die ganze Gesellschaft ist mehr auf „Events“ aus als früher. Dieser Trend hat die Kirche nicht ausgelassen. Es gab aber schon immer Feste in der Kirche wie Jubelkonfirmationen, dazu kommen auch Dorffeste. Da kann Pfälzisch seinen Platz haben und es kann auch so gepredigt werden. Für mich liegt die Attraktion in der christlichen Überlieferung, nicht im Dialekt. Aber wenn es auf diese Weise Anlässe gibt, dass Menschen dem begegnen, dann ist das auch gut.
Termin
Den Gottesdienst in Pfälzer Mundart, die „Kerch uf Pälzisch“, gestaltet Werner Schwartz mit Mitgliedern des Presbyteriums am Sonntag, 12. Juni, 10.15 Uhr, in der Protestantischen Georgskirche in Wachenheim. Thema: „Kann mer unsern Herrgott lowe, wann die Welt so is, wie se is?“
Zur Person
Werner Schwartz wurde 1949 in Annweiler geboren. Als Gemeindepfarrer war er unter anderem in Großkarlbach, Laumersheim oder Obersülzen tätig. Als Dekan war er von 1986 bis 2001 in Frankenthal. Anschließend war er 14 Jahre lang Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannheim. Mit der Predigt im Dialekt hat Schwartz mehr als 30 Jahre Erfahrung. Er lebt in Ludwigshafen.