Interview
Werkleiter Panzer: Schlaflose Nächte wegen der Gaspreise
Herr Panzer, in diesen Tagen haben die Wachenheimer Stadtwerke die Berechnungen für die Abschlagszahlungen für das Jahr 2022 verschickt. Was geht Ihnen als Werkleiter angesichts der hohen Preise durch den Kopf?
Man macht sich schon viele Gedanken über die Preissteigerungen und wie sie vor allem sozial Schwächere treffen. Schließlich sind wir alle Endverbraucher. Beim Strom sind wir froh, dass wir die Preise halten konnten. Dagegen mussten wir beim Gas die Tarife deutlich anheben
Warum sind die Preise derart explodiert?
Das hat viele Ursachen. Ein Grund ist der Einstieg in die CO
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-Bepreisung. Dann spielt die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie eine Rolle, etwa in China. Außerdem sind die Gasspeicher nicht gefüllt, und die Ukraine-Krise treibt die Preise zusätzlich. So etwas habe ich in den fast vier Jahrzehnten hier bei den Stadtwerken noch nicht erlebt – nicht in der Höhe und nicht in der Geschwindigkeit, in der sich die Preise verändern. Wenn ich an die nächste Jahresabrechnung für das aktuelle Jahr 2022 denke, dann schlafe ich nicht gut.
Wie realistisch ist es denn, dass die berechneten Abschlagszahlungen 2022 ausreichen werden?
Normalerweise sind unsere Berechnungen relativ passgenau, wobei wir uns an den aktuellen Preisen orientieren. Was wir natürlich nicht vorhersagen können, ist, ob der Gaspreis auf diesem hohen Niveau bleibt oder sogar weiter steigt. Dann müssten wir im Sommer noch eine Anpassung vornehmen. Beim Strom hoffen wir auf eine Absenkung der EEG-Umlage, aber beim Gas ist der Spielraum nach unten begrenzt und nach oben offen. Denn die hohe Nachfrage wird bleiben, und mit der Unklarheit bei der Nord-Stream-2-Pipeline und der Kriegsgefahr in der Ukraine gibt es sehr viel Unsicherheit.
Sie sagten, die Stadtwerke seien der günstigste Versorger für Wachenheim. Haben Sie als kleiner Anbieter nicht Nachteile beim Einkauf?
Nein. Abgerechnet wird der Preis zum Einkaufszeitpunkt, nicht die Menge. Bei uns erfolgt der Einkauf innerhalb eines Rahmens von drei oder vier Jahren, aber immer sukzessive. Man spricht hier von einem strukturierten Beschaffungsmodell. Diese langfristige Beschaffung ist derzeit ein großer Vorteil gegenüber den Discountern, die am Spotmarkt zum aktuellen Zeitpunkt kaufen müssen. In der derzeitigen Lage gilt: Je mehr wir fixiert hatten, desto besser ist es für unsere Kunden. Wenn der Preis beim Strom oder beim Gas allerdings dauerhaft hoch bleibt, müssen wir trotz der strukturierten Beschaffung die Tarife wieder anpassen.
Sie haben die Discountanbieter angesprochen. Zwei große Anbieter hatten Ende 2021 angekündigt, ihre Kunden nicht mehr zu beliefern. Das wird für die Grundversorger zum Problem, weil diese dann einspringen und die neuen Kunden beliefern müssen – ohne vorher Strom oder Gas für sie eingekauft zu haben. Wie ist die Situation in Wachenheim?
Bei uns hält sich das Problem noch in Grenzen. Wir haben jeweils etwa 50 Kunden bei Strom und Gas, die jetzt zurückgekommen sind. Um das besser einordnen zu können: Insgesamt beliefern wir 1500 Haushalte mit Gas, beim Strom sind es etwa 1900 bis 2000. Von den angesprochenen Discountern sind beim Strom etwa 15 und beim Gas etwa 20 Kunden zu uns gekommen. Der Rest ist aufgrund der massiven Preissteigerungen ihrer früheren Versorger gewechselt.
Welchen Tarif zahlen die Rückkehrer?
Sie fallen zunächst in den Grund- und Ersatzversorgungstarif. Auch der ist bei uns noch vergleichsweise günstig.
Warum gibt es keinen Extratarif für Rückkehrer wie beispielsweise in Grünstadt?
Ich hatte ja gesagt, dass sich die Menge in Grenzen hält, die wir zusätzlich beziehen müssen. Beim Strom wird übrigens ein Teil des Mehrbedarfs durch den Zuwachs an Photovoltaikanlagen gedeckt. 2021 kamen 25 Anlagen hinzu. Außerdem ist die juristische Situation unklar, Verbraucherschützer wollen gegen diese Sondertarife klagen. Wir wollen lieber abwarten, was die Verbände raten, beispielsweise ob man aus Grund- und Ersatzversorgungstarif nicht zwei eigenständige Tarife macht. Wir werden das Thema Mitte Februar im Werksausschuss ansprechen.
Was raten Sie Verbrauchern?
Wir sind froh um jeden Kunden, der versucht, Energie zu sparen. Das hilft uns, weil wir weniger einkaufen müssen. Außerdem hoffen wir, dass der Februar nicht so kalt wird. Bislang war der Winter ja eher mild.
Machen Sie als Stadtwerke dann nicht weniger Gewinn?
Uns geht es nicht darum, große Gewinne zu erwirtschaften. Wir kalkulieren so, dass ein Mindestgewinn reinkommt. Ich hoffe auf ein sonniges und mildes Jahr 2022 – nicht nur wegen der Energiepreise, sondern auch wegen der Pandemie. Das hätten wir uns alle verdient.